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Surveys - Grenzen und Möglichkeiten archäologischer Feldforschung.
Das
erste Teilkolloquium des SPP wurde vom Netzwerk „Surveyprojekte – Die
hellenistische Polis und ihr Umland“ am 15.12. und 16.12.2006 in
München veranstaltet, nachdem die beteiligten Projekte in den
Sommermonaten des Jahres 2006 ihre ersten Kampagnen absolviert hatten.
Daher schien es sinnvoll, sich über „Grenzen und Möglichkeiten
archäologischer Feldforschung“ auszutauschen und die in den einzelnen
Projekten angewendeten Methoden zu diskutieren. Um den Austausch auf
eine breitere Basis zu stellen, wurden drei weitere, nicht im SPP
beheimatete Surveyprojekte eingeladen, über ihre Surveymethoden und die
damit erzielten Ergebnisse zu berichten. Es waren dies der Survey im
Umland der Polis Aphrodisias, der Survey im Polisgebiet von Anazarbos
sowie der Survey zur Erschließung der Nekropolen von Barbalissos. Um
einem interessiertes Publikum die Ergebnisse und besprochenen Thesen
des Kolloquiums zugänglich zu machen, finden sie im folgenden eine
Zusammenfassungen der Veranstaltung.
Den
Ausgangspunkt für die Diskussion bildete ein Vortrag von Martin
Zimmermann, archäologische Feldforschungen als Möglichkeit zur
Erschließung antiker Lebensräume vorstellte. Der Inhalt des Referats
soll an dieser Stelle knapp wiedergegeben werden soll. Grundlegend
für die Frage nach den Möglichkeiten und Vorgehensweisen des Surveys
ist das in den letzten Jahren zunehmende Interesse an der Wahrnehmung
und Erforschung antiker Lebensräume. An die Stelle des romantischen
Bildes mediterraner Gartenlandschaften, mit dem man noch im 19.
Jahrhundert glaubte, die antiken Verhältnisse adäquat zusammenfassen zu
können, ist mittlerweile eine breite Vielfalt antiker Lebensräume
getreten. Man hat erkannt, dass die Welt der Polis in keiner Epoche,
somit auch nicht in der hellenistischen, eine Welt identischer
geographischer Ausstattungen. Es war gab vielmehr sehr vielfältige
naturgeographische Bedingungen, in deren Rahmen jede Polis ihre
spezielle Form finden und kultivieren musste. Ergebnis ist eine jeweils
eigene, Signatur der Raumerschließung durch Kultivierung des Landes und
der Ausbildung charakteristischer Siedlungsstrukturen. Dies schließt
die städtischen Zentren, ihre Beziehungen zueinander sowie das
zugehörige Umland ein. Diese Beobachtung ist nicht im Sinne eines
naturgeographischen Determinismus zu verstehen, sondern gemeint ist das
Wechselspiel zwischen zivilisatorischer Gestaltungskraft und
naturräumlichen Bedingungen. Dabei haben die Forschungen der letzten
beiden Jahrzehnte eindrucksvoll vor Augen geführt, dass die aktive
Formung der Kulturlandschaft eine Hauptrolle spielt. Ein durch
politische, soziale und wirtschaftliche Umstände hervorgerufener
Gestaltungswille hat mehr Gewicht als die Zwänge der Umwelt. Die
Ausstattung des Naturraums und die Anpassung an die Umweltbedingungen
sind demnach nicht – wie weiterhin immer wieder zu lesen ist – die
Wurzel politisch-sozialer Systeme. Es ist zu betonen, dass
Siedlungsmuster und Siedlungsstrukturen ohne Kenntnis der politischen
und sozialen Faktoren, die ihnen zugrunde liegen und auf sie einwirken
können, unverstanden bleiben, was eine durchaus schwere Hypothek für
Feldforschungsprojekte darstellt. Die Vielfalt der Möglichkeiten
verpflichtet bei der Planung eines Projekts freilich zu einer
umsichtigen Kosten-Nutzen-Kalkulation. Das schmale Budget führt in der
Regel dazu, kostenintensive naturwissenschaftliche und technische
Methoden zurückzustellen und sich zunächst darauf zu konzentrieren,
einen möglichst vollständigen Überblick über den Ruinenbestand zu
erarbeiten. Es darf bei Feldforschungsprojekten freilich nicht
ausschließlich um die antiquarische Sammlung und Dokumentation von
Einzelbefunden gehen. Grundlage jedes Feldforschungsprojektes müssen
vielmehr konkrete Fragestellungen sein, deren Beantwortung Ziel des
Unternehmens ist.
