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Heiligtümer – Theater – Gymnasia – Agorai. Öffentliche Räume als Strukturelemente der hellenistischen Stadt
Heiligtümer – Theater – Gymnasia – Agorai. Öffentliche Räume als Strukturelemente der hellenistischen Stadt
Vom 2. 11. - 3. 11. 2007 fand am Lehrstuhl für Bauforschung und
Baugeschichte der TU München ein Teilkolloquium des Netzwerks "Urbana Infrastrukturen der hellenistischen Polis" zum
Thema: „Heiligtümer – Theater – Gymnasia – Agorai. Öffentliche Räume
als Strukturelemente der hellenistischen Stadt“ statt. Um einem interessiertes Publikum die Ergebnisse und besprochenen Thesen
des Kolloquiums zugänglich zu machen, haben die Teilnehmer des
Kolloquiums Zusammenfassungen Ihrer Beiträge verfasst, die im folgenden
aufgelistet sind.
Aktuelle Forschung zur Urbanistik Prienes im Rahmen des SPP 1209 (W. Raeck)
Das
Ziel des Forschungsprojektes besteht darin, urbanistisch bedeutsame
Veränderungen im hellenistischen Priene zu erfassen, zueinander in
Beziehung zu setzen und historisch einzuordnen. Auf dem Wege dahin
wurde im Rahmen des Schwerpunktprogramms bisher hauptsächlich in drei
Bereichen gearbeitet. 1. Das Prytaneion und die südlich
anschließende Halbinsula. Nach den jüngsten Untersuchungen scheint
festzustehen, daß sowohl das Bouleuterion als auch das Prytaneion
vermutlich im späten 3. Jh. v. Chr. an der Stelle älterer Wohnbebauung
errichtet wurden. Die Vermutung, daß diese sich auch auf die daran
anschließende Südhälfte der Insula erstreckte, bestätigte sich nicht.
Alles deutet vielmehr darauf hin, daß dieses Areal bis ins 3. Jh. v.
Chr. unbebaut blieb, was in Anbetracht der Prominenz des Platzes neben
der Agora überrascht. 2. Das Heiligtum der ägyptischen Götter. Die
Ausganghypothese war auch hier die Verdrängung älterer (Wohn-?)
bebauung durch die auf Grund epigraphischer Indizien vermutete Gründung
des Heiligtums im 3. Jh. v. Chr. Zu klären sind die Datierung der
jüngsten Ausbauphase, die vor allem durch den zentralen Podiumtempel
geprägt ist, die Verifizierung des Datums der ersten Heiligtumsanlage
sowie das Aussehen der Vorgängerbebauung und des Heiligtums in seinen
verschiedenen Phasen. Nach derzeitigem Stand ist der Bau des Tempels
ins 1. Jh. v. Chr. zu datieren, die erste Terrassierungsmaßnahme gehört
ins 3. Jh. v. Chr. In diese Zeit fällt auch die Bebauung zumindest des
nördlichen Bereiches mit großen Prostashäusern, die sich inzwischen als
Leitform der frühhellenistischen Ausbauphase der Stadt herauszustellen
scheinen. Ob die Prostashausbebauung mit der ersten Phase des
Heiligtums gleichzusetzen ist, bleibt einstweilen offen. Ältere
Bebauung konnte bislang nicht physisch nachgewiesen werden. 3.
„Felsheiligtümer“ am nördlichen Stadtrand. Nördlich des bewohnten
Stadtgebietes liegt am Fuß des steil ansteigenden Felshanges eine Zone
meist bescheidener Kultplätze, die bislang völlig unbeachtet geblieben
sind. Die Unkenntnis ihres Aussehens, ihrer Kultempfänger sowie vor
allem ihrer Nutzungsdauer stellt eine empfindliche Lücke in unserem
Wissen über die hellenistische Stadt und ihre Veränderungen dar. In der
Kampagne 2007 wurden ein Kybeleheiligtum am Ostrand der Stadt sowie ein
weiterer Kultplatz festgestellt, dessen Inhaber noch nicht
identifiziert ist.
