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Das Gymnasion von Pergamon
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Arbeitsberichte 2006-2009



4. Weitere Arbeiten 2008-2009

Abb. 8: Gesamtplan der Sondagen 2004-2008   [zoom]



  • Weitere Bauaufnahmen in den Jahren 2009 und 2010 durch Verena Stappmanns
  • Zeichnerische Aufnahme der Funde aus den Grabungen 2004-2008 im Sommer 2009
  • Bearbeitung und Bestimmung der Skulpturfunde im Rahmen des "Berliner Skulpturennetzwerk - Kontextualisierung und Übersetzung antiker Plastik" 2009-2011
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3. Arbeitskampagne 26. 7. – 23. 8. 2008

Die Sondagen wurden in diesem Jahr in drei unterschiedlichen Bereichen im westlichen Teil der oberen Gymnasions-Terrasse angelegt (Schnittleitung M. Mathys). Durch eine Sondage in der Südwest-Ecke des Palästra-Hofes konnte geklärt werden, dass beim Bau der Terrasse erst die lange Nordmauer des Kellergangs und anschließend die westliche Perisytl-Halle errichtet wurden. Der Bauplatz wurde hierfür durch einem Planierhorizont nivelliert (vgl. die Sondagen in den Räumen G, H und K von 2007 im Gesamtplan der Sondagen, Abb. 8). Die Südmauer der Palästra-Terrasse liegt auf einer Fundamentlage, die in den Planierhorizont eingebracht wurde. In den Auffüllschichten war nur sehr wenig Keramik vorhanden. Spätere Umbauten konnten in diesem Bereich nicht festgestellt werden.

Zur Überprüfung und Erweiterung der Ergebnisse der Sondage in der Kammer 24 des Südabschlusses des Kellergangs vom vergangenen Jahr, wurde in dieser Kampagne die Kammer 55 im Westteil untersucht (vgl. Gesamtplan der Sondagen Abb. 8). Dabei konnten Unterschiede in der Bautechnik festgestellt werden, deren Interpretation noch ausstehen (Abb. 9, vgl. auch Abb. 5). Aus der Auffüllung der Kammer konnte ein große Menge Keramik geborgen werden, die sehr homogen ist und die Bauzeit des Gymnasions in die 1. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. bestätigt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeiten in diesem Jahr war die Gesamtreinigung des Loutron im Gymnasion (Raum L; Abb. 10). Anschließend wurde in den Raum eine Sondage gelegt, die ihn in ost-westlicher Richtung komplett durchmaß (vgl. Gesamtplan der Sondagen Abb. 8). Zusammen mit den Ergebnissen der Bauforschung (Fotogrammetrie der Wände) wurde deutlich, dass der Ausbau der wasserführenden Installationen im Loutron (Druckwasserleitung, Muffen, Bassins etc.) in mindestens zwei späthellenistischen Phasen erfolgte. Renovierungs- bzw. Wartungsarbeiten an den Wasserleitungen wurden vermutlich noch in römischer Zeit durchgeführt. Durch die Eingriffe der Arbeiten von W. Dörpfeld von 1907 konnte nur noch ein letzter Rest des antiken Materials beobachtet werden.

Die Bauaufnahme konzentrierte sich in dieser Arbeitskampagne auf die Obere Terrasse des Gymnasions (V. Stappmanns, K. Köhler). Dabei wurde das Ziel verfolgt, die Raumaufteilung der hellenistischen Phase zu rekonstruieren. Zusätzlich konnte durch eine Säuberung im Kellergang ein System aus älteren Quermauern auf einer Länge von ca. 45 Meter dokumentiert werden, das bereits W. Dörpfeld 1908 beobachtet jedoch nicht dokumentiert hatte (Abb. 11). Es handelt sich dabei vermutlich um eine ältere Stützmauer in diesem Bereich, deren Deutung noch aussteht.
Abb. 11: Reinigung im Kellergang   [zoom]
Abb. 10: Wasserleitung in Raum L   [zoom]

Abb. 9: Ostwand der Kammer 55   [zoom]





























Herr Th. Zimmermann (Fotodesign, Glücksburg) erstellte während der Kampagne 2008 eine interaktive Panorama-Ansicht des aktuellen Baubestandes des Gymnasions
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2. Arbeitskampagne 28. 7. - 2. 9. 2007

