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Elaia
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Laufende Arbeiten



Zusammenfassung

Seit 2006 werden von der Pergamongrabung des Deutschen Archäologischen Instituts in Elaia, der Hafenstadt der antiken Metropole Pergamon an der Westküste der Türkei, archäologische Untersuchungen durchgeführt. Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts haben Mitarbeiter der Pergamongrabung einen ersten Plan der Stadt vorgelegt. Seitdem fanden an dem historisch höchst bedeutsamen Platz keine weiteren Untersuchungen mehr statt. Ziel des neuen Projektes im Rahmen des SPP 1209 ist die Rekonstruktion des Stadtplans und der Hafenanlagen mit Hilfe von Geländebegehungen, Messungen im Flachwasserbereich und geophysikalischen Prospektionen. Ein archäologischer Survey dient der Feststellung von Siedlungskonzentrationen und eröffnet Einblicke in die materielle Kultur der Stadt. Auf dieser Basis soll geklärt werden, wie die alte Polis Elaia unter dem Einfluß der pergamenischen Könige zu einem wichtigen Militär- und Handelsstützpunkt wurde. Anhand von Keramikfunden können wir zeigen, daß bereits in der frühen Bronzezeit (3. Jt. v. Chr.) eine erste Siedlung im Bereich der Akropolis bestand. Eine deutliche Ausdehnung erfuhr die Stadt in hellenistischer Zeit, als sie zum maritimen Satelliten der Pergamener wurde. Davon zeugen u.a. ein Straßenraster und eine ausgedehnte Hafenzone mit mächtigen Befestigungsanlagen, die sich mit Hilfe geomagnetischer Messungen nachweisen ließen. Völlig überraschend war die Entdeckung weiterer Hafenanlagen im der Küste vorgelagerten Flachwasserbereich. Dank der Unterstützung ortsansässiger Fischer konnten wir auf einer Fläche von etwa 1 x 2 km zahlreiche Reste von Molen oder Wellenbrechern nachweisen, die ihrer Bautechnik nach noch in die hellenistische Zeit gehören könnten. Diese wichtige Entdeckung könnte in Zukunft ein völlig neues Licht auf die Bedeutung Pergamons als hellenistische Seemacht werfen.
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Summary

Since 2006 the German Archaeological Institute has been carrying out archaeological investigations at Elaia, the port of the ancient city of Pergamon on the west coast of Turkey. The first plan of the city was proposed at the end of the 19th century by members of the Pergamon excavation campaign. Since that time no further explorations have taken place at this historically highly significant site. The aim of the new project, which is being funded by the Deutsche Forschungsgemeinschaft (SPP 1209), is to reconstruct the plan of the town and the harbour by means of archaeological survey, measurements in the shallow waters, and geophysical prospecting (cooperation with Kiel University). A ceramics survey enables the localisation of settlement concentrations and affords insights into the material culture of the city. It is hoped that by this means we can clarify how the ancient polis of Elaia, under the influence of the Pergamene kings, became an important military base and trading centre. On the basis of pottery finds and a stone axe it can be demonstrated that an initial settlement already existed on the Acropolis in the early Bronze Age (3rd Mill. BC). The city expanded appreciably in the Hellenistic period when it became the maritime satellite of the Pergamenes. This is attested by a Hellenistic street-grid and by an enlarged harbour zone with mighty fortifications which was detected with the aid of geomagnetic measurements. A complete surprise was the discovery of further harbour structures in the shallow waters off the coast. Thanks to the help of local fishermen we found numerous remains of moles or breakwaters extending across an area of about 1 x 2 km; the construction technology indicates that they could be of Hellenistic provenance. This important discovery could in future shed entirely new light on Pergamon's significance as a Hellenistic sea power.
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Einleitung

