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Die hellenistische Polis als Lebensform
Urbane Strukturen und bürgerliche Identität zwischen Tradition und Wandel
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Antrag des SPP



1. Wissenschaftliches Programm

1.1. Themenstellung
Die Polis ist als spezifische Form der Bürgergemeinschaft eine Besonderheit des antiken Griechenland sowie des östlichen Mittelmeerraumes. Die Verfassungen und sozialen Strukturen der Poleis waren ständigen Transformationsprozessen unterworfen, die vor allem durch innerstaatliche Konflikte, zwischenstaatliche Rivalitäten und Eingriffe auswärtiger Machthaber beeinflußt wurden. Neben der archaischen Zeit als Phase der Polisgenese und der klassischen Zeit als Epoche einer ersten Blüte, die in der Existenz von mehreren hundert Gemeinwesen in Mutterland und Ägäis in Erscheinung tritt, ist die hellenistische Zeit von besonderem Interesse, gerade weil von der Forschung die Vitalität der Polis in diesem Zeitraum bezweifelt wurde.
Als Beleg für die Behauptung, dass die Polisstruktur in der Zeit des Hellenismus grundlegend neue Züge erhielt, wurden sehr unterschiedliche Faktoren angeführt. Dabei ging man von einem normativen Polisbegriff aus, wie er z.T. schon in der Antike vorgegeben ist. Vor diesem Hintergrund wurde im 4. Jh.v.Chr. in vielen Bereichen eine Krise der Polis diagnostiziert, was am deutlichsten bei Platon, Aristoteles und Isokrates greifbar wird. Ferner wurden einzelne Aspekte als zentrale Bestandteile für unentbehrlich gehalten, z.B. die Autonomie, die im Hellenismus bei den Städten der Königreiche und in abgeschwächter Form in den Städtebünden aufgrund der Einbettung in einen übergreifenden Herrschaftsverband in Frage gestellt sei.
Trotz dieser scheinbaren Defizite, die schon von den Zeitgenossen meist aus allgemein kulturkritischen Erwägungen bezeugt wurden, war in hellenistischer Zeit das Modell 'Polis' auch in den Königreichen ungemein erfolgreich. Es wurde zum tragenden Grundmuster eines beachtlichen Verstädterungsprozesses, der sich in der Mittelmeerwelt bereits vom frühen 3. Jh. v.Chr. an in großer Intensität vollzog und in seiner Ausbreitung am ehesten noch mit der Urbanisierung im römischen Reich zu vergleichen ist, die sich freilich unter anderen Vorzeichen vollzog (Kolb 1984; Owens 1991).
Neben Neugründungen durch hellenistische Könige kann auch in nichtgriechischen Regionen die Entstehung von Poleis beobachtet werden, bei denen das griechische Verfassungsmuster kopiert und den lokalen Bedürfnissen angepaßt wurde. Gegenüber der früheren Form eher punktueller Gründungen etwa während der griechischen Kolonisation ist es erstaunlich, daß sich innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes von wenigen Generationen in den hellenistischen Königreichen und über größere Territorien verteilt gleichartige sozio-politische Verhältnisse erkennen lassen (Cohen 1995), die sich im institutionellen und religiösen Bereich, aber auch in einem vergleichsweise einheitlichen Sprachduktus der Inschriften spiegeln. Das gilt ebenso für die Siedlungsbilder sowohl in Zentralorten wie im ländlichen Raum. In ihrer baulichen Grundausstattung mit oft regelmäßigem Straßennetz, Platzanlagen und einer Reihe öffentlicher Bauten weisen sie bemerkenswerte Parallelen auf, die jeweils auf die lokalen Anforderungen zugeschnitten und dabei gegebenenfalls abgewandelt werden. In der Geschichte der Polis können nun erstmals sehr unterschiedliche Typen untersucht und verglichen werden (transformierte alte Poleis, Residenzstädte, Neugründungen, Militärsiedlungen usw.).
Die Attraktivität des Modells 'Polis' lag gerade in der Kombination von sozio-politischer Organisation und äußerer Gestalt. Auf der einen Seite steht die Urbanistik für die praktische Organisation des Zusammenlebens, für das die notwendigen Einrichtungen präsent sein sollten. Sie ermöglichte zunächst eine klare Zuordnung von öffentlichem und privatem Raum. Zugleich erlaubte sie innerhalb des öffentlichen Raums eine weitgehende Differenzierung der äußeren Gestalt nach praktischen Erfordernissen und als räumliches Symbolsystem. Die urbanen Elemente sind immer auch Demonstration einer verbindlichen Kultur in Religion, politischer Organisation, Bildungs- und Lebensformen, die alle Bewohner jenseits ihrer sozialen und anderen Unterschiede zusammenhielt.
Aus der Beobachtung einer erfolgreichen Anpassungsfähigkeit dieser Strukturen an sich wandelnde Rahmenbedingungen ergibt sich die Aufgabenstellung des Programms. Thema des beantragten Schwerpunktprogramms ist die Erforschung des Zusammenhangs zwischen den sozio-politischen Strukturen und den urbanistischen Veränderungen in der hellenistischen Polis. Hierbei ist es von zentralem Interesse, daß die Polis sich unter stark gewandelten äußeren Bedingungen, die sich aus der Entstehung der Königreiche ergab, als Form der Gemeinschaftsbildung bewährt, für die es im griechischen Raum, aber auch in den neu von den Königen hinzugewonnenen Gebieten kaum Alternativen gegeben zu haben scheint. Es gilt demnach zu klären, welche Anpassungsphänomene die Polis zum fortdauernden Erfolgsmodell gemacht haben und die Kontinuität als Verfassung ermöglicht haben. Durch Zusammenführung althistorischer, archäologischer und bauhistorischer Forschungen im Rahmen des geplanten SPP soll mithin der Frage nachgegangen werden, wie sich soziale Strukturen und Handlungsweisen sowie kulturelle Dispositionen wandelten und welche Auswirkungen dieser Prozeß auf die Gestaltung des Stadtbildes hatte.
Dies soll zunächst anhand von Einzelbeispielen untersucht werden, auf deren Grundlage Generalisierungen formuliert, Trends ermittelt sowie Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen von ihrer Genese her unterschiedlichen Poleis dargestellt werden können. Auf diese Weise kann die historische Entwicklung der hellenistischen Poleis erstmals mit Blick auf das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren, d.h. des historischen Wandlungsprozesses von Bürgergemeinschaft und Stadtbild, untersucht werden. Dadurch werden bisher vorherrschende statische Bilder aufgebrochen und die altertumswissenschaftlichen Disziplinen unter dieser gemeinsamen Fragestellung in bisher nicht dagewesener Weise zusammengeführt (vgl. auch Wörrle/Zanker 1995). Ein solcher Ansatz, bei dem unterschiedliche Aktivitäten gebündelt und aufeinander abgestimmt werden, ist besonders innerhalb der deutschsprachigen Forschung neuartig. Ihm kommt aber auch im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle zu, denn dort fehlen ebenfalls derartige auf Synthesen angelegte Untersuchungen.
Um den historischen Wandel in der hellenistischen Polis verstehen zu können, ist es zunächst sinnvoll, den Untersuchungszeitraum partiell über die eigentlich im Mittelpunkt stehende Epoche des 3.-1. Jh.s. v.Chr. hinaus auszudehnen. Die Poleis dieser Zeit müssen etwa von Poleis älterer Epochen neuerlich abgrenzt werden. Hierbei ist zu beachten, daß die jüngere Polis wesentlich durch die Vitalität von Traditionen in den älteren Poleis beeinflußt wurde. Das Wechselspiel von Tradition, Persistenz und Transformation im griechischen Kernland einerseits sowie der Entstehung neuer Typen in den hellenisierten Regionen andererseits scheinen für die Geschichte der Polis charakteristisch zu sein.
Hierbei sind unterschiedliche Zonen der Polisneugründung zu unterscheiden, in denen in unterschiedlichem Umfang an ältere Traditionen angeknüpft werden konnte (z.B. in Westkleinasien mit Hinterland). Dies gilt für die politische Ordnung ebenso wie für das Stadtbild. Von Interesse ist dabei etwa die Frage, ob die Formierung der Polis im politischen Bereich wie in der Gestaltung des Siedlungsbildes von der nichtgriechischen Bevölkerung bereits durch die Übernahme einzelner Elemente von Verfassung und urbanen Strukturen vorbereitet worden ist (wie etwa in Lykien). Dies gilt jedenfalls für bereits bestehende Gemeinwesen, während bei Neugründungen zu eruieren wäre, welche Komponenten für konstitutiv erachtet wurden und von Beginn an Berücksichtigung fanden.
Um die Besonderheiten einer hellenistischen Polis konturieren zu können, ist es in einzelnen Fällen notwendig, die Untersuchung bis in die frühe Kaiserzeit auszudehnen, denn die Polis erfuhr in einigen Regionen des Ostens (z.B. Lykien, Kilikien) erst im 1. Jh. n.Chr. einen grundlegenden Wandel und Umbau. Deren epigraphische und archäologische Zeugnisse können bei der Rückschau auf den hellenistischen Befund im Einzelfall eine gewichtige Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund wäre auch der Frage nachzugehen, was unter Hellenisierung und Romanisierung zu verstehen ist.
Die epochenübergreifenden Untersuchungen und vergleichenden Studien sollen auf der Erforschung einzelner Orte und Phänomene aufbauen. Hierbei geht es im Sinne der historisch ausgerichteten Themenstellung darum, die Veränderungen in einzelnen Poleis innerhalb der hellenistischen Epoche detailliert zu untersuchen. Unter den Stichworten von ‚Beharrung‘ und ‚Wandel‘ soll den verschiedenen Transformationsprozessen im gesellschaftlichen und urbanistischen Bereich nachgegangen werden. Für die unterschiedlichen Untersuchungsebenen müssen sich die beteiligten Disziplinen in einen konzeptionellen Rahmen einfügen, der auf die Beschreibung eines historischen Entwicklungsprozesses ausgerichtet ist und alle Aspekte der Polis berücksichtigt.