Ein
grundlegender Fragenkatalog für Surveyprojekte, die sich mit der
hellenistischen Polis beschäftigen, könnte dabei folgendermaßen
aussehen:
1. Welche städtischen bzw. zentralörtlichen Funktionen ziehen spezifische urbane Siedlungsmuster nach sich?
2. Welche wirtschaftlichen Grundlagen hatten die städtischen Siedlungen und wie wurde der Ausbau der Zentralorte finanziert?
3. Lassen sich Hierarchien unter benachbarten Orten feststellen? Welche Kategorien können hier sinnvoll angewandt werden?
4.
Gibt es Hinweise für Veränderungen der Siedlungsstruktur z.B. mit
Ausbildung größerer landwirtschaftlicher Einheiten, in der sich die
Ausbildung eines Honoratiorenregimes in den Siedlungsmustern des
ländlichen Raumes spiegeln könnte?
5.
Im griechischen Mutterland ist für die hellenistische Zeit regional ein
Rückgang der Siedlungsplätze festgestellt worden. Ist diese Beobachtung
überregional zutreffend oder ergeben sich signifikante Unterschiede?
6.
Wie erklärt sich vor diesem Hintergrund der kleinasiatische Befund,
nach dem eine Intensivierung der Landwirtschaft bei gleichzeitiger
Zunahme von Siedlungsplätzen zu beobachten ist? Füllt die küstennahe
Landwirtschaft Kleinasiens die im griechischen Mutterland entstehenden
Produktionsdefizite?
7. Welche Funktion hat die Ausbildung und Erweiterung urbaner Strukturen im Hellenismus für den ländlichen Raum?
8. Wie differenziert kann die Chronologie erschlossen werden? Da
an der chronologischen Einordnung der Befunde bei Beantwortung der
Fragen sehr viel hängt, stellen sich beispielsweise folgende Probleme: -
Ist eine Unterscheidung in site und off-site Funde
(="""""""""""""""""""""""""""""" Fundstellen vs. Fundplätze) notwendig? - Welche methodischen Probleme ergeben sich aus der off-site Keramik (dem so genannten background-noise)? -
So genannte Architektursurveys haben gezeigt, daß die vorhandenen
Überreste nur sehr partiell mit dem Keramikbefund korrelieren. Was
bedeutet dies für die Rekonstruktion einer Siedlungskammer, in der vor
allem off-site Keramik dominiert? - Welche methodischen Probleme
ergeben sich aus der Kombination von Keramik und anderen
Hinterlassenschaften in sites? (z.B. dem Fehlen von Keramik aus
Siedlungsphasen, die architektonisch nachweisbar sind) - Läßt sich die Verteilung von Keramik an der Oberfläche systematisch auswerten? Welche Schwierigkeiten begegnen dabei? -
Ist neben Import- und Luxusware auch die Gebrauchskeramik einigermaßen
erschlossen? Gibt es Typologien der hellenistischen Gebrauchs- und
Küchenware, an die angeknüpft werden kann? - Ist das ausgewertete
Material, daß typologisch zugeordnet und datiert werden kann,
statistisch aussagekräftig? Wieviel Prozent der aufgelesenen Waren
lassen sich erfassen? - Wie ist das generelle Fehlen von Keramik der
frühen Siedlungsphasen einzuschätzen? Was bedeutet dies für die
Interpretation jüngerer Waren? - Welche verlässlichen
Datierungskriterien für die architektonischen Überreste lassen sich
anwenden (Bauschmuck, konstruktive Details, Mauertechnik usw.)? -
Wie lassen sich verschiedene Siedlungsphasen unterscheiden und welche
Feindatierungen der architektonischen Überreste sind überhaupt möglich? - In welchem Umfang ist der Siedlungspalimpsest in Einzelbilder aufzulösen?
Vor
dem Hintergrund dieser Diskussionsgrundlage wurden die einzelnen im
Netzwerk zusammengeschlossenen Projekte sowie die Gastprojekte
vorgestellt. Die Vortragenden gingen dabei entsprechend des gemeinsamen
Themas weniger auf die jeweils im Sommer 2006 von ihnen erreichten
Ergebnissen, als vielmehr auf das zur Beantwortung der jeweiligen
Fragestellungen entwickelte methodische Grundkonzept der Projekte ein. Insofern
bietet es sich an dieser Stelle an, nicht en detail auf die Ergebnisse
der Surveys einzugehen, sondern knapp den Stand der methodischen
Diskussion zu referieren.
