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Knidische Sakralbezirke im Hellenismus
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Laufende Arbeiten



Sommerkampagne 2006

Die Arbeitskampagne im antiken Knidos (Kap Tekir) dauerte vom 20.07. bis zum 05.09.2006. In allen drei vorgesehenen Untersuchungsarealen wurde ein Punktraster im 10 m-Abstand eingemessen. Weiterhin wurden die vorhandenen Pläne überprüft und zum Teil neu aufgemesssen. Grabungen waren auf zwei Bereiche konzentriert (Abb. 1): auf das Areal am Westende der Rundtempelterrasse und den Tempel des Apollon Karneios. In diesen Arealen wurden am Ende der Kampagne die vorhandenen und die neu freigelegten Baustrukturen photogrammetrisch aufgenommen.

Es wurden nur die beiden genannten Bezirke untersucht, weil keine drei Grabungsteams gebildet werden konnten. Daher mußte die Untersuchung des sog. Dorischen Tempels auf die Kampagne 2007 verschoben werden. Allerdings wurde auch dieses zukünftige Grabungsareal ebenso wie die beiden dann in Angriff genommenen vom Bewuchs gereinigt (Abb. 2-5). Schon nach dieser oberflächlichen Reinigung trat unter dem Dorischen Tempel ein tiefer liegendes, rechteckiges, von einem schwarzen Kieselmosaik überdecktes Fundament zu Tage, welches von dessen Cella und nördlicher Peristase überbaut wird. Der Tempel steht also auf einem älteren und, wie das Kieselmosaik vemuten läßt, reich ausgestatteten Bauwerk.
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Insgesamt läßt sich nach den Grabungen der diesjährigen Kampagne folgendes Fazit ziehen: Der umfassenden Umgestaltung der drei obersten Terrassen im westlichen Sakralbezirk geht eine ältere wohl an das Ende des 4. und den Beginn des 3. Jh. v. Chr. zu datierende Bebauung voraus. Erst im 2. Jh. v. Chr werden am westlichen Ende der Rundtempel- und dem westlichen Ende der nächsttieferen Terrasse kleinere Ost-West orientierte Naiskoi errichtet und diese mit nach Süden ausgedehnten Plattformen versehen (Abb. 6). Auch die Terrasse mit dem Tempel des Apollon-Karneios wurde im 2. Jh. v. Chr. neu gestaltet. Der Tempel selbst wurde in den alten Dimensionen neu errichtet, ebenso der zugehörige, mit Reliefs verzierte Altar. Nach diesen Ausbauten erscheint die obersten drei Sakralbezirke weniger als eine Anlage aus drei übereinander gestaffelten, geradlinig durchlaufenden, parallel angeordneten Terrassen. Vielmehr wird die strenge Staffelung der beiden obersten Stufen dieses Sakralbezirks an ihrem Westende durch die nach Süden vorspringenden Plattformen um die beiden neu errichteten Naiskoi aufgelockert. Innerhalb der Terrassen setzen der Apollon-Karneios-Tempel zusammen mit seinem Altar und der auf der obersten Terrasse erbaute Rundtempel mit seinem Altar monumentale Akzente. Durch die nach Süden vorspringenden Plattformen um die Naiskoi ähnelt der strukturelle Aufbau eher dem zu verschiedenen Zeiten etappenweise bereicherten Ausbau gewachsener Heiligtümer als einer achsial streng ausgerichteten hellenistischen Heiligtumsanlage wie z.B. dem Asklepieion von Kos.
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Sommerkampagne 2007

Die für Jahr 2007 geplante Kampagne in Knidos konnte nicht durchgeführt werden, weil das Kultusministerium in Ankara dem Grabungsleiter, Herrn Prof. Dr. R. Özgan von der Selçuk Universität Konya, keine Arbeitserlaubnis erteilte. Dies ist um so bedauerlicher, als die Ergebnisse der Kampagne 2006 zum ersten Mal aufgrund der ermittelten Stratigraphie chronologisch belastbare Anhaltspunkte für die Errichtung und die weitere Ausgestaltung der im Rahmen des Projektes untersuchten Sakralbezirke erbrachten.
Im Rahmen des Teilkolloquiums "Heiligtümer – Theater – Gymnasia – Agorai. Öffentliche Räume als Strukturelemente der hellenistischen Stadt" wurde ein aktueller Überblick über den Stand der Forschungen in Knidos vorgestellt; eine Zusammenfassung des Vortrags finden sie hier.

