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Netzwerke innerhalb des SPP 1209
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Workshop zu den Surveys im Kaikostal


Am 26.04.2010 fand im Kardinal-Wendel-Haus in München im Rahmen des DFG SPP 1209 ein Workshop zu den im Kaikostal angesiedelten Surveyprojekten statt. Mit der Veranstaltung wurden drei Ziele verfolgt:
1. Die erneute Diskussion des methodischen Vorgehens: Seit dem Sommer 2006 werden im Rahmen des SPP 1209 zwei Surveyprojekte im westlichen Kaikostal durchgeführt, die in inhaltlicher Hinsicht eng mit der Entwicklung der Region um das hellenistische Pergamon verbunden sind. Vier Jahre nach dem ersten Netzwerktreffen, in dem das methodische Vorgehen der Surveys erstmals zur Diskussion stand, schien es geboten zu sein, ein Zwischenfazit zu ziehen und die mittlerweile erprobten Methoden vor dem Hintergrund der zwischenzeitig gewonnenen Ergebnisse zu diskutieren. Um diese Diskussion auf eine breite Basis zu stellen, wurden die Leiter weiterer in der Region angesiedelter Feldforschungsprojekte eingeladen, um ihre Erfahrungen im Bezug auf unterschiedliche Surveymethoden zu diskutieren.
2. Eine Reihe von Teilprojekten, die sich in den letzten Jahren den beiden Surveys angeschlossen haben, konnten hier erstmals zusammenhängend ihre Ergebnisse präsentieren und zur Diskussion stellen.
3. Der letzte Schwerpunkt lag auf dem Bereich der Zusammenarbeit. Insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Publikationen sollten Grundlage für ein gemeinsames Vorgehen etwa bei der Gestaltung einer Karte des gesamten Arbeitsgebietes und im Hinblick auf die Standards der anstehenden Publikationen geschaffen werden.
Am Anfang der Veranstaltung standen die Präsentationen des Surveys von Elaia und des Surveys im Umland von Pergamon, wobei die Aspekte des methodischen Vorgehens und der bisher erreichten Ergebnisse im Vordergrund standen.
Im Rahmen des Umlandsurveys steht hier auf der Ergebnisseite die wiedererwarten große Menge von Befunden sowohl in der stark durch Feldwirtschaft geprägten Kaikosebene als auch in dem dicht mit Vegetation bedeckten Hügeln hinter Atarneus sowie im Bereich der Stadt. Dem steht die vielfach sehr schlechte Erhaltung vieler Befunde gegenüber, die auch bei der Kmbination verschiedener Auswertungs und Dokumentationsmethoden kaum eine historische Einordnung der Befunde ermöglichen.
Bei den Arbeiten in Elaia die gewinnbringende Kombination unterschiedlicher Untersuchungsmethoden diskutiert und die dabei gewonnenen Ergebnissen vorgestellt. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Untersuchungen im Umland der Stadt und den weiteren Arbeiten in dem Flachwasserbereich vor dem Hafen, wobei insbesondere letztgenannter Punkt aufgrund der besonderen Arbeitssituation eine größere Anzahl methodischer Herausforderungen mit sich bringt.
Der zweite Abschnitt des Treffens war der Fundbearbeitung der beiden Surveys gewidmet, wobei der Schwerpunkt auf der Untersuchung der Fundkeramik und der Fundmünzen lag. Dies war besonders wichtig, da die Leiter der jeweiligen Fundbearbeitung im Rahmen des Workshops erstmals in einem größeren Expertenkreis vorstellen konnten. Für die Keramikbearbeitung war dabei insbesondere die Diskussion um die spätbronzezeitlichen und eisenzeitlichen Waren und die Eigenproduktionen in Atarneus gewinnbringend. Die numismatischen Ergebnisse machten außerdem deutlich, dass aus den Surveys in Elaia und im Umland von Pergamon eine Reihe wichtiger Ergebnisse für die Wirtschaftsgeschichte der Großregion um Pergamon in hellenistischer Zeit sowohl im Hinblick auf den Geldverkehr als auch auf den Waren und Keramikaustausch zu erwarten sind.