A. Matthaei / M. Zimmermann (München): Die Chora von Pergamon
Das
Ziel des vorgestellten Projekts ist die Erforschung der ländlichen
Siedlungsstruktur in der Chora des hellenistischen Pergamon. Der
Umlandsurvey begann als Teilprojekt der Pergamongrabung im Sommer 2006
mit einer Sondierungskampagne, die dazu diente, das Gebiet im
westlichen Kaikostal zwischen Dikili und Pergamon zu sichten. Auf diese
Weise konnte eine Informationsgrundlage geschaffen werden, die es
ermöglicht, vor dem Beginn von weiteren Arbeiten das methodische
Vorgehen zur Beantwortung der Fragestellungen am Befund zu erarbeiten
(zu den laufenden Arbeiten s. „/88_Laufende%20Arbeiten.html“). Die
wohl größte Schwierigkeit für einen Survey im Umland von Pergamon liegt
in der sehr schlechten Erhaltung der antiken Mauerstrukturen, die über
eine Aufnahme der baulichen Reste hinaus kaum weitere Ergebnisse
hinsichtlich einer Rekonstruktion von Siedlungen oder gar deren
chronologischer Entwicklung erlauben. Dementsprechend lässt die
Aufnahme der Bauten hier nur wenige präzise Informationen über die
Entwicklung der ländlichen Siedlungsstrukturen in hellenistischer Zeit
erwarten. Da aus technischen und infrastrukturellen Gründen keine
geophysikalischen Messungen und Grabungen durchgeführt werden können,
wird ein Keramiksurvey die wichtigste Grundlage für die Beantwortung
der Fragestellungen des Projektes sein. Als problematisch erweist sich
dabei, dass die Fundplätze antiker Keramik in dem untersuchten Gebiet
meist großflächig durch dichten Grasbewuchs versiegelt sind. Dafür
garantiert das Fehlen neuzeitlicher Bebauung einerseits und die
einheitliche Nutzung der Fundstätten als Weideland andererseits eine
größtmögliche Vergleichbarkeit der Fundplätze. Dadurch ist eine
statistisch tragfähige Auswertung der Funde möglich. Für die Auswertung
der Fundkeramik des Surveys kann das Projekt auf die Ergebnisse der
Pergamongrabung zurückgreifen, wodurch eine gute Voraussetzung für eine
differenzierte Analyse des Fundmaterials gegeben ist. In Zusammenarbeit
mit der Pergamongrabung werden des weiteren archäometrische
Untersuchungen zur Fundkeramik durchgeführt, die wichtige Ergebnisse zu
lokalen Produktionsstätten der Keramik erwarten lassen. Eine
anhand von Luftbildern erstellte topographische Landkarte und ein
daraus zu entwickelndes dreidimensionales Geländemodell bilden die
Grundlage für das weitere Vorgehen. Dabei werden parallel zum
Keramiksurvey sämtliche architektonischen Befunde dokumentiert, um auch
diese Informationsquelle ausgiebig zu nutzen. Um einerseits die
Befunde für die Auswertung mit den in Pergamon und in dem Survey von
Elaia (s.u.) gewonnenen Ergebnissen vergleichen zu können und um
andererseits die eigenen Beobachtungen für andere Forschungen nutzbar
zu machen, werden die Daten des Projekts in eine für die
Pergamongrabung gestaltete Datenbank eingespeist. Dadurch wird
gleichzeitig eine langfristige Archivierung und Nutzbarkeit der Daten
gesichert.