Im September 2006 und 2007 sowie im August 2008 wurden im Rahmen der Pergamongrabung des Deutschen Archäologischen Instituts drei vier- bis fünfwöchige Kampagnen in Elaia durchgeführt. Die bisherigen Arbeiten umfassen die Erstellung einer neuen archäologischen Karte mit 3D-Modell, die Durchführung eines archäologischen Surveys und die Auswertung der dabei gemachten Funde, geophysikalische Prospektionen im Stadtgebiet und in der Hafenzone, geoarchäologische Untersuchungen sowie die Dokumentation der wenigen oberirdisch sichtbaren Baureste und von Baugliedern durch die archäologische Bauforschung. Im Anschluß an die Arbeiten in 2008 wurde gemeinsam mit dem Museum Bergama eine Notgrabung im Bereich einer der Nekropolen Elaias durchgeführt.
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Geodäsie und archäologische Bauforschung

Auf Basis terrestrischer Vermessungen mit dem GPS und einer Luftbildphotogrammetrie konnte eine neue Karte im Maßstab 1:1000 erstellt werden (Abb. 1). In diese Karte wurden die Bauaufnahmen der oberirdisch sichtbaren Architekturreste, die im Flachwasserbereich prospektierten Hafenanlagen (s.u.) und die geophysikalischen Messungen eingetragen. Die Karte und das aus ihr generierte 3D-Modell (Abb. 2) sollen die kartographische Oberfläche eines Geoinformationssystems bilden, das in das Vermessungssystem und das GIS der Pergamongrabung integriert ist. Auf dieser Basis wird sichergestellt, daß die Vergleichbarkeit aller Daten aus Elaia, Pergamon und dem Survey in der Chora von Pergamon (Projekt M. Zimmermann im Rahmen des SPP 1209) gewährleistet ist. Darüber hinaus haben die Geodäten die umfangreichen Baureste im Flachwasserbereich mit Hilfe von GPS-Technologie aufgenommen (Abb. 3) und die Grundlagen für die Bauaufnahme der westlichen Mole des geschlossenen Hafens und mehrerer Abschnitte der Stadtmauer gelegt. Neben der Dokumentation der wenigen oberirdisch sichtbaren Baureste im Maßstab 1:50 (Abb. 4) sind von der archäologischen Bauforschung zahlreiche Architekturteile zeichnerisch erfaßt worden.
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Archäologischer Survey

Im Rahmen des archäologischen Surveys im Stadtgebiet von Elaia und seiner Umgebung sollen sämtliche Baureste und Architekturteile erfaßt und die Konzentration von keramischem Fundmaterial kartiert werden. Zu diesem Zweck ist das Stadtgebiet in unterschiedlich große Felder bzw. Fundstellen unterteilt worden, die sich an den Grenzen moderner Felder, Olivenhaine und Gärten orientieren. Für jede Fundstelle wurde zunächst die Oberflächenbeschaffenheit mit Hilfe einer standardisierten Terminologie beschrieben. Im Anschluß daran sind in ausgesuchten Testfeldern sämtliche Fundstücke gezählt worden, um auf diese Weise einen verläßlichen Eindruck von der Funddichte in verschiedenen Teilen des Stadtgebietes zu gewinnen (Abb. 5). Auf Basis der so gewonnenen Ergebnisse zur Fundverteilung sind in einem zweiten Arbeitsschritt Flächen ausgewählt worden, die intensiv nach gattungspezifisch und chronologisch auswertbarem Fundmaterial abgesucht wurden. Die Daten aus beiden Arten von Surveys fließen in der GIS-Auswertung zusammen (Abb. 6). In der Kombination dieser beiden Formen archäologischer Oberflächenuntersuchung ist ein dichtes Bild der Verschiebung der Siedlungsschwerpunkte und funktionaler Differenzen innerhalb des Stadtgebietes entstanden.
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Geophysikalische Prospektion

