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Das Gymnasion von Pergamon
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Projektbeschreibung

  • 1. Architektur und Nutzung
  • 2. Visuelle Gestaltung des öffentlichen Raumes
  • 3. Historische Kontextualisierung

Abb.1 - Pergamon, Gymnasion, Plan nach AvP6   [zoom]
Ziel des Projektes ist die Untersuchung der Funktionen und sich verändernden architektonischen und sonstigen visuellen Gestaltung des Gymnasions von Pergamon seit seiner Gründung im 2. Jh. v. Chr. bis in frührömische Zeit (Abb.1). In einer Fallstudie soll für eine historisch gut erforschte hellenistische Polis Polis nach dem Verhältnis zwischen kulturellen, sozialen und politischen Gegebenheiten und dem Aussehen und der Art der Nutzung des Gymnasions als zentralem Ort der Ausbildung, des Kultes und des Festes gefragt werden. Das Pergamener Gymnasion ist wegen seiner Größe, seiner differenzierten, komplexen Architektur und des Umfangs seiner überlieferten Ausstattung dazu hervorragend geeignet, Pergamon selbst wegen der deutlichen Veränderungen seiner politischen Struktur zwischen Monarchie, bürgerlicher Herrschaft und römischer Dominanz. Die detaillierte Untersuchung des Gymnasions von Pergamon gilt als Desiderat der Forschung.

Der Fragestellung entsprechend sind drei untereinander eng vernetzte Arbeitsbereiche mit folgenden Zielsetzungen zu unterscheiden:


1. Architektur und Nutzung: Praktiken, Erschließung, Raumfunktionen und Wege Ausgehend von den bisherigen Publikationen des Baubefundes werden diejenigen Bereiche des Gymnasions untersucht, die Aufschlüsse über die Zugänglichkeit, über Nutzungsformen, über Wegführungen und über die damit eng verbundenen, im Gymnasion ausgeübten Tätigkeiten geben können (Dissertationsprojekt Verena Stappmanns). So soll ein Bild der Komplexität der Nutzung öffentlicher Architektur einer hellenistischen Polis entworfen werden, das historische Wandlungen ebenso berücksichtigt wie lokale Spezifika und überregionale Normalitäten.


2. Visuelle Gestaltung des öffentlichen Raumes
Das Gymnasion von Pergamon zeichnet sich durch eine aufwändige, prospekthaft zur Stadt hin wirkende äußere und eine sich an die Besucher wendenden innere Gestaltung aus. Beides definierte das Gebäude einerseits als Raum der Stadt bzw. Polis, andererseits als Raum für die Nutzer des Gymnasions. Bereits Schazmann hatte in seiner Publikation eine Rekonstruktion der Süd-Fassaden des Gymnasions zur Stadt hin vorgelegt. Im einzelnen ist diese jedoch problematisch, denn die Frage der Gestaltung des Südabschlusses der oberen Terrasse ist weiter ungelöst, ja die Vorschläge Dörpfelds und Schazmanns unterscheiden sich hier wesentlich (offene Säulenstellung, Wand, große Freifläche ?). Die Verteilung und Datierung der in Teilen erhaltenen Architekturen der Exedrafassaden (‚Pyrrhos-Architektur’; ‚Hermes-Architektur’; Fassaden Raum H, B und D) besonders der oberen Gymnasionsterrasse ist zu überprüfen. Auch stellt sich die Frage ob und wann sich die Gestaltung der Räume hin zu stärkerem Materialluxus änderte und ob dies im Zusammenhang mit spezifischen Nutzungen des Gebäudes und sozialen Rahmenbedingungen stand.


3. Historische Kontextualisierung
Erste Thesen zum Zusammenhang zwischen der Gestaltung des Gymnasions und sozialen und kulturellen Gegebenheiten in der Polis Pergamon wurden bereits im Rahmen des Projekts zur Statuenausstattung des Gymnasions vorgelegt (s. o. Publikationen). Besonders den Fragen nach der Rolle der Herrscher als Stifter des Baus und nach ihrem Interesse an Repräsentation (Herscherstatuen, Materialprunk, Praktizierung des Herrscherkultes, Kunstsammlung) ist jetzt auch in weiterem Rahmen nachzugehen. Es ist zu untersuchen, in welcher Weise sich die bürgerlichen Honoratioren der Polis bereits in der Zeit der Monarchie, dann aber besonders in den Jahrzehnten nach deren Ende in die Gestaltung des Gymnasions einbrachten (Stiftungen, Ehrungen; s.o. Mitarbeiter: Dissertationsprojekt M. Mathys) und wie sich diese Tätigkeiten zum herrscherlichen Praxis im Gymnasion verhielten. Ob sich parallel dazu eine Veränderung in den Funktionen der Räume und des Gymnasions als Ganzem beobachten lässt, ist auch im Vergleich zu anderen Gymnasia des Hellenismus zu analysieren. Schließlich wird die Frage nach dem Einfluß römischer Potentaten seit dem 1. Jh. v. Chr. zu untersuchen sein, die im Gymnasion von Pergamon – im Vergleich zu anderen öffentlichen Arealen – auffallend wenig präsent waren.









Letzte Änderung: 23.11.2006