F. Pirson / U. Mania (Istanbul / Halle): Elaia
Dieses
Projekt der Pergamongrabung widmet sich der Erforschung der Hafenstadt
Elaia und ihrer Entwicklung im Bezug zur hellenistischen Metropole
Pergamon (s. dazu ausführlich: „/92_Laufende%20Arbeiten.html“). Vor
der ersten Kampagne stellte der Befund das Projektteam vor allem vor
zwei Probleme. Erstens haben sich in Elaia nur sehr wenige oberirdisch
aufgehende antike Strukturen erhalten, die mittels einer ausführlichen
Aufnahme Auskunft über die urbanistische Entwicklung der
hellenistischen Stadt liefern können. Zweitens werden weite Teile des
früheren Siedlungsareals neuzeitlich als Gartenareal genutzt, was zu
einem heterogenen Bild der Verteilung von Oberflächenfunden führt. Um
trotz dieser Schwierigkeiten die Fragestellungen des Projekts
beantworten zu können, kommt eine breite Palette unterschiedlicher
Arbeitsmethoden zur Anwendung. Neben der Aufnahme sämtlicher sichtbaren
baulichen Strukturen (oberirdisch und in den küstennahen Gewässern) und
einem Keramiksurvey werden geophysikalische Messungen durchgeführt,
archäologische Sondagen angelegt und sämtliche bekannten Inschriften
aus der Region Elaia neu gesichtet. Die Auswertung der Keramik wird
dabei aufgrund der heterogenen neuzeitlichen Oberflächennutzung
erschwert. Um eine Vergleichbarkeit der Fundstellen zu gewährleisten,
wurde deshalb ein vereinheitlichtes Messsystem entwickelt. Der
geophysikalische Survey bedient sich zweier unterschiedlicher
Vorgehensweisen: Mit geomagnetischen Messungen werden die großflächigen
Areale im Stadtgebiet prospektiert während einzelne kleinere, aber in
antiker Zeit mit für die Polis zentralen Bauten belegte Orte mittels
Georadar sondiert werden. Der Stadtplan und ein dreidimensionales
Geländemodell werden in diesem Projekt, wie in dem vorher vorgestellten
Survey in der Chora von Pergamon, anhand von Luftbildaufnahmen
erarbeitet. Für die Einordnung der Fundkeramik steht dem Projekt
die Infrastruktur der Pergamongrabung zur Verfügung, während für
weitergehende Untersuchungen hinsichtlich Elaias als eigenem
Produktionszentrum lokaler Waren archäometrische Untersuchungen
herangezogen werden. Bereits die erste Kampagne zeigte, dass das
Ineinandergreifen der verschiedenen Surveymethoden und insbesondere die
Kombination von Bauaufnahme mit Sondagen und geophysikalischen
Messungen Grundlage Ergebnisgrundlage für die Untersuchung des
hellenistischen Elaia garantiert.
A. Lichtenberger / D. Salzmann / H.H. Nieswandt (Münster): Lysimacheia
Der
Survey in Lysimacheia begann im Sommer 2006 mit einer zweiwöchigen
(Vor-)Kampagne, die dazu diente, das Areal der am nördlichen Ufer des
Hellesponts gelegenen Metropole des Lysimachos im Hinblick auf das
weitere methodische Vorgehen während der Folgekampagnen zu
prospektieren. (zum Projekt s.: „/104_Laufende%20Abeiten.html“).
Auf dem Areal der ehemaligen hellenistischen Königsstadt haben sich
zwar kaum aufgehende Mauern erhalten, dennoch handelt es sich um ein
für Surveyuntersuchungen ideales Arbeitsgebiet, da die Flächen heute
größtenteils für Ackerbau genutzt werden. Die große Menge gut
erhaltener Bauglieder unter den Oberflächenfunden zeigt ferner, dass
sich die antiken baulichen Reste nur knapp unterhalb der heutigen
Oberfläche befinden. Der Befundsituation entsprechend, wird in
Lysimacheia ein intensiver Oberflächensurvey bereits eine dichte Menge
von Informationen zur Rekonstruktion der hellenistischen Polis liefern.
Zur Einordnung der an den Oberflächenfunden angestellten Beobachtungen
wird ferner ein geophysikalischer Survey durchgeführt werden. Der
Erhaltungs- und Überlieferungszustand von Lysimacheia stellen eine
homogene Situation dar, die anhand eines verschränkten Vorgehens von
intensiver Oberflächenbegehung und geophysikalischen Messungen trotz
des Fehlens oberirdischer Strukturen vielfältige Ergebnisse erwarten
lässt. Für die Auswertung und Archivierung der Dokumentation bedient
sich das Projekt einer Datenbank, die eigens für das Projekt entwickelt
wurde.