1.2. Forschungsstand
1.2.1 Die Polisgesellschaft in hellenistischer Zeit
Während die ältere Forschung und auch neuere Gesamtdarstellungen noch den Niedergang der Polis in nachklassischer Zeit konstatierten, hat eine Reihe von Arbeiten in jüngster Zeit nachgewiesen, daß die hellenistische Polis erheblich vitaler war, als früher angenommen (siehe bereits Robert 1969; zuletzt Gehrke 2003). Soziale Strukturen und kulturelle Prägungen sind dank beträchtlicher Neufunde auf archäologischem, epigraphischem und numismatischem Gebiet sowie systematischer Neuuntersuchungen auch in ihrem Wandel deutlich greifbar geworden (z.B. Gauthier 1993).
Dabei wurden sehr unterschiedliche Forschungsfelder in den Blick genommen. So hat man zunächst allgemein Prozesse der Polisgenese und der Urbanisierung vor allem in Westgriechenland (Aitolien, Akarnanien, Epirus) und Kleinasien bzw. im Vorderen Orient detailliert untersucht. Bei aller Heterogenität der Poleis, die durch geographische Situation, politisches Umfeld, Größe, wirtschaftliche Ressourcen und politischen Status bedingt ist, können auf der Grundlage der neuesten Forschungen verschiedener Disziplinen Gemeinsamkeiten festgestellt werden. Hierzu gehört eine ausgeprägte Bürgeridentität, die an einer ostentativen Bewahrung religiöser, kultureller und politischer Traditionen zu erkennen ist. Das vor allem in Erziehung, öffentlich-politischer Kommunikation in den Institutionen und in der Kultpraxis sowie der Festkultur aufgehobene Beharrungsvermögen der Polis wurde in der Forschung mehrfach betont (z.B. die Beiträge in Wörrle/Zanker 1995).
Ebenso konnten aber gegenüber traditionellen Normen der Polisgesellschaft auch einschneidende Wandlungsprozesse festgestellt werden (Bencivenni 2003, Fröhlich 2004). Dies gilt beispielsweise für die neue Rolle von Mitgliedern der sozialen Eliten als Wohltäter der Gemeinwesen (Gauthier 1984). Ihr Bild in den Inschriften wandelt sich von dem eines engagierten, aber in die Gemeinde eingeordneten Mitbürgers hin zu dem eines überragenden Polispatrons, von dessen Vermögen und Einfluß die Stadt abhängig ist. Obwohl eine nicht zu unterschätzende, steigende finanzielle Leistungskraft der gesamten Bürgergemeinde konstatiert werden konnte, gehört die Entstehung einer Honoratiorenschicht zu den auffälligsten Veränderungen in der hellenistischen Polis. Sie findet einen prägnanten Ausdruck in der zunehmenden öffentlichen Ehrung ihrer Repräsentanten durch Monumente unterschiedlicher Art. Diese internen Entwicklungen sind zunächst durch die hellenistischen Monarchien und maßgeblich durch die römische Expansion und das Auftreten einer neuen Weltmacht beschleunigt worden (Wörrle 2004).
In diesen Kontext des Engagements führender Schichten gehört auch die Entstehung einer juristischen Koine und eines lebhaften Austauschs z.B. im Rahmen der zwischen- und innerstaatlichen Jurisdiktion (z.B. Fremde Richter). Obwohl in die Gerichtsverfahren viele Bürger einbezogen wurden, was die verbreitete Kenntnis der allgemeinen Rechtssätze dokumentiert, blieb die maßgebliche Instanz der Polis eine kleine Elite. Daneben läßt sich jedoch auch die Partizipation breiterer Bevölkerungsschichten beobachten, die als Bürgersoldaten, Epheben, Richter und Teilnehmer an den Volksversammlungen in die Politik eingebunden blieben und erst allmählich in den Hintergrund traten. Die Kontakte der Elite reichten weit über das eigene Gemeinwesen hinaus und sicherten eine gemeinsame Blüte der Poleis, die auf der Kommunikation über politische, kulturelle, rechtliche und religiöse Belange beruhte (Ma 2003). Die Verständigung über eine gemeinsame mythische Geschichte und darauf zurückgeführte mythische Verwandtschaft ist Ausdruck eines vitalen Interesses an Prestige und Teilhabe an Erinnerungskultur. Internationale Diplomatie, gemeinsame Festkultur, zwischenstaatliche Vereinbarungen und eine intensive internationale Gerichtsbarkeit sind Phänomene dieses Austausches, der erst mit dem Auftreten Roms vom späten 3. bis ins 1. Jh. v. Chr. allmählich in neue Bahnen gelenkt wird.
Die wirtschaftlichen Grundlagen dieser Führungsschicht sind erst in Ansätzen erforscht. So ist etwa die Kenntnis der wirtschaftlichen Ressourcen der Poleis durch epigraphische und archäologische Feldforschungen zum Umland der Zentralorte regional erhellt worden (Kolb 2004). Dennoch ist im Bereich der Wirtschaftskraft und Finanzstrategien der Poleis und ihrer Bürger noch Grundlagenarbeit notwendig (Migeotte 1995).