Die geomagnetischen Messungen der Kampagnen 2006 und 2007 konzentrierten sich auf den Hafenbereich, die Stadtmauer und den Akropolishügel. Testmessungen an verschiedenen Stellen innerhalb des Stadtgebietes, südwestlich des Innenhafens und im Flachwasserbereich konnten das Potential der Methode auch für andere Teile des Stadtgebietes unter Beweis stellen (Abb. 7-10). So wurden in 2008 im Nordwesten der Stadt ein Straßenraster und im Bereich des Flachwassers die Fortsetzung der am Meeresgrund sichtbaren Baustrukturen nachgewiesen. Der Einsatz weiterer Methoden wie Geoelektrik und Georadar hat zumindest stellenweise zu aussagekräftigen Ergebnissen geführt und soll deswegen ebenfalls fortgesetzt werden. Während auf den großen Freiflächen am Hafen ein Hänger mit mehreren Sonden zum Einsatz kam (Abb. 7), wurde in den Olivenhainen und in der Wattzone mit Handwägen gearbeitet (Abb. 8 und 9). Für die Olivenhaine ist eigens ein Wagen entworfen worden, dessen äußerste Sonden abgeklappt werden können, um so trotz des dichten Baumbestandes ein möglichst geschlossenes Meßbild zu erhalten (Abb. 9). Der Einsatz eines breiten Gerätespektrums entsprechend der unterschiedlichen Beschaffenheit der Flächen ist Garant für die optimale Effizienz der Messungen. In 2007 wurde erstmals ein Katamaran als Träger für geomagnetische Sonden im Flachwasserbereich erfolgreich getestet (Abb. 10). In allen Bereichen wurden höchst aufschlußreiche Ergebnisse erzielt (s.u.), die z.T. allerdings nach einer Überprüfung mit Hilfe geoarchäologischer Methoden verlangen (s.u.).
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Geoarchäologie

Nach der Entdeckung ausgedehnter Baustrukturen im Flachwasserbereich und dem Nachweis älterer Flußarme und Fahrrinnen in der Küstenzone (s.u.) wurden in 2008 geoarchäologische Untersuchungen mit dem Ziel eingeleitet, unterschiedliche historische Umweltszenarien zu rekonstruieren. Die Ergebnisse sollen z.B. Auskunft über Küstenverlauf und Meeresspiegel in hellenistischer Zeit geben und damit wesentlich zur Interpretation der oben erwähnten Bauten vor der heutigen Küstenlinie beitragen. Die geoarchäologischen Analysen basieren auf so genannten Rammkernsondierungen (Abb. 11 und 12), die Schichtenabfolgen bis in eine Tiefe von ca. zehn Metern liefern. Probenmaterial aus den verschiedenen Schichten wird dann mit unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Verfahren (C-14 Datierung, Pollenanalyse etc.) analysiert. Bereits nach wenigen Probebohrungen konnte in der Ebene nördlich der Stadt eine ältere, wohl prähistorische Küstenlinie nachgewiesen werden.
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Epigraphik

Vor einigen Jahren sind drei zusammengehörige Wandquader aus Elaia mit verschiedenen Inschriften in das Museum von Bergama verbracht worden. Eine erste Auswertung deutet nun darauf hin, daß es sich um mehrere einzelne Namen handelt, die in loser Folge ausgeführt worden sind. Solche Namens-Inschriften kennen wir aus hellenistischen Gymnasien (z.B. Priene). Insofern liegt der Schluß nahe, daß der Fundort der Blöcke nahe der Straße Izmir-Çanakkale den Standort des Gymnasions von Elaia markiert.
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Archäometrie

Von mehreren Keramikfragmenten aus Elaia sind Proben genommen worden, die einer Neutronenaktivierungsanalyse (NAA) und anderen archäometrischen Verfahren unterzogen worden sind. Diese Methoden erlauben Aussagen über die Herkunft von Fragmenten aus einem oder mehreren Produktionszentren. Im Rahmen des SPP-Projektes soll geklärt werden, ob Elaia über eine eigene Keramikproduktion verfügte und wie sich diese zu benachbarten Orten wie Pitane, Atarneus und natürlich Pergamon verhielt. Bisher konnte die Herstellung von Grobkeramik und Kochgeschirr für die römische Zeit nachgewiesen werden, und der Survey hat zudem Anhaltspunkte für die Produktion römischer Feinkeramik geliefert. Mit diesen Refernzwerten hoffen wir nun, auch die Situation in hellenistischer Zeit besser beurteilen zu können.
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Ergebnisse

In bisher dreizehn Wochen archäologischer Geländearbeit in Elaia und der anschließenden Auswertung konnten eine Vielzahl von Ergebnissen erzielt werden, die wesentliche neue Informationen über die Ausdehnung und Gestaltung von Stadt und Hafen sowie über die Beziehungen zwischen Elaia und Pergamon liefern.