A. Grüner (München): Barbalissos
Für
die Fragestellungen des Teilkolloquiums stellte dieser als Gastprojekt
vorgestellte Survey einen spannenden Beitrag dar, da die
Überlieferungs- und Arbeitsbedingungen, unter denen das Projekt
durchgeführt wird, in besonderer Weise ein elaboriertes methodisches
Vorgehen als Garant der Beantwortung der Fragestellungen verlangen. Die
Aufgabe des Surveys besteht in der Aufnahme und Auswertung der
Nekropolenbefunde der am nordsyrischen Euphratknie gelegenen Stadt
Barbalissos (zur Beschreibung des Projekts und Ortes s. „http://www.fak12.uni-muenchen.de/ka/A-Gruener-Projekte.htm“).
Er begann mit drei Kampagnen in den Jahren 2003 – 2005, zur
Fertigstellung steht eine weitere Kampagne noch aus. Die Schwierigkeit
des Projektes, bei dem die Kartierung der Gräber und die Auswertung
ihrer Bauornamentik im Vordergrund stehen, liegt erstens in der
schlechten Erhaltung der teilweise einsturzgefährdeten Gräber, zweitens
in der Größe des zu untersuchenden Areals und drittens dem unsicheren
zeitgenössischen politischen Hintergrund, der zu einem schnellen und
ergebnisorientierten Vorgehen zwingt. Da die Gräber zu großen Teilen
ausgeraubt und durch neuzeitliche Schatzsucher weitgehend gestört sind,
stützt sich das Projekt einzig auf eine gründliche Bauaufnahme. Diese
geschah in drei Schritten: Zunächst wurden in der Kammer Messpunkte
markiert und eingemessen. Diese Punkte wurden unmittelbar in
Planvorlagen umgesetzt und ausgedruckt; am nächsten Tag wurden
Kammerwände und Grundriss anhand dieser Vorlagen in Bleistift
maßgerecht aufgenommen; diese Aufnahmen wurden schließlich in digitale
Pläne umgesetzt. Auf Zwischenschritte, wie etwa handgefertigte
Planskizzen, die ein zügiges Vorgehen verhindern, wurde verzichtet. Auf
diese Weise konnten trotz der teils äußerst widrigen Bedingungen in den
jeweils nur auf wenige Wochen angelegten Kampagnen große Teile der
Nekropolen von Barbalissos aufgenommen und ausgewertet werden und somit
die Großnekropole umfassend dokumentiert werden.
R. Posamentir (Istanbul): Anazarbos
Da
das Forschungsteam in Anazarbos seit Jahren mit großem Erfolg eine
Vielzahl von Surveymethoden zur Aufnahme einer antiken Stadt anwendet,
bildete das Projekt einen für das Teilkolloquium sehr wichtigen
Gastbeitrag (ausführlich zu den laufenden Arbeiten des Projekts s. „http://www.dainst.org/index_3385_de.html“). Die
an den östlichen Ausläufern des Taurus gelegene Stadt Anazarbos wird
seit dem Sommer 2004 in einem ausführlichen Survey untersucht. Die
Situation der Stadt ist für einen Survey insofern glücklich, als das
Stadtgebiet nicht neuzeitlich überbaut wurde und die Reste der früheren
Besiedlungsphasen teilweise sehr gut überliefert sind. Nach der
Erstellung eines Stadtplans und der Vermessung der diesem zugrunde
liegenden baulichen Strukturen im gesamten Stadtareal wurde mit der
Aufnahme der einzelnen Bauten, geophysikalischen Messungen, einem
Oberflächensurvey, der Dokumentation von als Spolien verbauten
Baugliedern und der im Stadtgebiet gefundenen Inschriften eine große
Bandbreite der im Bereich der Surveyarchäologie möglichen Methoden
angewendet. Grundlegend für die Erstellung des Stadtplans in dem
großen und weitschweifigen Gelände der Stadt waren Luftbildaufnahmen.
Auf der so erstellten Grundlage wurden sämtliche erhaltenen
Gebäudereste im Stadtgebiet eingemessen und dokumentiert. Eine digitale
Steinkartei, in der sämtliche architektonischen, bearbeiteten
Werkstücke aufgenommen werden, dient der Zuweisung von Spolien und
kontextlosen Steinfunden zu ihren ursprünglichen antiken Baukontexten. Der
geophysikalische Survey wurde sowohl mit Georadar als auch mit
geomagnetischen Messungen durchgeführt, um so je nach Geländesituation
die entsprechenden Befunde prospektieren zu können. Die so beschriebene
Erfassung der baulichen Strukturen wird von einem intensiven
Keramiksurvey begleitet, bei dem eine Aufnahme vor Ort eine zügige,
intensive Bearbeitung ermöglicht. Aufgrund des konstruktiven
Zusammenspiels der unterschiedlichen Untersuchungsmethoden führte der
vorgestellte Survey bereits nach drei Kampagnen zu einem
differenzierten Bild der chronologischen Entwicklung der untersuchten
Polis.