Resultate der archäologischen Untersuchungen in Knidos (W. Ehrhardt)
A) Umgestaltung der Sakralarchitektur vom 4/3. zum 2. Jh. v. Chr. Durch
die Grabungen und Sondagen südlich des westlichsten, Ost-West
ausgerichteten Naiskos auf der Rundtempelterrasse und innerhalb des
Apollon Karneios-Tempels wurden bisher fehlende stratigraphische und
chronologische Anhaltspunkte für deren Errichtung gewonnen. Danach
wurde der westlichste, 7 m x 4,80 m große Naiskos auf der
Rundtempelterrasse Ende 4./ Anfang 3. Jh. v. Chr. erbaut. Dem Bau war
im Osten ein 3,50 m x 2,60 m großes Fundament vorgelagert, welches wohl
einen Altar trug. Südlich des Altares erstreckte sich bis zu einer
maximalen Ausdehnung von ca. 9 m eine dreieckige, nach Westen sich
verjüngende Terrasse. Der kleine Tempel wurde im unteren Teil aus
rechteckigen, kleineren Kalksteinblöcken unregelmäßigen Zuschnitts
errichtet. Die oberhalb dieses nicht isodomen Sockels aufgehende Wand
bestand aus Lehmziegel oder Porosblöcken. In entsprechender
Mauertechnik wurden der Nord-Süd ausgerichtete Naiskos westlich des
Rundtempels und die ebenfalls Nord-Süd ausgerichteten, in zwei
parallelen Reihen hintereinander angeordneten Naiskoi östlich des
Rundtempels gebaut. Sie dürften also in die gleiche Phase fallen, auch
Ende des 4. / Beginn des 3. Jh. v. Chr. enstanden sein. Auf der
Apollon Karneios-Terrasse errichtete man zu dieser Zeit das
Marmorpropylon, durch welches man von der Ost-West verlaufenden
Hauptstraße den Sakralbezirk betrat. Nach Nordwesten versetzt erhob
sich auf der Terrasse weiterhin ein 13,70 m x 11,20 m großer, prostyler
Antentempel. Nochmals weiter nach Norden versetzt und nicht achsial auf
den Tempel ausgerichtet stand in unmittelbarem Zusammenhang mit Grotte
und Quelle im östlichen Felshang der ältere Altar. Allerdings haben
sich von ihm bisher keine Spuren auffinden lassen. Er steckt wohl in
oder unter dem aktuellen Apollon Karneios-Altar. Auch auf der nächst
tieferen Terrasse war ein bisher in seinen Ausmaßen nicht erfaßtes,
älteres Bauwerk vorhanden, welches vom aktuell vorhanden dorischen
Peripteros, dem sog. Pink-Temple, überbaut wurde. Die bisher
sicherlich nicht in ihrer Vollständigkeit erfaßte Terrassenanlage der
westlichen Sakralbezirke vom Ende des 4. / dem Beginn des 3. Jh. v.
Chr. war in der Ausrichtung der Bauwerke auf jeden Fall am
rechtwinkligen, der gesamten Stadt zugrunde gelegten
Parzellierungsraster orientiert. Das architektonische Weichbild der
drei westlichen Sakralbezirke ist Ende 4. / Anfang 3. Jh. v. Chr. von
kleineren Naiskoi und Altären bestimmt, welche nicht streng achsial
aufeinander ausgerichtet sind. Auch die zentralen Tempel hatten
bescheidene Dimensionen. In den kleinen Tempeln waren jedoch sehr
qualitätvolle Marmorbildwerke aufgestellt. In der ersten Hälfte des
2. Jh. v. Chr. erfuhr die Ausgestaltung der drei westlichen
Sakralbezirke einen sichtbaren Wandel. Auf der Rundtempelterrasse wurde
der wahrscheinlich beim Beben des Jahres 228 v. Chr. beschädigte
Naiskos repariert, die ihm vorgelagerte Terrasse nach Süden erweitert,
Die Erweiterung wird von einer bugförmig aus dem Hang herausstoßenden
Bastionsmauer aus großformatigen Konglomeratblöcken gestützt. Und in
gleicher Flucht mit den schon vorhandenen östlichen Naiskoi erbaute man
am Ostende der Rundtempelterrasse ein Bankettgebäude. Inmitten der
Rundtempelterrasse überragt nun auf einem hohen Marmorpodium die 16,77
m breite, 1,53 m hohe Tholos alle umgebenden älteren Gebäude. Mit dem
ihr achsial zugeordneten Marmoraltar drängt sie sich mächtig in den
vorhandenen Platz. Noch monumentaler und tiefgreifender fiel die
Umgestaltung der Sakralarchitektur auf der Apollon Karneios-Terrasse
aus. Man trug den bis zu diesem Zeitpunkt beibehaltenen prostylen
Antentempel bis auf die Fundamentschicht ab und verwendete dessen
Quader zur Errichtung des neuen, 7 m längeren, aber 1 m schmäleren und
jedoch gewiß höheren Antentempels. Zugleich errichtete man den neuen,
marmornen, mit einem mythologischen Figurenfries geschmückten
Stufenaltar dem neuen Tempel gegenüber. Um den neugebauten Tempel und
den Altar aufeinander ausrichten zu können, mußte man den von Norden
her im westlichen Teil der Terrasse heruntenkommenden Felshang abtragen
und mit einer neuen, hoch aufragenden Terrassenmauer abfangen. Die
sicherlich auch schon vorher vorhandene, nach Norden in den abfallenden
Hang hineingreifende Felsbucht mit dem älteren Altar im östlichen Teil
wurde nun durch die rechtwinklig ausgerichteten Terassenmauer zu einem
orchestraähnlichen Platz. Den Westrand dieser Fläche besetzte die
Ostfront der Apollontempels, die Nordseite die hoch aufragende
Quaderwand der Terrassenmauer und die Ostflanke der steil abfallende
Felshang mit der Quellgrotte. Aus dem Zentrum nach Osten verschoben
bildete der neue Stufenaltar trotzdem den optischen und rituellen
Brennpunkt der gesamten Anlage. Deren Südflanke öffnete sich jedoch
weit auf die nach Süden hin ausgedehnte Terrassenfläche des Heiligtums.