  • Allgemeine Besiedlungsgeschichte
Anhand von Keramik- und Werkzeugfunden (Abb. 13) können wir den Beginn der Siedlungsaktivitäten nun in die frühe Bronzezeit (3. Jt. v. Chr.) setzen. Fundmaterial des 2. Jts. v. Chr. ist bisher nur spärlich bezeugt, während das 7.-4. Jh. v. Chr. offenbar gut belegt ist. Gegenüber den frühen Phasen der Stadtgeschichte - die sich anhand schriftlicher Quellen bisher nur bis ins 5. Jh. v. Chr. zurückverfolgen ließ - nimmt das Fundmaterial aus hellenistischer Zeit stark zu, was dem historisch überlieferten Bedeutungsgewinn Elaias unter den Attaliden entspricht. Die Entdeckung eines Straßenrasters im nördlichen Bereich der Stadt, in dem sich auch die dichteste Konzentration hellenistischen Fundmaterials feststellen läßt, spricht für den Ausbau besonders dieses Teils der Stadt in hellenistischer Zeit (Abb. 14). So folgt das Raster mit seiner strengen Nord-Süd-Ausrichtung und Insulae mit Seitenlängen im Verhältnis von 1:2 (ca. 28 x 56 m) den Regeln hellenistischer Stadtplanung. Die römische Kaiserzeit ist bis in die Spätantike hinein gut bezeugt. In der byzantinischen Epoche scheint die Besiedlung nach Ausweis der Oberflächenfunde stark zurück gegangen zu sein. Es gibt Hinweise darauf, daß man in spätbyzantinischer Zeit in eine wesentlich kleinere Siedlung auf dem Bozyer Tepe nördlich von Elaia umzog.
Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der bisherigen geophysikalischen Prospektionen und des weitestgehend abgeschlossenen Keramiksurvey (Abb. 6) ist vor allem bemerkenswert, daß große Teile des südlichen Stadtgebietes offenbar nicht dicht besiedelt waren. Diese Beobachtung scheint scheint die zu Beginn des Projektes formulierte Hypothese zu bestätigen, daß die Ausdehnung des Stadtgebietes unter pergamenischem Einfluß ganz wesentlich vom Bedürfnis nach einer großen Hafenzone und nicht so sehr nach neuer Siedlungsfläche bestimmt war.