1.2.2 Die Urbanistik der hellenistischen Zeit
Aktuelle archäologische und bauhistorische Untersuchungen konzentrieren sich z. Zt. auf die Relation von Polis und Umland sowie auf die urbanistische Entwicklung einzelner Städte, insbesondere auf die Ausgestaltung öffentlicher und sakraler Räume (z.B. die Beiträge in Parrish 2001). Archäologische und bauhistorische Forschungen in unterschiedlichen Regionen hatten zum Ziel, das statische Stadtbild, welches die älteren Grabungen vorgestellt haben, durch die Rekonstruktion der baulichen Entwicklung gerade für die Periode des Hellenismus zu ergänzen. Die Forschungen haben für die o. a. Fragestellungen neue Befunde geliefert, die aber ihrerseits Fragen nach einer historischen Erklärung und Einordnung aufwerfen, die im SPP beantwortet werden können.
Die archäologischen Stadtforschungen belegen eindeutig, daß die hellenistische Zeit mit Blick auf Bauwesen und Urbanistik eine äußerst lebhafte, d.h. wirtschaftlich prosperierende Epoche gewesen ist, in der eine Reihe charakteristischer Neuerungen zu beobachten ist. Die auffälligste Erscheinung im hellenistischen Städtebau ist zweifellos die große Zahl öffentlicher Bauten. Säulenhallen stellten nun den meistverwendeten Bautyp zur Gestaltung öffentlicher Räume dar und bildeten zugleich den größten Teil der Gebäudestiftungen hellenistischer Wohltäter. Mit den Stoai wurden innerstädtische Plätze weiträumig eingefaßt und nach Funktionsbereichen stärker gegliedert (z.B. Athen, Priene, Assos).
Die Bürgeridentität definierte sich nicht zuletzt im baulichen Aufwand der Städte und in der monumentalisierten Differenzierung der öffentlichen Räume. Bezeichnend dafür ist die Fortentwicklung von Komplexbauten wie Gymnasien oder Märkten bis hin zu standardisierten Bauensembles, wie zahllosen Theatern oder Versammlungsgebäuden der Boule, in denen das Selbstbewußtsein der Bürger und das Prestige der Amtsträger ihren Ausdruck fand. Überhaupt bot der so gestaltete öffentliche Raum den idealen Rahmen für eine Fülle neuartiger Ehrungen in Form zahlreicher Statuen und Ehrenmonumenten.
Auf eine neuartige Bürgeridentität deutet eine gewisse Priorität des Profanbaus hin. Ältere Tempelbaustellen werden bisweilen nur schleppend weitergeführt (Athenatempel von Priene, Apollontempel in Didyma), neue Tempel haben meist kleine Formate (Milet, Pergamon), und auch in neuen Heiligtümern gewinnen die freiraumbildenden Hallen an Bedeutung (Priene, Magnesia, Delos), da wiederum der öffentliche Raum mit dem Altar das Zentrum bildet, der Tempel aber als ein Symbol für das Kollektiv der Bürger an Bedeutung einbüßt. Einen hohen Stellenwert haben die allenthalben entstehenden Befestigungen aus Quaderwerk, die besonders in der Zeit des frühen Hellenismus ausgedehnte Areale sichern (Ilion, Herakleia am Latmos). Sie sollen über die fortifikatorischen Notwendigkeiten der Zeit hinaus neben der Wehrhaftigkeit auch den Bürgersinn demonstrieren.
Die ältere Forschung zur antiken Urbanistik hat zunächst die vorhandenen Bauten verschiedener Städte zum Bild einer Art zeitloser Idealstadt zusammengetragen, oder wie im Falle von Pergamon, Milet oder Priene zum statischen Bild eines im Späthellenismus erreichten Endzustandes einer in Wirklichkeit jedoch stetigen Bauentwicklung verdichtet. Hieraus ergeben sich Prioritäten für zukünftige Forschungen: den bereits in den letzten Jahrzehnten vorgenommenen Versuch, die städtebaulichen Elemente einzelner Orte zu erfassen und ihre Baugeschichte in Phasen darzustellen (Parrish 2001; Zimmermann 2003; vgl. z.B. für Republik und Kaiserzeit in Spanien Trillmich 1987), nuanciert und auf die sozialgeschichtlichen Implikationen abgestimmt fortzuführen. Die Verbindung archäologischer und bauhistorischer Ergebnisse mit den aus Inschriften gewonnenen Erkenntnissen, wie dies z.B. in Priene oder Aphrodisias mit ihren umfangreichen erhaltenen Texten möglich ist, dürfte die Eigendynamik lokaler Geschichte verständlich werden lassen. Nicht nur die Bedeutung der Gebäudestiftungen ließe sich auf diese Weise erhellen, sondern auch z.B. der Bedarf an Kulten für den internen Zusammenhalt der Bürgergemeinde und für die Interaktion der Poleis mit auswärtigen Mächten.
Dies wird nur in einer interdisziplinären Kombination von Analysen des gesellschaftlich-kulturellen Wandels und der urbanen Veränderungen wie durch die innovative Zusammenführung der unterschiedlichen methodischen Ansätze und fachlichen Disziplinen erfolgreich sein. Die genannten Eigenarten der hellenistischen Polis bzw. Polisgründungen in ihren regionalen Ausprägungen mittels historischer Längsschnitte in ihrer Entwicklung besser zu verstehen, ist ein Desiderat der Forschung. Es gilt hierbei die Transformation eines Konzeptes zu verfolgen, das mit einzelnen Erscheinungen für den mittelmeerischen Raum bis weit in die Kaiserzeit hinein prägend bleiben sollte. Mit dieser Zielsetzung versucht das Schwerpunktprogramm in Anknüpfung an das Erreichte zu einem besseren Verständnis der hellenistischen Polis zu gelangen.