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Bericht über die laufenden Arbeiten 2007 - 2009

Im 2006 konnte die einzige Grabungskampagne in Knidos vom 19. Juli 2006 bis zum 5. September durchgeführt werden.
Alle weiteren geplanten Kampagnen wurde von zuständigen türkischen Generaldirektion nicht genehmigt. 2007 war Prof. Dr. Ramazan Özgan die Grabungskonzession auf Beschluß des Ministerrates entzogen und danach nicht wieder erteilt worden. Der Entzug der Grabungslizenz wurde mit unhaltbaren Vorwürfen gegen Herrn Özgan begründet. Zwei danach vom Ministerium eingesetzte Untersuchungskommissionen kamen in ihren Berichten zum Ergebnis, daß die Vorwürfe haltlos seien.
Ein von Prof. Dr. W. Ehrhardt im Juli 2008 gestellter Antrag auf eine Aufarbeitungskampagne wurde aus formaljuritischen Gründen von der türkischen Generaldirektion abgelehnt. Denn mittlerweile hat Prof. Dr. R. Özgan die Generaldirektion auf Wiedererteilung der Grabungslizenz verklagt.
Angesichts dieser Situation hat sich W. Ehrhardt mit der Heiligtumsarchitektur auf den Insel Kos und Rhodos beschäftigt. Ein Vergleich der Architektur der westlichen Sakralbezirke in Knidos mit den Heiligtümern in den anderen Poleis der Dorischen Hexapolis war von Anfang an geplant, dementsprechend beantragt und bewilligt worden.
In diesem Zusammenhang unternahm W. Ehrhardt 2008 eine erste Reise nach Kos und Rhodos. Über die ersten Resultate dieser Vergleiche trug er auf dem Netzwerktreffen 21.- 22. November 2008 vor (www.poliskultur.de/5808_2.%20Teilkolloquium.html). Die Reisekosten für diese Fahrt konnten aus den Restmitteln der ersten Bewilligung bestritten werden.
Im September 2009 wird W. Ehrhardt eine weitere Fahrt nach Kos und Kalyndos unternehmen. Auch die Kosten dieser Reise können aus den Restmitteln der ersten Bewilligung finanziert werden.
W. Ehrhardt beschäftigt sich mit einigen grundlegenden Fragen und Bedingungen für den Vergleich von Stadtstruktur und Ausgestaltung der Sakralarchitektur verschiedener Städte. Vordergründig reichen die geographische Lage und die geschichtliche und kulturelle Verbundenheit zwischen den Städten der Dorischen Hexapolis aus, um einen solchen Vergleich dieser Städte über die zeitliche Entwicklung hinweg zu rechtfertigen. Allerdings gehörten wohl Ialysos, Kamiros und Lindos, nicht aber Rhodos zu diesem Verbund. Dabei bieten sich gerade Stadtstruktur und Sakralarchitektur von Rhodos als Vergleich an.
So muß eine solche Untersuchung auch die historischen Rahmenbedingungen berücksichtigen, unter welchen die Stadt Knidos existierte. Es stellt sich z.B. die Frage, ob Knidos im 2. Jh. v. Chr. überhaupt autonom und sowohl politisch als auch finanziell vom ausufernden rhodischen Herrschaftsbereich unabhängig war. Befand sich Knidos in einer etwa Kaunos vergleichbaren Abhängigkeit, ist dieses Abhängigkeitsverhältnis beim Vergleich der knidischen und der rhodischen Sakralarchitektur einzukalkulieren, weil Knidos nicht über dieselben ökonomischen Möglichkeiten verfügte wie Rhodos.
Eine weitere Ebene eröffnet die systematische Übersicht über die Kulte und Feste in den jeweiligen Städten, wie sie sich den bisher bekannten Sakralgesetzen entnehmen läßt. Welche Kulte haben alle diese Städte gemeinsam? Welche Bedeutung hatten diese Kulte im Rahmen des sakralen und kultischen Systems der betreffenden Städte?
Und schließlich hat der Vergleich eine rezeptionsästhetische Komponente. Denn die Sicht des neuzeitlichen Betrachters auf die ästhetischen und baulichen Qualitäten einer antiken Stadt muß nicht mit der antiker Reiseschriftsteller und derjenigen der Verfasser von Städtelobpreisungen zusammengehen. Um in diesem Kontext für das Weichbild der Stadt Knidos eine Grundlage zu erarbeiten, wird auf der Basis der photogrammetrischen Aufnahme des Jahres 2006 und älterer schon publizierter Architekturpläne der westlichen Heiligtümer in Knidos das von H. Bankel entwickelte dreidimensionale Modell der Stadt verändert und erweitert. Auch hier wird die Finanzierung für dieses Modell aus den Restmitteln der ersten Bewilligung bestritten.
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Letzte Änderung: 30.09.2009