Die an der Rundtempelterrasse und der Apollon Karneios-Terrasse
ablesbare Monumentaliserung der Sakralanlagen machte im 2. Jh. v. Chr.
auch nicht vor der nächsttieferen Terrasse halt. Auf ihr erhob sich nun
über dem älteren Vorgängerbau ein 26,10 m langer, 14,20 m breiter
dorischer Peripteros mit 12 x 6 Säulen. B) Strukturelle Merkmale des Wandels Zu
den strukturellen Merkmalen des im 2. Jh. v. Chr. an den westlichen
Sakralbezirken in Knidos ablesbaren architektonischen Wandels gehört
jedoch nicht nur die Monumentalisierung der zentralen Kultbauten. Die
Neugestaltung erschöpft sich nicht nur im größeren Bauvolumen und der
Verwendung von kostbaren Steinsorten wie z.B. am Apollonaltar. Ein
prominentes Zeichen von Pracht sind auch die zentralen Tempelbauten auf
den drei Terrassen, die jeweils einen Architekturtypus in nach oben hin
abnehmender Ausdehnung vorführen: auf der untersten Terrasse ein
dorischer Peripteros, auf der Apollon Karneios-Terrasse ein mächtiger
Antentempel, hoch oben auf der Rundtempelterrasse die Tholos. Die
prachtvolle Vielfalt der Sakralarchitektur wird vor allem auf der
Apollon Karneios-Terrasse in ein strenges, orthogonales Bezugssystem
gesetzt. Für die Festteilnehmer auf der weiten Terrassenfläche südlich
der gesamten Anlage vollzogen sich die Riten wie in Zentrum eines
Theaters, spielten sie sich doch vor der Kulisse der hoch aufragenden
nördlichen Terrassenwand auf dem Platz zwischen Tempel und Altar ab.
Dazu paßt, daß eine bedeutende knidische Familie der ersten Hälfte des
2. Jh. v. Chr. den Altar als Brennpunkt der Anlage zur Repräsentation
nutzte, wie aus den Inschriften auf den Stirnseiten der nördlichen und
südlichen Altarwange hervorgeht. Wie sehr auch die Umgestaltung der
westlichen Sakralterrassen in der ersten Hälfte des 2. Jh. v. Chr.,
also ihre Monumentalisierung, neue Pracht und Inszenierung, den
Grundzügen der zeitgleichen hellenistischen Architektur entspricht, so
ergeben sich doch im konkreten Vergleich mit anderen Heiligtumsanlagen
dieser Zeit deutliche Unterschiede. Die prachtvollen Heiligtümer der
Athena Lindia in Lindos und des Asklepios auf Kos sind als Gesamtanlage
streng achsial orientiert. Eine solche Achsialität, welche alle
westlichen Sakralterrassen in Knidos durchzieht, ist von keiner Seite
aus wahnehmbar. Vielmehr sind die prominenten Tempelbauten stets
gegeneinander verschoben. Zusammen mit den kleineren Naiskoi erweckt so
der gesamte Komplex schon von seiner Anlage her einen altertümlich,
gewachsenen Eindruck. Zu dieser Altertümlichkeit gesellen sich
architektonische Detailformen: die samische Basis der ionischen Säulen
im Propylon der Apollonterrasse, der Stufenaltar und die Nischen in den
Cellawänden des Apollontempels. Auch die Tholos auf der
Rundtempelterrasse ist kein im Hellenismus verbeiteter Architekturtyp. C) Parallele zur Veränderung der klassischen Riten im Hellenismus Faßt
man die strukturellen Merkmale der architektonischen Umgestaltung der
westlichen drei Sakralbezirke in Knidos, ihre Monumentalität, Pracht,
Inszenierung und Altertümlichkeit, zusammen, läßt sich eine Brücke zu
den Phänomenen schlagen, welche A. Chaniotis anhand der Sakralgesetze
als konstitutiv für hellenistische Riten ansieht. In zahllosen Erlassen
werden die Quantität der Teilnehmer und Zuschauer, die eujkosmiva,
ejpifavneia, cavriı der Prozession und der Ausstattung hervorgehoben.