1.3. Ziele, Fragestellungen, Methoden
Diese Forschungssituation legt es nahe, die statischen und dynamischen Elemente innerhalb der Polisgesellschaft auf der Folie der augenfälligen Entwicklung der urbanen Ausstattung zu untersuchen. Verschiedene, schon bestehende Aktivitäten in dieser Richtung, die in ihren Fragestellungen konvergieren, müssen zu diesem Zweck gebündelt sowie hinsichtlich Zielsetzung und Methoden aufeinander abgestimmt werden. Auf diese Weise wird eine Plattform geschaffen für das weitere Ziel, in einzelnen oder Gruppen ähnlich strukturierter Poleis Institutionen, Stadtanlage und wirtschaftliche Grundlagen als Faktoren ihres historischen Wandels zu verstehen.
Im Bereich der althistorisch-epigraphischen Forschung wird die Betrachtung im wesentlichen auf die gesellschaftlich formierende und sinnstiftende Kraft von politischen, religiösen und kulturellen Institutionen im Kontext der Polis konzentriert sein, in Archäologie und Bauforschung auf die Gestaltung des öffentlichen und privaten Raumes und die Formen der Selbstdarstellung der städtischen Eliten. Hinzu kommen Forschungen zur Polis im Rahmen übergeordneter politischer Ordnungen wie Königsherrschaft oder Staatenbünden (Koina), wobei einerseits deren Rolle für die Entstehung und Entwicklung von Poleis zu untersuchen ist, andererseits die Polis als wichtiger Faktor beispielsweise in der königlichen Politik Beachtung verdient.
Der Wandel, der sich in der Entwicklung der Institutionen abzeichnet, und die damit einhergehende Verlagerung der Werte, welche den Zusammenhalt der Bürger gewährleisten, ist dabei zu berücksichtigen. Auf der kulturellen und sozio-politischen Ebene sollen deshalb die kollektiven Vorstellungen innerhalb der Gesellschaft anhand der epigraphischen Zeugnisse, aber auch der einschlägigen Bildwerke betrachtet werden. Hierzu gehören das normative Bild des Bürgers sowie die die Poleis übergreifenden Integrationskreise der Führungsschicht (Festgesandtschaften, Fremde Richter, Königshof usw.) und die potentiellen Veränderungen, denen sie unterworfen waren. Dieser Austausch ist auch vor dem Hintergrund eines spezifischen Zeitphänomens zu betrachten. Die hellenistische Zeit ist nämlich geprägt von einer den lokalen Rahmen sprengenden, äußerst dynamischen Kommunikation, einem Prozeß der ‚Globalisierung‘ in Wirtschaft und Kultur sowie einer erheblichen Migration von Einzelpersonen und Bevölkerungsgruppen.
Aber auch auf lokaler Ebene sollen die sozialen, politischen, religiösen und kulturellen Praktiken (Feste, Agone, Ehrungen, Bankette, Reden, Prozesse usw.) und kollektive Vorstellungen in Zusammenhang mit den baulich entsprechenden Einrichtungen als allgemeine Elemente der hellenistischen Kultur genauer erfaßt, beschrieben und analysiert werden, da sie von zentraler Bedeutung für den Zusammenhalt der Polis waren. In ihnen manifestierten sich immer wieder – vor dem Hintergrund entsprechender kultureller Vorstellungen – die Kohärenz der Gemeinschaft und ihre soziale Ordnung.
Im Kontext solcher Praktiken, Rituale und Integrationsformen ist ferner nach den objektiven Handlungsspielräumen des Einzelnen und der Gemeinschaft als Ganzer zu fragen. Insbesondere die Orientierung an der tradierten politischen und religiösen Ordnung, die sich an einer konservativen Grundstimmung der Dokumente ablesen läßt, ist einerseits ein wichtiger Hintergrund für die Stabilität der Strukturen, wirft andererseits aber die Frage auf, worin der Wandel im urbanistischen Erscheinungsbild besteht und welche Formen kultureller oder gesellschaftlicher Veränderung er entgegen aller ostentativen Rückbesinnung indiziert und seinerseits erneut fixiert. Ein Mentalitätswandel wäre in unterschiedlicher Weise denkbar, etwa als kollektives Verhalten, das mit dem baulichen Aufwand den Verlust bestimmter Qualitäten zu kompensieren versucht, oder als Aktivitäten einzelner Gruppen, welche die jeweiligen Aktionsräume der Polis als Bühne ihrer Selbstdarstellung nutzen und ihnen damit eine neuartige Qualität verleihen. Ähnliche Erklärungsmodelle müßten entworfen und erprobt werden.
So sind die in den Inschriften überlieferte konservative Grundhaltung und die Versuche der Identitätswahrung beispielsweise in der Konfrontation mit Rom daraufhin zu prüfen, ob Formen der Rückbesinnung aus einer Abwehrhaltung heraus verstärkt auftreten und welche Konsequenzen eine solche Haltung für das Stadtbild hatte. Es stellt sich mithin die Frage, ob sich die Förderung und Ausstattung von Stätten hellenistischer Bürgeridentität nach dem Auftreten Roms signifikant ändert. Die Gymnasien sind ein gutes Beispiel dafür, welches methodische Vorgehen innerhalb des SPP einen Erkenntnisfortschritt sichert. In einer über Arbeitsgruppen hergestellten Vernetzung epigraphischer Studien mit solchen der Bauforschung und Archäologie kann mit Blick auf die Bedeutung der Gymnasiumskultur geklärt werden, ob sie möglicherweise einen Ort des Rückzugs, der Rückbesinnung oder einer Neupositionierung von tradierten Werten darstellte.
Ein weiteres Untersuchungsfeld im Hinblick auf die Verknüpfung von sozialen Strukturen und urbanen Veränderungen ist die Rekonstruktion städtischer Finanzen anhand der epigraphischen Überlieferung. Insbesondere ein näherer Blick auf die Kosten einzelner Baumaßnahmen und die Wege ihrer Finanzierung geben Aufschluß über den Zusammenhang zwischen prestigeträchtigem städtebaulichem Engagement und sozio-politischer Stellung der Führungsschicht. Die Veränderungen des Stadtbildes sind vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung zu verstehen, was die Rekonstruktion der ökonomischen Basis der von den Honoratioren getätigten Investitionen (Landwirtschaft, Ressourcen, Kreditgeschäfte mit den Poleis usw.) erforderlich macht.
Der enge Konnex zwischen Stadtbild und sozio-politischen Strukturen gilt gleichermaßen für eine Reihe gemeinschaftlicher Akte, bei denen gerade der demonstrative Charakter die extrem hohe Bedeutung öffentlicher und sakraler Räume bedingte. Besondere Beachtung verdienen in diesem Zusammenhang z.B. Agorai, Heiligtümer und Theater. Aufschlußreich ist dabei etwa die bislang kaum systematisch durchgeführte vergleichende Beobachtung von Interdependenzen verschiedener städtebaulicher Veränderungen. Hierzu gehört etwa die gewandelte Ausstattung von Agorai als Folge der Auslagerung bestimmter Funktionen (z.B. Markt) oder ganz allgemein die Verwandlung des öffentlichen Raumes in eine Bühne der Selbstdarstellung städtischer Honoratioren und Wohltäter (beispielsweise Priene). Hierbei gewinnt die monumentale Ausprägung der öffentlichen Einrichtungen hohen Symbolwert, wie etwa an den großen, steinernen Bouleuterien, aber auch den Theatern mit ihren Prohedriesitzen abzulesen ist.
Aufschlußreich wäre darüber hinaus zu verfolgen, welche Arten von Siedlungen sich neben geplanten Poliszentren solche 'Symbolbauten' wählten, um ihrer Vorstellung von Urbanität Ausdruck zu verleihen, und damit in Einzelfällen sogar die Voraussetzung schufen, Polisstatus zu erlangen. Dies lenkt den Blick auf die Chora, das zugehörige Territorium der Polis und die hier vorhandenen Unterzentren (z.B. Elaia als Hafen von Pergamon oder Aigai). Ein weiterer methodischer Ansatz liegt in der Bestimmung der Relation zwischen Stadt und Umland bzw. zu anderen Städten innerhalb der Chora. Aus diesen Bezügen oder auch aus den Urbanisierungsschüben und der Zentralortbildung in einzelnen Landschaften läßt sich bestimmen, welche Elemente in der Zeit des Hellenismus als wesentlich bzw. unumgänglich für Poliszentren erachtet wurden.
Eine günstige Voraussetzung für tragfähige Forschungsergebnisse auf dieser Ebene ist dabei die breite archäologische und epigraphische Materialbasis in den Regionen des östlichen Mittelmeeres, die je nach Fragestellung verbreitert werden kann. Sie erlaubt es, sowohl das Verhältnis von Klein- und Zentralstadt zu erfassen als auch ganz generell unterschiedliche Kategorien von Poleis zu bestimmen. Dabei zeichnet sich schon jetzt ein reiches und vielfältiges Bild ab, das die Flexibilität des Modells Polis belegt (Gründungen wie Alexandria Troas, alte einheimische Siedlungen wie Phellos in Lykien, Residenzstädte wie Pergamon u.a.m.). Diese Vielfalt fordert zugleich dazu heraus, die speziellen Formen urbanen Ausbaus in ihrem jeweiligen historischen Kontext zu verstehen. Gerade in Neugründungen spiegelt die Entscheidung für eine besondere architektonische Ausstattung die zeitgenössischen Vorstellungen von der Mindest- oder Idealausstattung eines Poliszentrums (u.a. Herakleia am Latmos, Antiocheia ad Pisidiam). Sie könnten zeigen, welchen institutionellen und städtebaulichen Komponenten in dieser Zeit ein besonderes Gewicht zukam und welche Rolle das Repräsentationsbedürfnis der Bürger bei der Ausgestaltung öffentlicher Räume spielte. Auch die für die hellenistische Zeit belegten Synoikismen und Sympolitien, die ebenfalls ein gewachsenes Interesse an der Etablierung neuer Zentren mit urbaner Ausstattung und Bündelung politisch-administrativer Kompetenzen dokumentieren, sind in diesem Kontext bedeutsam. Dies gilt auch für Kolonien von Soldaten, wie z.B. die Klerouchenkatoikien der seleukidischen Könige, oder die Polisgründung in einem Emporion (Tanais). Bei derartigen Studien sollten auch die Strategien deutlich werden, die Gründungsprozesse begleiten. Hierzu gehört beispielsweise die Integration fremder Bevölkerungsschichten und die damit verbundene Übernahme einzelner kultureller Elemente. Damit ließe sich auch verstehen, wie die jeweiligen Territorialstaaten ihre neuerworbenen Gebiete absicherten, unter anderem in Pisidien (Seleukiden, Pergamon) oder in Palästina (Seleukiden versus Ptolemäer, Makkabäer).
Bei diesen Fragen sollte der Blick über das griechische Mutterland und die früh hellenisierten Gebiete Westkleinasiens hinausgehen. Um konstitutive Elemente der hellenistischen Polis in ihrem historischen Wandel erfassen zu können, ist neben dem Schwarzmeergebiet auch Sizilien und Unteritalien in den Blick zu nehmen. Eine nähere Betrachtung der Umformung griechischer Kolonien z.B. auf der Krim und der Romanisierung von Poleis auf Sizilien und in Süditalien kann den Eigenarten der hellenistischen Polis Kontur geben.
Im Hinblick auf die genannten möglichen Forschungsfelder ist bei der Auswahl förderungswürdiger Projekte darauf zu achten, daß bei einer notwendigen quantitativen Fokussierung die angeschnittenen Fragestellungen repräsentativ vertreten sind. Auch müssen die verschiedenen Untersuchungsebenen ineinander greifen: Die Forschungen in Einzelprojekten sind in unterschiedlichen Formen wissenschaftlichen Austausches (siehe dazu unten 1.4.1; 1.4.2) vom Koordinator unter den genannten, übergeordneten Fragestellungen zusammenzuführen, um generalisierende Aussagen treffen zu können. Es soll geklärt werden, ob die im Einzelfall konstatierten Entwicklungen auch in Poleis anderer Kategorien (etwa autonomen, ‚gewachsenen’ Poleis, Residenzstädten, Neugründungen) zu beobachten sind. In diesem Zusammenhang ist es auch von Interesse, in welchem Verhältnis Zentrum und Peripherie zueinander standen bzw. in welchem Umfang und auf welche Weise Poleis wie Pergamon mit ihrer Baugestaltung richtungsweisend waren. Desweiteren ist zu prüfen, ob parallel zu solchen Einflüssen in größerem Umfang auch gleichzeitige Entwicklungen ohne Einfluß eines Zentrums zu erkennen sind und wie diese kulturelle Eigenständigkeit zu begründen ist. So stellt sich etwa die Frage, ob solche Phänomene, die für einzelne Monumentgruppen, wie z.B. die Großaltäre, ermittelt wurden und die gegen die Dominanz von Zentren sprechen (Linfert 1995), auch auf andere Bereiche eines strukturellen Wandels übertragen lassen.
Bei diesen Detailfragen ist eine enge Abstimmung zwischen den Wissenschaftlern nötig. Um beispielsweise die Neugewichtung des öffentlichen Raumes an anderen Orten zu prüfen, bedarf es ausgewogener Parameter, nach denen unterschiedliche Arten z.B. von sakralen und politischen Räumen voneinander zu unterscheiden sind. Bedeutsam wird ein ständiger Austausch darüber sein, was eigentlich die Erscheinungen miteinander vergleichbar macht und zur verbindlichen Qualität des Modells Polis beitrug.