Ch. Ratté (Michigan): Aphrodisias
Parallel
zu den Grabungen in der Stadt Aphrodisias wird seit dem Sommer 2005 von
einem Team der New York University die Chora der Stadt mit einem groß
angelegten Survey untersucht. Aufgrund der unterschiedlichen
angewandten Methoden und der den Fragestellungen des DFG SPP 1209
vergleichbaren Ziele der Arbeiten im Umland von Aphrodisias passte sich
dieser Gastvortrag gut in die Diskussion des Teilkolloquiums ein. Das
Surveygebiet wird durch ein natürliches Urstromtal, in das Aphrodisias
eingebettet ist, umrissen und misst ungefähr 400 Quadratkilometer. Das
Ziel der Arbeiten ist dabei die Erforschung des Zusammenspiels von
Siedlungsstrukturen und den geographischen und historischen
Gegebenheiten in der Region um Aphrodisias von prähistorischer Zeit bis
in die Gegenwart, wobei ein Schwerpunkt auf der Epoche rund um die
Blüte der Stadt Aphrodisias in der griechisch/ römischen Antike liegt.
Während der ersten zwei Kampagnen zeigte sich, dass die Siedlungsreste
in der Chora von Aphrodisias in weiten Teilen in einem ähnlich guten
Zustand überliefert sind, wie die bisher bekannten innerstädtischen
Befunde. Insgesamt konnten bisher ungefähr 300 archäologische
Fundstellen kartiert und ausgewertet werden. Die Spannbreite reicht
dabei von prähistorischen Höhlen bis hin zu dem ottomanischen
Straßensystem der Region. Für die Besiedlung der Region in
hellenistischer Zeit ist die Beobachtung besonders wichtig, dass sich
in dem Tal rund um die Stadt eine ganze Reihe kleinerer Siedlungen
befand, die durch einen losen Ring von sechs Festungen auf Hügeln sowie
einer dichten Kette von Wachtürmen umgeben waren. Für die Bewältigung
eines Surveyprojekts in einem so großen Gebiet stellte sich die Nutzung
eines Geoinformationssystems als entscheidend heraus.
C. Rohn / J. Heiden (Cottbus / Berlin): Triphylien
Das
vorgestellte Projekt ist in Triphylien, einer Region an der mittleren
Westküste der Peloponnes, angesiedelt und beabsichtigt, die ländliche
und städtische Besiedlung in der Region zu untersuchen („/120_Laufende%20Arbeiten.html“). In
den geplanten zwei Kampagnen werden die einzelnen antiken
Siedlungsareale der untersuchten Region in topographischer Reihenfolge
von Norden nach Süden bearbeitet, wobei im Sommer 2006 zunächst
Skilloundia und Babes aufgenommen wurden. In der nächsten Kampagne
sollen die Siedlungen Platiana, Samikon und Lepreon untersucht werden. In
diesem sehr großen Untersuchungsgebiet zeichnet sich ein sehr
heterogener Erhaltungszustand der Befunde ab, weshalb sich das
Projektteam zur Beantwortung ihrer Fragestellungen eines flexiblen
methodischen Grundgerüstes bedient. Das Vorgehen zur Erforschung der
Region ist zunächst in zwei parallel laufende übergreifende
Arbeitsschritte gegliedert. Dies ist erstens die Erstellung eines
Gesamtplans zur Darstellung der Topographie und der Aufnahme der
Monumente, die durch eine vielfach gute Erhaltung der oberirdischen
Strukturen erleichtert wird. Hier soll durch das Erstellen von
Digitalmodellen der Poleis Auskunft über Aufbau, Größe und
Besonderheiten der einzelnen Orte erhalten und einen Vergleich auf
einheitlichem Niveau ermöglicht werden. Parallel dazu wird zweitens ein
Geoinformationssystem erstellt, in dem Informationen aus
Oberflächenuntersuchungen, geophysikalischen Messungen und der
Aufarbeitung von Funden aus bisher nicht publizierten Grabungen in der
Region eingebunden und ausgewertet werden. Entscheidend für die
Durchführung einer umfassenden Aufnahme der in großer Zahl erhaltenen
baulichen Strukturen in der verhältnismäßig kurzen Zeit ist das
methodische Vorgehen: Die Befunde werden unmittelbar mit Tachymeter
eingemessen und in AutoCAD umgesetzt und gezeichnet. So werden alle
relevanten Informationen auf verschiedenen Ebenen zügig und ohne
zeitaufwendige Zwischenschritte zusammengefasst. Durch die Übertragung
der Messergebnisse in Zeichnungen entsteht ferner ein detaillierter
Steinplan für sämtliche im Survey untersuchten baulichen Strukturen.