Dabei ist das ästhetische Moment Ausdruck des Wohlstandes, die Ordnung
Spiegelbild einer in sozialer Harmonie lebenden Bürgerschaft, die Größe
Zeichen der Bedeutung des Gemeinwesens. Der Eindruck von Anciennität
schließlich begründete in der Konkurrenz hellenistischer Stadtstaaten
einen Vorrang.
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| Überbsicht über die besprochenen Heiligtümer
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Die Grabungen im Theater von Apollonia (J. Bäuerlein)
Die
Forschungen zum antiken Theater von Apollonia wurden 2006 mit bisher
zwei Arbeitskampagnen als albanisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt
begonnen. Sie haben als Ziel die bauliche Gestalt und die funktionale
Struktur des Theaters von Apollonia zu erschließen und mit
Referenzbeispielen zu vergleichen. Grundlage der neuen Forschungen sind
die Grabungen albanischer Kollegen unter Prof. Aleksandra Mano, welche
von 1971-1981 größere Teile des Theaters freigelegt haben. Das Theater
wurde aber bis jetzt nicht umfassend bearbeitet. Die Altgrabungen
förderten eine Vielzahl an Bauteilen zu Tage, welche ungeordnet im
Areal des Theaters in Fundlage oder in provisorischen Bauteillagern
liegen. Die erste Kampagne 2006 diente dazu mit einer systematischen
Bauteildatenbank einen ersten Überblick zu gewinnen. Die
Bauteildatenbank bildete die Grundlage der weiteren Arbeiten. Parallel
dazu erarbeitete das albanische Grabungsteam erste Ergebnisse zu den
Anknüpfungspunkten der Parodoi zu Orchestra, Koilon und
Analemmatamauern. Im Anschluss an die Grabungskampagne konnten mit den
Beobachtungen vor Ort, mit der Bauteildatenbank und mit den alten
Dokumentationsmaterialien erste Überlegungen zu einer Bauphasenfolge
angestellt werden. Es ließen sich bisher vermutlich fünf bis sechs
Bauphasen erschließen, die von einem möglichen vorhellenistischen
Vorgängerbau bis zu einer anders gearteten Nutzung in byzantinischer
Zeit reichen. Leider genügt aber die Dokumentation der 70er Jahre nicht
dem heutigen Standard und machte eine neue detaillierte Grundriss- und
Bauteilaufnahme erforderlich, welche in der zweiten Arbeitskampagne
2007 begonnen wurde. Die Grabungen innerhalb des Skenengebäudes
ermöglichten es 2007 auch Zerstörungs- und Nachnutzungsphasen zu
dokumentieren, die bis jetzt unbeachtet geblieben waren. Und erlauben
so neue Rückschlüsse auf ehemals vorhandenen Baustrukturen. Als
wichtigstes Ergebnis der Arbeiten 2007 ließ sich der Aufbau des
Skenengebäudes mit seinem mit ionischen Halbsäulen geschmückten
Proskenion und einer die Skenenwand bildenden dorischen Säulenhalle
erschließen. Diese von Henner von Hesberg in die erste Hälfte des
dritten Jh. v. Chr. datierte reiche Architektur war, wie neue Funde
zeigen ebenso reich mit Skulpturen geschmückt.
Bauuntersuchungen im hellenistischen Gymnasium von Pergamon (V. Stappmanns)
In
dem Vortrag wurde über die Bauuntersuchungen in den Jahren 2006 und
2007 am Gymnasion von Pergamon berichtet. Dabei stellte die Vortragende
neben den Arbeitsmethoden besonders die Ergebnisse der Bauaufnahmen –
ergänzt durch oberflächliche Säuberungen und eine Sondage – vor. Den
Schwerpunkt der Arbeiten bildete der bauliche Abschluss der oberen
Gymnasionsterrasse nach Süden, mit der Frage nach dessen Gestaltung in
der hellenistischen Nutzungsphase. Die neuen Erkenntnisse lassen
den Schluss zu, dass es in der Bauzeit und den Anfängen des Gymnasions
mehrfach zu Änderungen der ursprünglichen Baugestalt gekommen ist. Für
die oberste der drei Terrassen lässt sich ein sukzessiver Ausbau nach
Süden verzeichnen, der mit immer aufwendigeren Konstruktionen der
Stützmauern einhergeht. Als Grund für diese Baumaßnahmen werden
zusätzliche Funktionen, konstruktive Probleme im Bauablauf oder
Veränderungen der Raumgestaltung vermutet. Bisher wurde für das
hellenistischen Gymnasions ein relativ homogener Bauablauf angenommen,
diesem Bild widersprechen die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen.