1.3.1 Arbeitsprogramm und Untersuchungsebenen
Mit der Ausrichtung des Programms für den geplanten Schwerpunkt verbindet sich eine besondere Vorgehensweise, in der wohl das größte Innovationspotential des Unternehmens liegt: eine Klärung der komplexen Funktion des Modells 'Polis' im Mikro- wie im Makrobereich, um die Bedeutung der verschiedenen Faktoren und die historische Dynamik der sozialen, politischen und kulturellen Veränderungen zu erfassen. Aufgrund der für die hellenistische Polis typischen komplementären Struktur von sozialem Leben, politischer Organisation und urbaner Ausstattung sind verschiedene Untersuchungsebenen nötig. Neben der lokalen Ebene des Baubestandes einzelner Poleis bzw. der Spezifika einzelner sozio-politischer und kultureller Felder stehen komparatistische Studien, die in den Netzwerken (siehe unten 1.4.2) entstehen können. In ihnen werden regionale und überregionale Entwicklungen zusammengefaßt und Gemeinsamkeiten sowie Ungleichzeitigkeiten ermittelt. Arbeiten zu der hier angesprochenen Thematik waren bisher eher isolierter und daher für weitere Folgerungen vielfach spekulativer Natur. Trotz partieller Berücksichtigung historischen Wandels wurden die Phänomene entweder eher vereinzelt nach Bereichen oder nach Orten und damit gleichsam statisch dargestellt. Einzelne Städte waren und sind zwar Gegenstand intensiver archäologischer, epigraphischer, historischer und numismatischer Detailforschungen, die unseren Kenntnisstand verbessert haben. Doch wurden diese bisher kaum systematisch und im Überblick ausgewertet. Im Rahmen des SPP besteht die Chance, die genannten Zusammenhänge in bestimmten Poleis auch diachron zu erforschen.
Erst auf dieser Grundlage können dann Generalisierungen vorgenommen, Trends ermittelt sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Poleis festgestellt werden. Der Abgleich der Prozesse wird es ermöglichen, den Einfluß übergeordneter (etwa die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen politischen Organisationen und Reichen in verschiedenen Regionen) von den lokalen Faktoren bzw. den Einfluß externer von jenem interner Elemente abzugrenzen. Das Verhältnis von sozialem Strukturwandel und urbanistischer Veränderung wird somit nicht nur generell in seiner Verschränkung sichtbar gemacht, sondern auch im Blick auf lokale und zeitliche Varianten und Besonderheiten untersucht.
Das Arbeitsprogramm soll mit Hilfe folgenden Arbeitsplans realisiert werden:
1. In einem ersten Schritt sollen von den Teilnehmern auf einem Arbeitstreffen gemeinsame Forschungsfelder und Fragestellungen vereinbart werden. Dabei soll auch eine Verständigung über tragfähige Kategorien stattfinden, anhand derer verschiedene Städte bzw. Zentralorte miteinander verglichen werden können.
Hierzu könnten etwa folgende Aspekte gehören: Fragen nach der Siedlungskategorie, nach dem verwendeten Siedlungsschema, nach Wahl und Ausbau des Siedlungsplatzes, nach den vorhandenen Siedlungskomponenten, nach den Spezifika der sozialen Schichtung, nach den wirtschaftlichen Parametern usw.
2. Die Kriterien sollen in einem zweiten Schritt in den Einzelprojekten sowie den Netzwerken auf die einzelnen Aspekte der Polis angewendet werden.
3. Diese sollen in einem dritten Schritt auf eine Synthese zulaufen. Folgende Fragen können hierbei eine Rolle spielen:
Welche städtebaulichen Strategien werden in welcher Situation gewählt?
Welchen Einfluß haben polisübergreifende Systeme (z.B. Königreiche, Koina) auf die lokale Interdependenz von Gesellschaft und Stadtbild?
Welchen Niederschlag finden spezielle Formen der Verfassung im Stadtbild und wie ändert sich dieses im Zuge von Reformprozessen?
Es wird sehr darauf ankommen, in dieser Phase des Programms Projekte zur Beantwortung solcher Fragestellungen zusammen zu führen.
4. Die Anpassungsphänomene wären in einem vierten Schritt auf ein übergreifendes kulturelles Profil der hellenistischen Zeit zu beziehen.
Diese Vorgehensweise sollte in den einzelnen Projekten bereits bei der Planung in den Blick genommen werden. Die vorgesehenen Workshops, Arbeitstreffen und Kolloquien sind der geeignete Rahmen, um den Arbeitsplan durchführen zu können, zugleich aber auch eine Plattform der Nachwuchsförderung und der internationalen Verknüpfung.
Die beschriebene Grundorientierung des SPP führt demnach zu folgenden Arbeitsformen:
a) Erarbeitung von diachronen Abrissen für einzelne Poleis bzw. Polisbildungsprozesse (Auswertung literarischer, epigraphischer und numismatischer Dokumente; archäologisch-bauhistorische Feldforschung mit entsprechender Fragestellung; vergleichende Analysen und Interpretationen der Befunde für die jeweiligen Einheiten).
b) Ermittlung genereller Tendenzen im Vergleich zwischen den verschiedenen Fallstudien (einschließlich einer Differenzierung von gemeinsamen Trends und spezifischen Vorgängen)
Solche durchgängigen Phänomene sollen auf Arbeitstreffen, Workshops und im Rahmen von Kolloquien, an denen neben den Antragstellern/Projektmitarbeitern auch Experten aus dem In- und Ausland teilnehmen sollen, ermittelt werden. Themen dieser Kolloquien könnten beispielsweise sein:
„Die politische Gemeinschaftsbildung als Vorgang der In- oder Exklusion“
„Kulte und Feste: Strategien der polisinternen Stabilisierung und als Möglichkeiten der Außenwirkung“
„Bürgeridentität und öffentlicher Raum“
Es wird Aufgabe des Koordinators sein, auf die einzelnen Phasen des SPP abgestimmt entsprechende international besetzte Kolloquien zu organisieren.