  • Stadtbefestigung und Ausdehnung des Stadtgebietes
Reste der ältesten, bisher unbekannten Befestigung haben sich in Gestalt eines Hangpflasters an der Nordflanke des Akropolishügels feststellen lassen. Für die hellenistische Zeit müssen wir unsere bisherigen Vorstellungen über den Verlauf von Land- und Seemauer und damit über die Ausdehnung des Stadtgebietes deutlich modifizieren (Abb. 14 und 15): So verläuft die Mauer im Nordwesten etwas 50 m weiter nördlich als bisher angenommen, während im Osten die Vermutungen über die Lage der Stadtmauer bestätigt werden konnten. Im Bereich des sog. Maltepe 2, eines nach Nordosten, d.h. nach Pergamon gewandten Hügels, konnte im Anschluß an die Stadtmauer eine mächtige Bastion prospektiert werden (Abb. 1). Sie wird nicht nur der Sicherung Elaias, sondern auch der Hauptstraße nach Pergamon gedient haben. Während für die nördliche und die östliche Mauertrasse also ein erheblicher Zugewinn an Erkenntnissen zu verzeichnen ist, konnte die südliche Stadtgrenze bisher noch nicht präzise bestimmt werden. Einzelne Indizien grenzen den möglichen Verlauf jedoch so ein, daß wir eine Rekonstruktion vorlegen können (Abb. 1). Von der Verdichtung der geophysikalischen Prospektion und der Anwendung weiterer Methoden (Geoelektrik und Seismik) erwarten wir uns in den nächsten Kampagnen die endgültige Klärung der Gestaltung der Südgrenze der Stadt.
Völlig überraschend ist der Verlauf der Seemauer, die in der Geomagnetik östlich des Innenhafens als mächtige Anomalie sichtbar wird (Abb. 14 und 16): Vom landseitigen Ende der südlichen Mole des Innenhafens, das als Turm gestaltet ist, geht sie in nordöstlicher Richtung ab, was zu einer Verkleinerung des Stadtgebietes zugunsten einer ausgedehnten Hafenzone von mindestens 100 m Tiefe führte.
Die Stadtbefestigung scheint sich in Abschnitte aus Kalkstein und Andesit gliedern zu lassen, die jeweils unterschiedliche Bautechniken aufweisen, wobei das Erscheinungsbild der Kalksteinmauer auf eine ältere Entstehung hindeutet, während Steinbearbeitung und Werkzeichen der Andesitmauer deutliche Parallelen zu den hochhellenistischen Bauten Pergamons aufweisen (Abb. 17). Gleiches gilt für Material (Andesit) und Ausführung der Seemauer. Wir können also davon ausgehen, daß spätestens in hochhellenistischer Zeit Teile der Stadtmauer erneuert oder gar verlegt wurden und man eine neue Seemauer errichtete. Diese Maßnahmen zeugen vom Einfluß Pergamons auf die Gestaltung seines maritimen Vorpostens.

  • Funktionale Gliederung des Stadtgebietes
Die abschließende Bewertung der funktionalen Gliederung des Stadtgebietes auf Basis von Oberflächenuntersuchungen setzt weitere umfangreiche geophysikalische Prospektionen voraus. An konkret bestimmbaren Bauwerken konnten bisher nordwestlich des Innenhafens ein Markt- oder Speichergebäude mit zentraler Halle und flankierenden Kammerreihen nachgewiesen werden (Abb. 14 und 15). Im Bereich des Akropolishügels hat die Geophysik Hinweise auf ein Theater erbracht, während es sich bei einer weitestgehend fundfreien Fläche im inneren Stadtgebiet um die Agora handeln könnte. Westlich der Akropolis scheint eine von Hallen eingefaßte Platzanlage gelegen zu haben, deren Zentrum von einem kleinen quadratischen Bau eingenommen wird. Eine große Zahl von Fehlbränden (Ziegel, Rohre, Amphoren) sowie der Nachweis von Brennöfen in der Geomagnetik belegen die Existenz von Töpfereien nördlich der Akropolis und im Nordosten der Stadt, die nach der bisherigen Auswertung des Fundmaterials in die späte römische Kaiserzeit gehören.