Die Sondagen im Gymnasion von Pergamon 2006/07 (Marianne Mathys)
Das
Gymnasion von Pergamon ist bereits vor 100 Jahren ausgegraben worden.
Willhelm Dörpfeld hinterließ nach Abschluss seiner Arbeiten die Ruine
in ihrem spätrömischen Zustand. Die ursprüngliche, hellenistische
Anlage, die in der 1. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. erbaute worden war,
ist anhand vieler Mauerabschnitte noch gut zu erkennen. Die einzelnen
Räume sind hingegen durch die zahlreichen Umbauten der frühen und
mittleren Kaiserzeit nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand. Durch
Sondagen in ausgewählten Bereichen wird deshalb im Rahmen dieses
Projekts versucht, Raumfunktionen und mögliche Raumnutzungen der
hellenistischen Anlage zu rekonstruieren. Zudem soll erstmals
stratigraphisch dokumentiertes Keramikmaterial gewonnen werden, damit
die aus den literarischen Quellen abgeleitete Datierung der Bauzeit
überprüft werden kann. In der Kampagne 2006 wurden in zwei Räumen
der Ostseite der oberen Gymnasions-Terrasse (Raum C und Raum F/11)
Sondagen angelegt. Beide Räume dienten in römischer Zeit als
Verbindungsräume zur östlich anschließenden Thermenanlage, weshalb sie
rampenartig aufgeschüttet wurden. Durch die Sondagen in den Räumen C
und F/11 konnten verschiedene kaiserzeitliche und späthellenistische
Baubefunde und Fußböden erfasst werden. So wurden u. a. die
hellenistischen Fußbodenniveaus ermittelt. Dabei wurde festgestellt,
dass die Fußbodengestaltung in hellenistischer Zeit einfach
(Stampflehmböden) und bis in die frühe Kaiserzeit wenigen Eingriffen
unterworfen war. In Raum C wurden die Reste eines einfachen Wanddekors
teilweise noch in situ gefunden. In der frühen Kaiserzeit wurden in
diesem Raum, der zu diesem Zeitpunkt noch zum nördlich anschließenden
Raum D gehörte, eine Andesitbank und ein Podium aus Lehm eingebaut,
dessen Bedeutung bislang noch unklar ist. In der Kampagne 2007
wurden zwei Sondagen im nördlichen Bereich der oberen
Gymnasions-Terrasse (Raum G und Raum H) sowie eine Sondage im
Westflügel angelegt (Raum K). Zudem wurde eine östliche Fundamentkammer
(Kammer 24) des Südabschlusses des sog. Kellergangs archäologisch
untersucht. Bei den Arbeiten in der Fundamentkammer wurden eine
mächtige Auffüllschicht sowie ein Arbeitshorizont ausgeräumt. Die
Befunde lieferten viele wichtige Hinweise zum Bauablauf in diesem
Bereich des Gymnasions, sowie eine große Menge gut datierbare Keramik
(s. dazu auch die Ausführungen von V. Stappmanns). Im Raum G (sog.
Kaisersaal) wurden die Reste eines hellenistischen Fußbodens erfasst,
der mit Hilfe der darin enthaltenen Keramik als erste Nutzungsphase im
frühen 2. Jh. v. Chr. identifiziert werden konnte. Ein großer
Andesitblock vor der Nordmauer gehört wohl zu einem mächtigen Bema /
Podest einer frühen Phase, dessen Aufbau bei der römischen Umgestaltung
des Raumes entfernt wurde. Die These von W. Dörpfeld, P. Schazmann und
W. Radt dass der Raum G vor seiner Umgestaltung in römischer Zeit aus
zwei kleineren Räumen bestand, konnte durch die Sondage nicht bestätigt
werden. Die Raumaufteilung des hellenistischen Zustandes der Anlage
muss demzufolge erneut überprüft werden. Im Raum H (sog.
Mittelsaal) konnte das Laufniveau der hellenistischen Zeit ermittelt
werden. Der Befund lässt den Schluss zu, dass die halbrunde Exedra in
der Mittelnische gegenüber dem vorderen Bereich des Raumes leicht
erhöht und einst über eine oder mehrere Stufen zugänglich war. Auf der
Exedra waren wohl die überlebensgroßen hellenistischen Panzerstatuen
aufgestellt, die in späten Pfeilern verbaut gefunden wurden. Diese
Basis wurde bei den Umbauarbeiten in diesem Raum zwar beschnitten,
blieb aber in ihrer Form bis in die Kaiserzeit hinein bestehen. Raum
K liegt in der nordwestlichen Ecke der oberen Gymnasions-Terrasse und
wurde durch eine Sondage über die gesamte Raumbreite geschnitten. Die
abgetragene Auffüllschicht lässt darauf schließen, dass dieser Raum im
frühen 1. Jh. v. Chr. komplett umgestaltet wurde. Die zahlreichen
Fragmente von späthellenistischen, weiblichen Terrakotta-Statuetten aus
diesem Bereich waren überraschend und bedürfen noch einer Erklärung.