1.4 Vorarbeiten der Initiatoren und Teilnehmer
Der Antragsstellung ging eine fast zweijährige Vorbereitungsphase voraus, in der die Initiatoren thematische und organisatorische Fragen auf verschiedenen Arbeitstreffen an den Universitäten München und Frankfurt sowie im Rahmen eines Symposiums zur Stadtforschung in Kleinasien (Bergama, August 2004) diskutiert haben. Im April 2004 fand zudem an der Universität München ein von der DFG finanziertes Rundgespräch statt, zu dem neben den Initiatoren auch mögliche Antragsteller sowie Mitglieder der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des DAI (München) geladen waren. Im Rahmen des Rundgesprächs wurden - ausgehend von bereits laufenden oder geplanten Projekten zur hellenistischen Polis - das Forschungsprogramm konturiert und die Möglichkeiten der Vernetzung der unterschiedlichen Projekte erörtert.
Die unter den Punkten 1.4.2, 1.4.3 und 5 aufgeführten Althistoriker, Bauforscher und Klassischen Archäologen beschäftigen sich seit mehreren Jahren (siehe die Literaturliste im Anhang) mit der Erforschung der hellenistischen Poleis und mit der Frage, wie die unterschiedlichen Disziplinen ertragreich kooperieren und Netzwerke bilden können. Neben Grabungs- und Feldforschungsprojekten stehen historisch-epigraphische Untersuchungen. Bei diesen Arbeiten wurde durch Kontakte zu verschiedenen Institutionen (FH und TU Karlsruhe, DAI, BTU Cottbus) die Grundlage geschaffen, Kollegen aus den Bereichen der Biblischen Archäologie/Theologie (Prof. Dr. M. Hengel, Prof. Dr. S. Mittmann, Prof. Dr. H. Lichtenberger, Prof. Dr. H. Niehr, Tübingen; Prof. Dr. W. Zwickel, Mainz), Geodäsie (Prof. Dr. G. Hell, Karlsruhe), Geographie (Prof. Dr. H. Brückner, Marburg), Bauforschung (Prof. Dr. Ing. W. Koenigs, München), Architektur (Prof. Dr. M. Klinkott, Karlsruhe), Geoarchäologie (HD Dr. M. Sauerwein, Halle) usw. für eine Mitarbeit am SPP zu gewinnen. Konkret konnten Kooperationen und Netzwerke zu Forschungen z.B. in Kleinasien (Pergamon, Priene, Pednelissos), Griechenland (Akarnanien) und Palästina vereinbart werden.
Ferner wurden verschiedene Tagungen von den Initiatoren und Teilnehmern genutzt, um die offenen Forschungsprobleme zur hellenistischen Polis in Vorbereitung des SPP zu diskutieren und sich zugleich einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand in verschiedenen Regionen zu verschaffen. Zu nennen sind hier an erster Stelle die vom DAI Istanbul im August 2004 in Pergamon veranstaltete Tagung zum Thema "Stadtforschung in Kleinasien – Geplantes und Erreichtes" sowie die im Jahr 2003 in Ankara und 2004 in Konya vom Ministerium für Tourismus und Altertümer veranstalteten Symposien, auf denen alle aktuell zum antiken Kleinasien forschenden Wissenschaftler (Epigraphiker, Klassische Archäologen, Althistoriker, Paläobotaniker, Paläozoologen usw.) Vorträge hielten und es den Initiatoren ermöglichten, sich einen Überblick über alle laufenden und abgeschlossenen Projekte zur hellenistischen Polis in dieser Region zu verschaffen.
Alle voraussichtlichen Teilnehmer (siehe unten 5) sind durch langjährige Erfahrung und innovative Forschungen auf dem Gebiet der hellenistischen Polis ausgewiesen. Gleiches gilt für die aus anderen Disziplinen gewonnenen Kooperationspartner, die ebenfalls einschlägige, für das SPP thematisch und methodisch relevante Arbeiten verfaßt haben. Die organisatorischen und personellen Voraussetzungen für die erfolgreiche Realisierung des SPP sind folglich als sehr gut zu bezeichnen.

1.4.1 Interdiziplinarität, beteiligte Wissenschaften
Alte Geschichte, Klassische Archäologie, Bauforschung, Numismatik, Rechts-geschichte, Papyrologie
Um ein solches Programm zu realisieren, ist eine enge Kooperation zwischen Alter Geschichte, Klassischer Archäologie und Bauforschung als Kerndisziplinen des SPP notwendig. Das SPP sollte auch die Numismatik, die Papyrologie und die Rechtsgeschichte einbeziehen. Alle Disziplinen verfügen über die grundlegenden Methoden, um die relevanten Quellen zu erschließen, zu dokumentieren, zeitlich und funktional zu bestimmen und einer vergleichenden Analyse zu unterziehen.
Besonders hervorzuheben ist, daß die beteiligten Disziplinen Organisationsformen in das SPP einbringen sollen, die in Deutschland nicht prominent vertreten sind, wie etwa Auslandsgrabungen von Universitäten (in Kooperation mit dem DAI) und Surveyarchäologie.
Interdisziplinarität wird darüber hinaus für alle Projekte schon von der dargelegten Konzeption her unumgänglich sein. Nichtarchäologische Feldforschungen gleich welcher Art (geologische und geophysikalische Prospektionen sowie archäobotanische und –zoologische Untersuchungen, photogrammetrische Bauaufnahmen und Kartographie) haben freilich nur Sinn, wenn sie auf die Erschließung der genannten Zusammenhänge angelegt sind. Dies kann aber nur in der Kombination mit anderen Wissenschaftszweigen geschehen. Entsprechende Kooperationen sind bereits geplant (z.B. mit FH Karlsruhe, BTU Cottbus).

1.4.2 Netzwerkbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Durch Verbindung von archäologischen Feldforschungs-/Grabungsprojekten mit historisch-epigraphischen Projekten können die aus dem bisher erreichten Forschungsstand entwickelten innovativen Fragestellungen und Ergebnisse der unterschiedlichen Disziplinen verknüpft und neue Lösungen erzielt werden. Ausgehend von verschiedenen Orten des östlichen Mittelmeers - exemplarisch seien nur Priene und Pergamon genannt - besteht dank eines umfangreichen archäologischen und epigraphischen Denkmälerbestandes und einer ausgezeichneten organisatorischen Infrastruktur die Möglichkeit, innerhalb des SPP Netzwerke zu initiieren. Auch andere regionale Projekte, wie z.B. im Vorderen Orient, sollen durch eine Zusammenarbeit zwischen biblischen Archäologen in Deutschland sowie an den Universitäten von Tel Aviv und Haifa unterstützt werden.
Die Beantwortung einer gemeinsam von den beteiligten Teilnehmern entwickelten und auf den Ort, die Region oder die thematischen Schwerpunkt konzentrierten Fragestellung soll in steter Kommunikation erfolgen. Ziel ist es, die traditionell ohnehin bestehenden Kooperationen zwischen den genannten Fachdisziplinen zu intensivieren und ertragreicher zu gestalten. In einem vorbereitenden Rundgespräch sind bereits mögliche Netzwerke erörtert worden, von denen hier einige exemplarisch genannt seien:

Die hellenistische Polis in Palästina
Beteiligt wären die Universitäten Jerusalem (Evangel. Inst., Prof. Dr. M. Heinzelmann), Lodz (Palestine Research Center, Prof. Dr. I. Skupinska-Loevset, Wuppertal (Palästina Projekt, Prof. Dr. D. Vieweger) sowie Köln (Prof. Dr. H. von Hesberg, Dr. W. Thiel) und das Inschriftenprojekt von Prof Dr. W. Eck (Köln) mit der Hebrew University.