  • Häfen
Für die Beurteilung des Stellenwertes der Hafenzone im Verhältnis zum Stadtgebiet ist die Klärung der Anzahl, der Ausdehnung und der Gestaltung der Häfen sowie ihrer Anbindung an die Stadt von entscheidender Bedeutung. Bislang ging man von der Existenz eines geschlossenen Innenhafens und eines nach Südosten anschließenden offenen Hafens aus, die beide innerhalb der Stadtmauern lagen. Weitere Informationen über den Aufbau der Häfen fehlten hingegen.
Im Becken des Innenhafens hat die Geomagnetik mehrere lineare, nw-sö. orientierte Strukturen nachgewiesen, die je zwei langrechteckige Kammern von 20 bzw. 40m Breite bilden (Abb. 1). Das ungewöhnliche Erscheinungsbild der Anomalien könnte für Konstruktionen aus hölzernen Pfählen sprechen. Sollte diese Vermutung das Richtige treffen, würde es sich bei den Anomalien um Stege o.ä. auf Pfählen handeln, von denen aus man eine große Zahl von Schiffen leicht erreichen konnte. Denkbar sind aber auch Werftanlagen.
Nach Südosten schließt der offene Hafen an, dessen Kaimauer in der Geophysik in Form gegeneinander versetzter Abschnitte erscheint, die eine mindestens 100 m tiefe und 600 m breite Hafenzone begrenzen (Abb. 1). Man betrat die Hafenzone durch Tore in der Seemauer, von denen bisher eines in der Prospektion festgestellt werden konnte (Abb. 15). Zwischen Kai- und Seemauer verliefen offenbar unterirdische Abwasserkanäle und Straßen (Abb. 15). Im Flachwasser vor dem offenen Hafen konnten an mehreren Stellen Quaderreihen mit Steinschüttungen beobachtet werden (Abb. 18). Hierbei könnte es sich entweder um die Reste einer langen, mehrfach verspringenden Mole handeln, die den offenen Hafen abgrenzte, oder um mehrere einzelne Wellenbrecher. Ob ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bauresten besteht, soll im kommenden Jahr mit Hilfe der Flachwasser-Geophysik geklärt werden.
Im heute stellenweise vollständig verlandeten Gebiet vor den beiden Häfen zeigt die Geomagnetik ältere Flußläufe bzw. Priele, die mit sehr regelmäßigen und deswegen offenbar künstlichen Strukturen verbunden sind. Eine Datierung der Strukturen ist bisher noch nicht möglich, soll jedoch mit Hilfe der Geoarchäologie erfolgen.
Im heute stellenweise vollständig verlandeten Gebiet vor den beiden Häfen zeigt die Geomagnetik ältere Flußläufe bzw. Priele, die mit sehr regelmäßigen und deswegen offenbar künstlichen Strukturen verbunden sind. Eine Datierung der Strukturen ist bisher noch nicht möglich, soll jedoch mit Hilfe der Geoarchäologie erfolgen. In der Kampagne 2008 konnte nach vorläufiger Auswertung der Bohrkerne und der darin erhaltenen Reste fluvialer Vegetation und Fauna gezeigt werden, daß die Flußläufe mit künstlichen Fahrrinnen verbunden waren, die eine Verbindung ins offene Meer herstellten. Eine solche Fahrrinne wird in der geomagnetischen Kartierung (Abb. 14) westlich des südlichen Abschlusses der Stadtbefestigung deutlich.
Während die bisher genannten Erkenntnisse unser Wissen über die Rolle Elaias als maritime Schnittstelle der Pergamener entscheidend bereichern, verlangen die folgenden Entdeckungen nach einer grundsätzlichen Neuberwertung des Hafens von Elaia im Kontext der Schiffahrt und des Marinewesens hellenistischer Zeit: Im Südwesten der Bucht konnten dank der Unterstützung ortsansässiger Fischer im 0,5-2 m tiefen Flachwasser zahlreiche bisher unbekannte Baustrukturen aufgespürt und eingemessen werden (Abb. 1, 19 und 20). Neben einzelnen (Fundament-) Schüttungen handelt es sich dabei vor allem um sechs parallel geführte, in nordwestlich-südöstliche Richtung angeordnete lineare Strukturen, die Längen von bis zu 270 m erreichen. Die Abstände zwischen den etwa 5 m breiten Strukturen, die aus parallel geführten Doppelmauern mit Querverstärkungen bestehen, variieren zwischen ca. 100 und 180 m. Die bisher aufgenommenen Baureste im Flachwasser verteilen sich auf eine Fläche von ca. 1,9 x 1,2 km. Die