Hellenistische Theater – Unterschiede in der Gestaltung des Raums (Henner von Hesberg)
Am
Theater von Priene lässt sich dank der Untersuchungen Armin von Gerkans
gut aufzeigen, welche Eigenheit des Theater einer hellenistischen Stadt
von dem einer klassischen Stadt unterscheidet. Auf den Zuschauerraum
bezogen ist es die Monumentaliserung der Zuschauersitze, mit der eine
klarer Aufbau des Zuschauerrundes und eine Trennung vom Spiel
einhergeht. Dazu gehört die Reihe der Ehrensitze, die allerdings von
ihrer Position zwischen Zuschauern und Spiel vermitteln. Eine derartige
Disposition ermöglichte wirkungsvoll das Erscheinen, aber auch das
Gesehenwerden der Bürger, und zwar als Einzelpersonen wie auch als
Kollektiv im Rund des Theaters, das ja über den Halbkreis hinausging
und gerade in dieser Unbequemlichkeit den Wunsch veranschaulicht als
geschlossene Gruppe präsent zu sein. Der zweite wesentliche
Bestandteil ist das Bühnenhaus, das nun zum ersten Mal massiv auf Dauer
angelegt ist und dem Spiel einen klar umrissenen Ort gibt. Dadurch wird
aber das Theater primär zum Ort der Schauspiele und diese Konnotation
muss ihm auch bei anderer Nutzung, etwa für den Kult oder politische
Akte, verhaftet bleiben. Als Folgerung lässt sich zwar eine
Wendung der Polisgesellschaft zum Theater feststellen, das nun in hohem
Maße für kulturelle Tradition steht, aber schwerlich eine
Entpolitisierung.
Hellenistische Gymnasia: Raumgestaltung und Funktionen (Ralf von den Hoff)
Die
Frage nach den Funktionen von Gymnasia in hellenistischen Poleis wird
entweder grundsätzlich mit dem Hinweis auf ihre Bedeutung als
Kristallisationspunkte griechischer Identität und ihre Rolle als Lehr-,
Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen beantwortet (s. P. Scholz / D.
Kah: Das hellenistische Gymnasion, berlin 2004, vgl. J. Delorme:
Gymnasion, Paris 1960; C. Wacker: Das Gymnasion in Olympia, Würzburg
1996). Oder man widmet sich der gleichsam antiquarischen Zuweisung
bestimmter Raumbezeichnungen (sphairisterion, apodyterion, xystos usw.)
an im archäologischen Befund nachweisbare Räume der Gymnasia (s. nur J.
Tréheux in: BCH 112, 1988, 583-589). Einen Versuch, Gymnasia
systematisch in ihrer architektonischen und topographischen Semantik
als Bestandteile hellenistischer Städte zu verstehen, hat Henner von
Hesberg unternommen (in: Stadtbild und Bürgerbild im Hellenismus,
München 1995, 13-27). Der Beitrag versucht, die Architektur der
Gymnasia als prägendes Mittel urbaner Funktionalität und Nutzung zu
verstehen. Ausgehend von architektonisch gut bezeugten Gymnasia des
späten 4. bis 2. Jhs. v. Chr. werden Raumtypologie und architektonische
Gestaltung auf die Frage hin untersucht, für welche Praktiken
gymnasiale Räume hergerichtet, welches Verhalten ihren Besuchern
gleichsam prägend nahegelegt wurde. Folgende Thesen werden dazu
entwickelt: - Die Lage der Gymnasia innerhalb der Städte ist
wesentlich durch den hohen Platzbedarf der Gebäude und die
Notwendigkeit der Wasserversorgung bestimmt. Die häufige Errichtung am
Hang steht mit infrastrukturellen Bedürfnissen im Zusammenhang,
ermöglicht aber – wie hellenistische Architektur sehr häufig - ebenso
den weiträumigen Blick nach außen als ästhetischen Faktor wie die
Wirkung der Gebäude als visueller Blickfang der Stadtbesucher. - Dem
steht gegenüber, dass Gymnasia, deren Architektur überhaupt erst im
späteren 4. Jh. typologisch festgelegt wird, architektonisch
abgeschlossene, sich kaum nach außen öffnende Baukörper sind. Zwar wird
ihre Sichtbarkeit im Stadtbild im Laufe des 2. Jhs. erhöht, sie
behaupten aber im Verhältnis zu großen Prozessionswegen und
Sichtachsen, in die sie erst im 1. Jh. öfter eingebunden werden, eine
Randlage. - Körperpflege- und Waschfunktionen gehören vom 4. Jh. an
zu den konstitutiven Funktionen der Gymnasia. Entsprechend
ausgestatteten Räume werden im Laufe des 2. Jhs. ausgebaut. -
Symposionsräume sind gleichfalls konstitutive Bestandteile der
Gymnasia, allerdings sind sie einer überraschend geringen Zahl von
Symposiasten vorbehalten, spiegeln also hierarchische Strukturen
während der Gelage wider. - Obwohl Kultausübung eine zentrale
gymnasiale Praxis ist, werden nur selten Kulträume explizit
architektonisch kenntlich gemacht. Das Pergamener Gymnasion stellt mit
seiner mittleren ‚Tempelterrasse’ hier einen erklärungsbedürftigen