Hellenistische Polis im südlichen und südwestlichen Kleinasien
Beteiligt wären die Universitäten Bamberg (Abt. Alte Geschichte, Prof. Dr. H. Brandt), Köln (Klass. Archäol., Prof. Dr. H. von Hesberg, Dr. L. Vandeput), München (Alte Geschichte, Prof. Dr. M. Zimmermann), Freiburg (Klass. Archäol., Prof. Dr. W. Ehrhardt, PD. Dr. W. Wannagat), Konstanz (Alte Geschichte, Prof. Dr. U. Gotter, PD Dr. K. Trampedach), Frankfurt a. M. (Klass. Archäol., Prof. Dr. W. Raeck), Leuven (Prof.Dr. M. Waelkens), Exeter (Prof. Dr. S. Mitchell), Frankfurt a. M. (Arch. Institut., Prof. Dr. W. Raeck), TU München (Inst. für Bauforschung, Prof. Dr. Ing. W. Koenigs), Zürich (Abt. Alte Geschichte, PD Dr. U. Wiemer).

Stadt und Umland
Beteiligt wären die Universitäten Münster (PD Dr. K. Freitag), Berlin (HU, Dr. F. Lang), Köln (Prof. Dr. H. von Hesberg), das DAI Berlin (Dr. L. Schwandner), die Akademie der Wissenschaften, Skodhra Albanien (Dr. B. Lahi), Ephorien für Prähistorische und klassische Altertümer in Messolonghi und Patras, DAI Istanbul (Prof. Dr. A. Hoffmann, PD Dr. F. Pirson), Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des DAI, München (PD Dr. C. Schuler, PD Dr. H. Müller), Bayerische Akademie der Wissenschaften und Inst. für Klass. Archäologie, München (Kommission zur Erforschung des antiken Städtewesens und PD Dr. R. von den Hoff), Universität München (Alte Geschichte, Prof. Dr. M. Zimmermann).

Stadt und Palast in Griechenland, Palästina, Syrien, Irak und Italien
Beteiligt wären die Universitäten Hamburg (Prof. Dr. I. Nielsen), Thessaloniki (Prof. Dr. C. Saatsoglou-Paliadeli), Jerusalem (Prof. Dr. E. Netzer ), London (Prof. Dr. A. Kuhrt), Copenhagen (Dr. S. Lumsden), Turin (Prof. Dr. A. Invernizzi), Augsburg (Prof. Dr. G. Weber) und das Reserch Center for Greek and Roman Antiquity (Prof. Dr. M.B. Hatzopoulos).

Ausstattung öffentlicher Platzanlagen in hellenistischen Poleis Griechenlands und Kleinasiens
Beteiligt wären die Universitäten Bonn (Klass. Arch., PD Dr. R. Krumeich), Freiburg (Klass. Archäol., Prof. Dr. W. Ehrhardt), Bamberg/Köln (Abt. Alte Geschichte, Prof. Dr. H. Brandt; Klass. Arch., Dr. L. Vandeput), Frankfurt a. M. (Arch. Institut., Prof. Dr. W. Raeck), München TU (Inst. für Bauforschung, Prof. Dr. Ing. W. Koenigs), München LMU (Abt. Alte Geschichte, PD Dr. C. Witschel), Straßburg (Prof. Dr Y. Marc), Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin (Inscriptiones Graecae, Dr. K. Hallof).

Entsprechend der Zielsetzung des Programms sollen nur Teilprojekte aufgenommen werden, in denen explizit das Thema des SPP verfolgt wird und eine Vernetzung mit benachbarten Projekten der eigenen sowie anderer Disziplinen möglich ist. Netzwerkfähigkeit der Einzelprojekte ist die Voraussetzung für Synergie-Effekte, Kommunikation und die Verpflichtung auf ein Forschungsziel. Der Koordinator soll daher gewährleisten, daß die Einzelprojekte jeweils einem Netzwerk zugeordnet werden.
Werkzeuge zur Zusammenarbeit sollen vor diesem Hintergrund neben verschiedenen Fachtagungen regelmäßige Arbeitsbesuche der Teilnehmer sein, in deren Rahmen Zwischenergebnisse vorgestellt werden. Dies kann in Form von Workshops geschehen, bei denen sich Vertreter der beteiligten Disziplinen in den Instituten sowie in den Grabungen einzelnen, klar umrissenen Fragestellungen widmen. Aufgabe des Koordinators ist es ferner, themenbezogene Arbeitskreise zu initiieren, in denen Problemlösungen für jene Bereiche erarbeitet werden, die während der ersten Forschungsphase als klärungsbedürftig erkannt worden sind.
An diese Arbeitsgruppen und Netzwerke unmittelbar angeschlossen ist die Nachwuchsförderung. Durch die Verpflichtung auf Interdisziplinarität und Internationalität, die Verbindung von Feldforschung und Schreibtischarbeit sowie die Vermittlung des übergreifenden Konzepts soll der Nachwuchs methodisch-konzeptionell angeleitet werden. Mit Blick auf diese Elemente ist es geplant, die an den Projekten beteiligten Doktoranden in einen engen Austausch zu setzen. Zu diesem Zweck werden etwa Workshops und Blockseminare veranstaltet, auf denen die Doktoranden ihre Forschung vorstellen und diskutieren. Diese Treffen werden durch einzelne Betreuer verschiedener Disziplinen begleitet. Hinzu kommen im Abstand von zwei Jahren abgehaltene interdisziplinäre Sommerakademien, die an Universitäten, vor allem aber an den archäologischen Grabungen stattfinden sollen. Auf diese Weise sollen die Doktoranden mit den unterschiedlichen Methoden der beteiligten Fächer vertrauter werden und jene des eigenen Faches intensiv diskutieren. Auch auf Doktorandenebene besteht die Möglichkeit der Netzwerkbildung. So könnten die Theologischen und Archäologischen Fächer der Universitäten Tübingen, Bonn, Wuppertal und Köln ein Doktorandennetzwerk zur Entwicklungen der Polis in Palästina bilden. Entsprechende Planungen wurden bereits vorgenommen.

1.4.3 Internationale Einbindung und Sichtbarkeit
Da die beteiligten Fächer traditionell mit starker internationaler Ausrichtung arbeiten, soll auch im Rahmen des SPP die Internationalität einen prominenten Platz einnehmen. Zu diesem Zweck soll der Kontakt zu Kollegen in den Ländern des südlichen und östlichen Mittelmeers eine wichtige Rolle spielen. Mit verschiedenen nationalen und internationalen Forschungsinstituten und Universitäten bestehen bereits Vereinbarungen über laufende und zukünftige Kooperation, die nach Regionen gegliedert folgendermaßen aussehen

Unteritalien/Sizilien:
- DAI Rom (Prof. Dr. Ing. D. Mertens und Mitarbeiter)

Griechenland/Makedonien/Albanien:
Universität Venedig (Prof. Dr. C. Antonetti), DAI Berlin (Prof. Dr. E.-L. Schwandner), Archäologisches Zentrum Skodra (Apollonia-Projekt, Dr. B. Lahi), Université de Strasbourg (Thasos Forschungen, Prof. Dr. J.-Y. Marc), Georgetown University, Washington (Classics Department, Prof. Dr. C. M. Keesling), Universität Athen (Alte Geschichte, Prof. Dr. S. Aneziri), DAI Athen (Prof. Dr. W.-D. Niemeyer), Benaki Museum (Dr. D. Damaskos), Research Centre for Greek and Roman Antiquity (Prof. Dr. M.B. Hatzopoulos), Universität Thessaloniki (Prof. Dr. C. Saatsoglou-Paliadeli), Ephorien in Messolonghi und Patras

Türkei:
Kirac Institut. Mediterranean Research, Antalya (das Institut steht auch als Tagungszentrum für internationale Kolloquien zu Verfügung) und das Zentrum für Lykienforschung an der Akdeniz Üniversitesi, Antalya (Prof. Dr. F. Isik, Dr. M. Adak, Prof. Dr. S. Sahin), Universität Konya (Prof. Dr. R. Özgan), Universität Istanbul (Prof. Dr. H. Abasoglu/Prof. Dr. M. Sayar), Universität Leuwen (Prof. Dr. M. Waelkens), Universität Princeton (Prof. Dr. M. Domingo Gygax/Prof. Dr. H. Meyer), Universität Exeter (Exeter School for Hellenic Studies, Prof. Dr. S. Mitchell),