Die baugeschichtliche Untersuchung des Südabschlusses der oberen Gymnasions-Terrasse – der sog. Kellergang – sowie des Rampenweges und des Festtores konnten in dieser Kampagne abgeschlossen werden (Dipl.-Ing. V. Stappmanns, S. Kneifel) (Abb. 4 s.a. Projektbeschreibung Abb. 1). Zusammen mit den Ergebnissen der in diesem Jahr durchgeführten Sondage in einer der östlichen Fundamentkammern ergeben sich nun starke bauliche Veränderungen am ursprünglichen Entwurf der Anlage, die möglicherweise durch statische Probleme bedingt waren (Abb. 5 ). Offenbar hat das hellenistische Gymnasion in seiner ursprünglichen Planung im Süden und Osten anders ausgesehen, als es die bisherigen Pläne (s. Projektbeschreibung Abb. 1) erwarten lassen. Darauf hatte schon die massive östliche Abschlussmauer hingedeutet, die 2005/6 hinter dem Ostflügel nachgewiesen wurde.
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Gesamtplan mit Arbeitsstand   [zoom]

Abb.5: Kammer 24, Ostmauer   [zoom]

Abb. 6: Raum-G, Basis vor der Rückwand   [zoom]

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Durch drei Sondagen in Nord- und im Westflügel der oberen Gymnasions-Terrasse wurden weitere Hinweise auf die Gestaltung und die Raumnutzung der hellenistischen Gymnasions-Anlage gewonnen (Schnittleitung lic. phil. M. Mathys). So konnte nachgewiesen werden, dass im hervorgehobenen Mittelraum der Nordseite (Raum H) der hellenistische Fußboden gegenüber der Palästra nicht höher gelegen hat, die halbrunde Basis in der rückwärtigen Nische aber wohl über eine oder mehrere Stufe(n) zu erreichen war (Höhenunterschied max. 0.5 m). Im östlich anschließenden Raum G (sog. Kaisersaal) wurde vor der Nordwand ein großer Andesitblock eines hellenistischen Fundaments (Basis / Postament) in situ beobachtet (Abb. 6). Zudem wurden im Süden der Sondage die Reste eines hellenistischen Fußbodens angetroffen, der ins frühe 2. Jh. v. Chr. datiert werden kann.

Im westlichen Bereich der oberen Gymnasions-Terrasse konnte in Raum K eine Auffüllung über dem anstehenden Fels/Planierung des Geländes festgestellt werden, die überraschenderweise über 30 Fragmente von späthellenistischen weiblichen Terrakotta-Figuren enthielt und ins frühe 1. Jh. v. Chr. datiert werden kann. Überreste eines älteren Fußbodens fehlen. Es muss also im Westflügel mit massiven Umbauten in späthellenistischer Zeit gerechnet werden.

Die beiden in Fragmenten erhaltenen hellenistischen Panzerstatuen aus dem Raum H des Gymnasions wurden von Christoph Kronewirth restauriert (Abb. 7 ).
Abb. 7: Raum H: restaurierte Panzerstatue   [zoom]




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1. Arbeitskampagne 31.7. – 26.8.2006



Abb.2 - Pergamon, oberes Gymnasion, Raum C (So 1)   [zoom]

Im Laufe der diesjährigen Arbeiten wurde mit der baugeschichtlichen Untersuchung des sog. Kellerstadions des Gymnasions begonnen (Verena Stappmanns). Die in wesentlichen Punkten differierenden bisher publizierten Pläne Dörpfelds und Schazmanns konnten auf der Grundlage einer georeferenzierten Übertragung und durch Aufnahmen vor Ort wesentlich verbessert und korrigiert werden.


Im Ostflügel des oberen Gymnaions wurden außerdem zwei Sondagen angelegt, die dazu dienten, Raumfunktionen und Baugeschichte dieses
Abb.3 - Pergamon, oberes Gymasion, Fragment einer Ehreninschrift   [zoom]
Gymnasionsteiles zu klären. Neben Befunden, die die Vielzahl von Umbaumaßnahmen im 1. und 2. Jh. n. Chr. bezeugen, bestätigten sich bereits aus früheren Untersuchungen hervorgegangene Vermutungen zur im wesentlichen schlichten Gestaltung des attalidischen Gymnasions (Lehmfußböden, fehlende Marmorausstattung). Nach Osten war das Gymnasion in seiner Frühzeit durch eine massive, doppelte Mauer begrenzt. Durch einzelne Baubeobachtungen und Befunde ergab sich überdies größere Klarheit über die bauliche Gestaltung der Exedren der oberen Gymnasionsterrasse in dieser Zeit. Erstmals konnte eine späthellenistisch-kaiserzeitliche Wanddekoration im Gymnasion z. T. in situ nachgewiesen werden (Abb. 2). In kaiserzeitlichen Mauerzügen verbaut fanden sich Fragmente von Ehreninschriften (Abb. 3).



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Letzte Änderung: 10.04.2012