Sonderfall dar. - Die Exedren der gymnasialen Palaestren öffnen
sich, wenn sie mit Sitzbänken ausgestattet sind, fast durchweg in
Säulenstellungen zum Hof. Sie dienen sicherlich auch dem
intellektuellen Unterricht, sind aber nicht in erster Linie dafür
hergerichtet, sondern durch Sitz- und Ausblicksmöglichkeiten
multifunktional zum Verweilen und Zuschauen gedacht. Der Bedarf an
solchen Räumen und damit die Frequentierung der Gymnasia erhöht sich im
2. Jh. v. Chr. wesentlich. - Seit dem 2. Jh. werden Gymnasia nicht
nur mit einfachen Trainingslaufbahnen ausgestattet, sondern auch mit
Stadien, die eigene Zugänge für Besucher besitzen. Ihre Wichtigkeit im
Rahmen des städtischen Festbetriebes wird damit wesentlich gesteigert. -
Der materielle Aufwand auch der Außenwirkung von Gymnasia steigert sich
erst im Laufe des 2. und 1. Jhs. wesentlich. Erst seit diesem Zeitpunkt
fungieren sie als prachtvolle Repräsentationsorte der Machthaber und
städtischen Eliten.
Inschriften im öffentlichen Raum Die Publikation von Dekreten im hellenistischen Priene
(Hans-Ulrich Wiemer / Daniel Kah)
In
den Dekreten von Priene lassen sich zwei bevorzugte Aufstellungsorte
erkennen: das Heiligtum der Athena und die Agora mit der daran
anschließenden ‘Heiligen Halle’. Auffällig ist hierbei, dass
Ehrendekrete in Heiligtum der Athena stets auf Stelen publiziert
wurden, während im Bereich der Agora ausschließlich die Seitenwänden
der ‘Heiligen Halle’ zu diesem Zweck verwendet wurden. Auch Inhalt und
Zeitstellung der an diesen Orten publizierten Texte differieren
erheblich: Im Athenaheiligtum finden sich – neben Ehrendekreten von
Priene für eigene Bürger aus der ersten Hälfte des 3. Jh. v. Chr. – in
erster Linie solche Texte, die mit den auswärtigen Beziehungen der
Stadt zu tun haben: Ehrungen für Fremde, Ehrungen anderer Städte für
Priener und Dankesdekrete für die Entsendung fremder Richter aus
Priene, verbunden mit den Antwortdekreten der Stadt. Hierbei läßt sich
zum Teil belegen, dass die Städte ausdrücklich um Aufstellung im
Athenabezirk ersuchten. Die Heilige Halle dagegen war Ehrendekreten
vorbehalten, welche die Polis selbst für verdiente Bürger beschlossen
hatte. Da die Stoa im späten 2. Jh. v. Chr. an Stelle eines älteren
Vorgängerbaus neu errichtet wurde, trägt sie allerdings nur Texte aus
dieser Zeit. Es fällt auch auf, das für die vorangehende Zeit seit der
Mitte des 3. Jh. v. Chr. keine entsprechenden Dekrete bezeugt sind. Das
legt die Vermutung nahe, dass die Texte bei der Zerstörung des
Vorgängerbaus verloren gegangen sind. Dafür, dass auch an diesem
Gebäude – wenn auch aus baulichen Gründen nicht in gleicher Weise wie
in der ‘Heiligen Halle’ – Inschriften angebracht waren, lassen sich
epigraphische Indizien finden. Bei den Inschriften der Heiligen Halle
selbst wird deutlich, dass ihre Anbringung über einen längeren Zeitraum
hinweg planvoll und mit Hinblick auf die Erkennbarkeit für einen
Betrachter erfolgte. Durch größenmäßig herausgestellte
Zusammenfassungen vor den eigentlichen Dekrettexten wurde der
interessierte Betrachter in die Lage versetzt, nicht bloß den Empfänger
des Ehrendekrets auf größere Entfernung identifizieren, sondern auch
die sonst in den umfangreichen Dekreten geradezu versteckten Ehrungen
mit einem Blick erfassen zu können. Die damit verbesserte
Auffindungsmöglichkeit der Texte stützt die von Wulf Raeck formulierte
These, dass Statuen und Inschriften auf der Agora von Priene
absichtsvoll aufeinander bezogen waren. Eine private Exedra mit
Statuenbasen von Angehörigen einer Familie der Elite von Priene trägt
ein Ehrendekret, das nach Ausweis seiner Aufstellungsvorschrift im
Vorgängerbau der Heiligen Halle angebracht werden sollte. Dieser
Umstand lässt sich damit erklären, dass man hier mit einer privaten
Kopie für die öffentliche Präsenz eines Textes sorgen wollte, der mit
der Zerstörung des Vorgängerbaus der ‘Heiligen Halle’ verloren gegangen
war. Das weist auf die Bedeutung, die der Agora als Erinnerungsort für
die Oberschicht von Priene zukam. Obwohl die öffentliche Aufzeichnung
von Ehrendekreten nicht die wichtigste Bestandteil des im Hellenismus
üblichen Sets von öffentlichen Ehrungen war, so spielten sie doch im
Rahmen der Selbstdarstellung ganzer Familien durchaus eine Rolle, weil
sie auf diese Weise die Erinnerung an bedeutende Vertreter im Stadtbild
verankern konnten.