Libanon/Israel/Syrien
Universität Jerusalem (Evangelisches Institut, Prof. Dr. M. Heinzelmann, Klass. Archäologie, Prof. Dr. E. Netzer), Universität Haifa (Department of Archaeology, Prof. Dr. A. Segal), Uniwersitet Lódzki (Palestine Research Project, Prof. Dr. I. Skupinska-Loevset), Universität Wuppertal (Palästina Projekt, Prof. Dr. D. Vieweger), Australian National University (Prof. Dr. G. Clarke), Universität London (Prof. Dr. A. Kuhrt), Universität Turin (Prof. Dr. A. Invernizzi)

Darüber hinaus ist es unerläßlich, regelmäßig internationale Konferenzen zur Fragestellung des SPP zu veranstalten. Dies ist nicht nur zum Informationsaustausch wichtig, sondern auch zur Verständigung über Methoden und Begrifflichkeiten, die – dies gilt z.B. für den Begriff der Urbanität – aus den jeweiligen Wissenschaftstraditionen anders verstanden und damit auch anders akzentuiert werden.
Die Sichtbarkeit des SPP wird durch eine ständig aktualisierte Website gewährleistet.
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2. Verhältnis zu anderen laufenden Programmen

Ein Austausch mit dem SPP "Keltische Fürstensitze" wäre wünschenswert, da in diesem Programm die Entstehung komplex strukturierter Siedlungszentren untersucht wird.

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3. Initiatoren

Prof. Dr. H. von Hesberg, Inst. für Klass. Archäologie der Universität Köln
Prof. Dr. Ing. W. Koenigs, Inst. für Baugeschichte, TU München
Prof. Dr. W. Raeck, Institut für Klass. Archäologie, Universität Frankfurt
Prof. Dr. M. Zimmermann, Abt. für Alte Geschichte, LMU München
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4. Koordinator

Als Koordinator schlagen die Initiatoren Prof. Dr. M. Zimmermann (München) vor. Er hat die Vorbereitungsphase des Antrags mit einem Rundgespräch in München und durch intensive Korrespondenzen mit möglichen Teilnehmern koordiniert. Darüber hinaus ist er als Althistoriker, der seit mehr als einem Jahrzehnt archäologische Feldforschungen zur Stadtgeschichte betreibt, mit den Methoden der beteiligten Disziplinen sehr gut vertraut.
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5. Voraussichtliche Teilnehmer

Prof. Dr. Hartwin Brandt (Alte Geschichte, Universität Bamberg)
Prof. Dr. Dr. Alfons Bürge (Leopold-Wenger-Institut für Rechtsgeschichte, Universität München)
Prof. Dr. Wolfgang Ehrhardt (Archäologisches Institut der Universität Freiburg)
Dr. Jochen Fornasier (Eurasien-Abteilung des DAI)
PD Dr. Klaus Freitag (Seminar für Alte Geschichte, Universität Münster)
Prof. Dr. Ulrich Gotter (Alte Geschichte, Universität Konstanz)
Dr. Matthias Haake (Alte Geschichte, Universität Münster)
Dr. Joachim Heiden (DAI, Berlin)
Prof. Dr. Henner von Hesberg (Archäologisches Institut, Universität Köln)
PD Dr. Ralf von den Hoff (CVA, Kommission zur Erforschung des antiken Städtewesens, Bayerische Akademie der Wissenschaften, München)
Prof. Dr. Ing. Wolf Koenigs (Baugeschichte und Bauforschung, TU München)
Dr. Ralf Krumeich (Archäologisches Institut, Universität Bonn)
Prof. Dr. Andreas Mehl (Institut für Klassische Altertumswissenschaften, Universität Halle)
Prof. Dr. Ing. Dieter Mertens (DAI, Rom)
Dr. Christian Mileta (Institut für Klassische Altertumswissenschaften, Universität Halle)
Prof. Dr. Inge Nielsen (Archäologisches Institut, Universität Hamburg)
Dr. Felix Pirson (DAI, Istanbul)
Prof. Dr. Wulf Raeck (Vorderasiatische u. Klass. Archäologie, Universität Frankfurt a.M.)
PD Dr. Christof Schuler (Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des DAI, München)
Prof. Dr. Elmar Schwertheim (Alte Geschichte, Universität Münster)
PD Dr. Dirk Steuernagel (Institut für Klassische Archäologie, Universität Leipzig)
Dr. Wolfgang Thiel (Archäologisches Institut, Universität Köln)
Dr. Lutgarde Vandeput (Archäologisches Institut, Universität Köln)
PD Dr. Detlev Wannagat (Archäologisches Institut, Universität Freiburg)
Prof. Dr. Gregor Weber (Alte Geschichte, Universität Augsburg)
PD Dr. Hans-Ulrich Wiemer (Alte Geschichte, Universität Zürich)
Dr. Christian Witschel (Alte Geschichte, Universität München)
Prof. Dr. Reinhard Wolters (Archäologisches Institut, Universität Tübingen)
Prof. Dr. Martin Zimmermann (Alte Geschichte, Universität München)

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6. Förderungsdauer und Schätzung des Mittelbedarfs

Vorgesehen ist eine Förderdauer von 3 x 2 Jahren.
Die zur Realisierung des SPP erforderlichen Forschungen sind z.T. kostenintensiv. Dies gilt insbesondere für die unverzichtbaren Ausgrabungen in den Poliszentren und archäologischen Feldforschungsprojekte im Umland bzw. in Unterzentren. Die erforderlichen Mittel zur erfolgreichen Durchführung des SPP müssen auf ca. 1,9 Millionen Euro für die ersten beiden Jahre geschätzt werden. Darüber hinaus werden aber auch erhebliche Eigenmittel in das Programm einfließen. Die an der Vorbereitung beteiligten Institutionen verfügen über eine gute apparative und personelle Grundausstattung, die für die Projekte des SPP zur Verfügung gestellt werden. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des SPP wird es sein, kompetente und engagierte, insbesondere auch jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Mitarbeit in Projekten und Netzwerken zu gewinnen. Die im Rahmen des SPP beantragten Mittel dienen vorrangig der Finanzierung von Grabungen, Feldforschungen und der befristeten Neueinstellung geeigneter und thematisch ausgewiesener Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

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7. Förderung als Schwerpunktprogramm

Thema und Arbeitsprogramm des geplanten SPP machen es notwendig, eine Reihe von Einzelprojekten der historischen, archäologischen und bauforscherlichen Disziplinen für eine breit angelegte Erforschung der dargelegten Zusammenhänge zu gewinnen. Nur eine Vielfalt der methodischen und theoretischen Perspektiven ermöglicht es, die Komplexität der Polis in hellenistischer Zeit zu erschließen. Bereits während der Vorbereitung des Antrags und im Rahmen der Korrespondenzen sowie Diskussionen auf Tagungen und im Zuge des Rundgesprächs ist deutlich geworden, daß eine größerer Kreis von Fachleuten zusammen kommen sollte, um die dargelegten Ziele und Fragestellungen zu bearbeiten. Daher liegt die Einrichtung eines SPP nahe, denn dergleichen ist mit anderen Formen der Forschungsförderung bislang nicht zu erreichen, zumal die Bündelung der komplementären Forschungsstrategien und –traditionen ein hohes Maß an Koordinationsleistung erforderlich macht.
Nach den Erfahrungen aus den letzten beiden SPP mit archäologisch-althistorischer Ausrichtung sollen jetzt neue Methoden und Ansätze der Netzwerkbildung erprobt werden. Angesichts der Themenstellung und der zu erwartenden Ergebnisse dürfte das SPP die Wissenschaftslandschaft, insbesondere die Formen der Kooperation zwischen den beteiligten Fächern, nachhaltig prägen. Thema und methodische Neuigkeit des SPP sind geeignet, den beteiligten Disziplinen und den Nachbarwissenschaften richtungsweisende neue Impulse zu geben.

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Letzte Änderung: 23.06.2006