W. Held (Würzburg): Bybassos und Kastabos
Die
Arbeiten des Würzburger Surveyprojektes in Bybassos und Kastabos
begannen nach einer Vorkampagne 2005 mit der ersten regulären Kampagne
im Sommer 2006. Die Arbeiten werden von einem Surveyteam durchgeführt,
das bereits in einem anderen Projekt Erfahrungen mit den Befunden und
dem Gelände auf der karischen Chersonnes sammeln konnte (zu den
laufenden Arbeiten und Vorarbeiten s.: „/66_Laufende%20Arbeiten.html“).
Im Zentrum des Surveys, der sich räumlich auf die östliche Hälfte der
karischen Chersonnes konzentriert, steht mit Bybassos eine für die
Region typische Siedlung hellenistischer Zeit und mit Kastabos ein
Höhenheiligtum. Aufgrund des insgesamt guten Erhaltungszustands
der antiken baulichen Strukturen und einer dichten
Überlieferungssituation im Bereich der Oberflächenkeramik lassen sich
mit den Methoden der Bauaufnahme und eines Oberflächensurveys auch die
ländlichen Strukturen gut erfassen, so dass die Surveyuntersuchung eine
Rekonstruktion der Besiedlung der Halbinsel in hellenistischer Zeit
zulässt. Zur Aufnahme der baulichen Befunde wird eine sehr ausführliche
Form der Dokumentation angewendet, die mit mehreren Begehungen des
Areals, dem Erstellen von Planskizzen vor einer Vermessung des Geländes
mit Tachymeter und GPS und dem anschließenden Erstellen von
Zeichnungen, Fotografien und Beschreibungen vorgeht. In das so
entstehende topographische Raster werden partiell intensive
Oberflächenbegehungen eingefügt, um chronologische Entwicklungen
nachzuvollziehen und funktionale Bestimmungen durchführen zu können.
Dies wird dadurch erleichtert, dass die Oberfläche zwar dicht, aber
einheitlich bewachsen ist, was zu einer unmittelbaren Vergleichbarkeit
der Fundstellen führt.
Abschlussdiskussion
Nachdem
im Anschluss an die Projektvorträge eine Reihe von methodischen Details
erörtert wurden, konzentrierte sich die Abschlussdiskussion auf die
Frage nach der Archivierung der Surveyergebnisse und dem Einsatz von
Datenbanken bei deren Dokumentation. Dabei wurden zwei Positionen
diskutiert. Zum einen wurde vor allem von Seiten der DAI-Projekte
die Nutzung einer möglichst einheitlichen Datenbankstruktur und
Eingabemethode für möglichst viele Projekte befürwortet. Auf diese
Weise soll eine langfristige Archivierung ermöglicht werden, die mit
wenig Aufwand über einen zentralen Server auch bei etwaigen Änderungen
im Bereich der Computertechnologie gesichert werden könnte. Ferner
erleichtert dieses Vorgehen einen gegenseitigen Informationsaustausch. Zum
anderen wurde in der Verwendung von Datenbanken in erster Linie ein
pragmatisches Handwerkszeug zur Erfassung von Daten gesehen, die eine
schnelle Abrufbarkeit der gespeicherten Informationen beim Erstellen
einer Endpublikation ermöglichen. Zu diesem Zweck scheint es
sinnvoller, jeweils explizit projektbezogene Datenbanken zu erstellen,
deren Datenmaterial langfristig gedruckt in Katalogform zu sichern wäre. Diese Diskussion ist weiterhin notwendig.
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Letzte Änderung:
09.02.2009
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