präzise Bestimmung ihrer Funktion steht noch aus, doch dürfte es sich bei den parallel geführten Strukturen am ehesten um Molen handeln, die sowohl als Wellenbrecher, als Schutz vor Versandung, als Werft oder auch als Reede für Schiffe gedient haben könnten, die bei starken landseitigen Winden nicht in den Hafen einfahren konnten. Ihre Bauweise aus Steinschüttungen zwischen Quaderreihen, an denen vereinzelt schwalbenschwanzförmige Klammerlöcher nachgewiesen werden konnten, spricht für eine Datierung der `Molen´ in vorrömische Zeit. Die geophysikalischen Prospektionen der Kampagne 2008 haben gezeigt, daß sich die Baustrukturen weiter nach Nordwesten, d.h. in Richtung der zu vermutendenn antiken Küstenlinie ausdehnen (Abb. 14).
Für die Behandlung dieser und weiterer Fragen in Zusammenhang mit den neuen Entdeckungen im Hafenbereich ist eine bessere Kenntnis der natürlichen Voraussetzungen, d.h. vor allem des Meeresspiegel und der Küstenlinien in hellenistischer Zeit, unerläßlich. Dies soll mit Hilfe geoarchäologischer Untersuchungen erfolgen, die auf den Ergebnissen der Geophysik aufbauen können.
Nach unseren bisherigen Erkenntnissen können wir davon ausgehen, daß Elaia spätestens in hellenistischer Zeit einen Hafen besaß, der den Vergleich mit den großen Anlagen der antiken Mittelmeerwelt nicht zu scheuen braucht. Diese Einschätzung deckt sich mit der antiken Überlieferung, die Elaia als Winterquartier der Flotte Pergamons (z.B. Liv. 36, 45, 8; 37, 37, 4) und zeitweise auch als gemeinsamen Ankerplatz der pergamenischen, rhodischen und römischen Flotten nennt (Liv. 37, 18, 9-10). Somit lenken die neuen Entdeckungen die Aufmerksamkeit auf die Rolle Pergamons als Seemacht, das mit einem ausgedehnten Hafenkomplex seinen maritimen Machtanspruch in eindrucksvoller Weise untermauern konnte.
Schriftliche Überlieferung und archäologischer Befund sprechen für einen Bedeutungsverlust des Hafens bereits in römischer Zeit. Indizien dafür sind u.a. das Fehlen von Hafeneinrichtungen und Großbauten aus dem charakteristischen opus caementicium. Ursachen für diese Entwicklung könnten neben den gewandelten politischen Rahmenbedingungen auch die starke Verlandung der Bucht von Elaia gewesen sein, die durch die nahegelegene Mündung des Kaikos (Bakırcay) und verschiedene Bachläufe aus den Ausläufern der Yüntdağ-Gebirges verursacht wird. Die Auswertung spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Handbücher für Seefahrer hat gezeigt, daß in dieser Zeit in der Bucht von Elaia kein wesentlicher Ankerplatz gelegen haben kann.
  • Keramik
Der intensive Survey im Bereich der Akropolis hat erbracht, daß auf einzelnen Abschnitten des Plateaus bestimmte Phasen der Besiedlung, die vom 3. Jt. v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit reichen, besonders stark vertreten sind. Gleiches gilt für das übrige nordwestliche Stadtgebiet, so daß wir nach Abschluß der Arbeiten einzelne Siedlungsschwerpunkte werden bestimmen können. Das hellenistische Material dominiert bisher vor allem im nördlichen Bereich des Stadtgebietes. Die für das kommende Jahr geplante Erweiterung nach Süden läßt somit weiteres reiches Fundmaterial aus hellenistischer Zeit erwarten.
Während in klassischer Zeit der Einfluß der attischen Keramik überwiegt, ist für den Hellenismus eine spürbare Dominanz der pergamenischen Formen festzustellen. So sind alle pergamenischen Gattungen der Zeit, d.h. Keramik im Westabhangstil, weißgrundige Ware, Applikenkeramik, megarische Becher sowie Keramik mit einfachem Überzug und schließlich pergamenische Sigillata reichlich vertreten. Damit haben wir ein weiteres wichtiges Argument für den Einfluß Pergamons auf die materielle Kultur Elaias gewonnen. Außergewöhnlich zahlreiche Funde von gestempelten Amphorenhenkeln (Abb. 21) eröffnen interessante Perspektiven für die Rekonstruktion der Handelsbeziehungen Elaias in spätklassischer und hellenistischer Zeit.