Die dritte Sektion des Treffens war den geoarchäologischen Untersuchungen vorbehalten, die parallel zu den beiden Surveys laufen. Dabei präsentierte zuerst Dipl. Geogr. Steffen Schneider seine im Sommer 2009 gewonnenen Ergebnisse zu dem sich wandelnden Landschaftsbild in der nordwestlichen Flussebene des heutigen Kaikostales. Im Zentrum der Präsentation standen dabei die Bohrungen im Bereich des Yeniyeldegirmen-Tepe und in der Region um Atarneus. Die vorgestellten Bohrkernuntersuchungen mit datierten Schichtabfolgen lassen bereits erste Erkenntnisse über die Veränderung des Geländerreliefs im Kaikostal zu und liefern eine Grundlage für die Chronologie des landschaftlichen Wandels. Dies ist insbesondere für die Erforschung des Umlandes von Atarneus ein wichtiges Ergebnis, da sich in den Bodenprofilen deutlich ablesen lässt, dass die Intensität der Landnutzung von hellenistischer Zeit bis in byzantinische Epoche ungebrochen bleibt, während das Stadtgebiet innerhalb der Mauern spätestens im 1 Jh. v. Chr. weitgehend verlassen wurde.
Die Untersuchungen bei Elaia beschäftigten sich dagegen vorrangig mit mariner Sedimentation und konnten die Veränderungen im Bereich der Buchten von Elaia für die letzten Jahrtausende sehr präzise nachzeichnen. Deutlich zu erkennen ist dabei der Einfluss, den der Bau und die Auflassung der verschiedenen Molen, auf die Vegetation der Region hatte. Durch den Aufschluss einiger pollenhöffiger Archive lässt sich die antike Flora in der Bucht von Elaia rekonstruieren; im Rückschluss lassen sich daraus wiederum Informationen über die Nutzung der Landschaft durch den Menschen gewinnen.
Die abschließende Sektion war der Präsentation von drei Gastprojekten vorbehalten. Dabei stellte zunächst Barbara Horejs ihren Survey zur bronzezeitlichen Siedlung am Yeniyelegirmentepe in der zentralen westlichen Kaikosebene vor. Im Zentrum des Vortrages stand eine Einführung über den Siedlungsort sowie zu der mit der Erforschung bronzezeitlicher Befunde aus der Region verbundenen Probleme - auf diese Weise gelang es auch die anderen Projekte noch stärker für die Fundgruppen dieser Zeit zu sensibilisieren.
Kyriakos Lambrianides leitete zwischen 1990 und 1996 gemeinsam mit Nigel Spencer einen Survey in der Region des Madra Cay Deltas, das sich unmittelbar nördlich von der Atarneus vorgelagerten Küstenbene befindet. In seiner Präsentation gab Lambrianides Einblicke in die bisher unpublizierten Ergebnisse der Untersuchungen - die sowohl in geoarchäologischer als auch in historischer Hinsicht einen wichtigen Anschluss und eine entscheidende Diskussionsgrundlage für die Arbeiten in Elaia und in Atarneus darstellen.
In der abschließenden Präsentation widmete Haiko Türk sich der geplanten Arbeiten in Assos. Die Stadt Assos liegt zwar nicht im Kaikostal, sondern an der Südküste der Troas, weist aber in historischer und topographischer Hinsicht eine Reihe von Parallelen zu Atarneus und Pergamon auf. Da auch die Überlieferungssituation in der Stadt weitgehend mit den Befunden in Atarneus zu vergleichen ist, bietet sich hier sowohl im Bezug auf das methodische Vorgehen als auch die historische Auswertung der Befunde ein enge Zusammenarbeit und Diskussion an.


Letzte Änderung: 07.07.2010