  • Beziehungen zu Pergamon
Ausgehend von der schriftlichen Überlieferung ist zu Beginn des Projektes als Arbeitshypothese formuliert worden, daß die Ausdehnung des Stadtgebietes von Elaia und seiner Befestigung in starkem Maße von den Bedürfnissen und Interessen der aufstrebenden pergamenischen Monarchie bestimmt waren. Diese Hypothese konnte durch die oben dargelegten Ergebnisse zur Besiedlungsdichte, zu den Befestigungsanlagen und zu den Häfen gestützt werden. Detailliertere Resultate, wie sie bei Fortsetzung der Feldforschung in den nächsten Jahren zu erwarten sind, könnten weiter zur Präzisierung unseres Bildes der Beziehungen zwischen der hellenistischen Residenzstadt und ihrem Hafenort beitragen und die Strategien offenlegen, mit denen die pergamenischen Herrscher auf die Gestaltung einer älteren Polis einwirkten.
Darüber hinaus läßt sich der Einfluß Pergamons auch an Detailformen ablesen: Auf Parallelen in so unterschiedlichen Bereichen wie der Ausführung der Stadtmauer oder den Keramikrepertoires ist weiter oben bereits hingewiesen worden. Pergamenischen Einfluß lassen auch einzelne Architekturteile erkennen. So findet die Trommel einer Dreiersäule unmittelbare Pendants in Pergamon (Abb. 22). Mehrere Geschoßkugeln aus Andesit, die alle aus der Nähe des Innenhafens stammen und damit dessen militärische Bedeutung nochmals unterstreichen, weisen Kaliber auf, die den bekannten Exemplaren aus den Arsenalen von Pergamon zwar nicht exakt entsprechen, jedoch sehr nahe kommen (Abb. 23).
Vor diesem Hintergrund verfestigt sich das Bild einer gezielten Einflußnahme Pergamons auf Städtebau und Hafengestaltung, während Parallelen im Keramikrepertoire eher einer allgemeinen kulturellen Dominanz der Metropole geschuldet sein dürften. Damit besitzen wir ein aufschlußreiches Gegenmodell zur Entwicklung von Atarneus im nordwestlichen Tal des Kaikos (SPP-Teilprojekt von M. Zimmermann), das unter pergamenischer Herrschaft ganz offensichtlich an Bedeutung verlor.
  • Nekropolengrabung
Bei Raubgrabungen im Frühsommer 2008 sind in der Umgebung des Stadtgebietes von Elaia mehrere Gräber einer Nekropole angeschnitten und vom Museum Bergama dokumentiert worden. Um weiteren illegalen Ausgrabungen vorzubeugen, ist im Anschluß an die Arbeitskampagne 2008 gemeinsam mit dem Museum Bergama eine Notgrabung durchgeführt worden. Dabei kamen mehrere Brandgräber zutage, die nach vorläufiger Auswertung des Fundmaterials in spätklassische bis frühhellenistische Zeit gehören. Die durch den Pflug z.T. stark zerstörten Bestattungen enthielten einfache keramische Inventare, die für uns jedoch einen hohen Aussagewert besitzen. Für die Kenntnis von der Gesamtanlage der Nekropole ist der Nachweis der Begrenzung einer Gräberstraße mit einer Einlassung für eine Stele von besonderem Interesse (Abb. 24).
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Dank

Für kollegiale Zusammenarbeit danken wir den Regierungsvertretern Funda Ünal (Bursa), Mustafa Baysal (Tire) und Naci Toy (Ankara) und Fatih Özdel (Antalya) sowie den Kolleginnen und Kollegen vom Museum Bergama (Leitung Adnan Sarıoğlu). Vielfältige Unterstützung haben wir weiterhin vom Bürgermeister von Zeytindağ, Herrn Feridun Ergün, und den Bewohnern von Kazıkbağları erfahren. Hier sind besonders Hüsamettin Gürel sowie Halil und Yüksel Afşin zu nennen. Ihnen gilt unser besonderer Dank!
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Letzte Änderung: 09.02.2009