Wo sind nur die Bürger von Pergamon? Eine Spurenlese bürgerlicher Präsenz im städtischen Raum der Königsresidenz (Ruth Bielfelt)
Der
Vortrag von Ruth Bielfeldt widmete sich der Frage nach den
Möglichkeiten der Bürger Pergamons, im städtischen Raum in Erscheinung
zu treten. Angesichts fehlender archäologischer Befunde von
‚bürgerlichen’ Amts- und Versammlungsgebäuden lag der Schwerpunkt des
Interesses auf der Analyse des in Pergamon ausgeprägten Habitus
städtischer Ehrung anhand der erhaltenen Ehrenbasen wie Ehrendekrete.
Der methodische Schlüssel für die Frage nach der Selbst-Manifestation
des Demos im Stadtbild ließ sich aus hellenistischen Ehrendekreten
selbst gewinnen, in deren Ehrbeschlußfassungen sich eine auffällige
Häufung von Begriffen aus dem semantischen Feld des Erscheinens
(phainesthai, phaneros, epiphanes, ekphanes) greifen läßt. Eine
kollektive Ehrung in Form einer Dekret- oder Statuenaufstellung, so die
Schlußfolgerung, ist keineswegs allein Erscheinungs-Medium des
Geehrten, sondern ebenso des ehrenden Gremiums, des Demos, der den
städtischen Raum durch die Ehrverleihungen als sich zugehörig markiert.
Der Überblick über das Ehrverhalten im königszeitlichen Pergamon
zeigte, daß hervorragende Einzelpersonen mit einer Ehrenstatue geehrt
wurden, wenn sie der königlichen Entourage angehörten. Dieselbe
Personengruppe konnte auch dem Königshaus statuarische Ehren erweisen,
der Demos hingegen besaß gegenüber dem König einen eng begrenzten
Spielraum der Ehrzuteilung. Dies zeigte sich in eklatanter Weise am
inschriftlichen Befund des Athenaheiligtums, in dem zahlreiche
Herrscherbilder von Militärs und königlichen Funktionären errichtet
wurden, während vom Demos gestiftete Bildnisse der Herrscherfamilie
bislang nicht nachweisbar sind. Der deutlichen Reglementierung des
Dialogs zwischen Demos und Herrscher entspricht der ausgrenzende
Charakter des Athenaheiligtums und der Altarterrasse als königlich
besetzter Räume. Ob die Obere Agora als Ort der ‚Bürgermitte’
angesprochen werden darf, wurde im letzten Abschnitt anhand der
Inschriften IvP 18 und OGIS 332 diskutiert. Die anschließende
Diskussion kreiste um die Frage, ob die Inschrift OGIS 332 tatsächlich,
wie von der Referentin favorisiert, als eines der frühesten Zeugnisse
städtischen Selbstbewußtseins gegenüber dem König angesprochen werden
kann, sowie um die mögliche Ortskontinuität der Agora.
„Weniger bedeutende Statuen“? Ehrenstatuen hellenistischer Zeit auf der Akropolis von Athen (R. Krumeich)
Die
im Rahmen des Projektes „Die Akropolis von Athen im Hellenismus. Die
Ausstattung des zentralen Polis-Heiligtums im Vergleich mit anderen
öffentlichen Räumen in Athen und Attika“ untersuchten Statuenbasen auf
und von der Athener Akropolis dokumentieren unterschiedliche Formen der
statuarischen Repräsentation athenischer Bürger und römischer
Magistrate im hellenistischen Athen. Säulenmonumente wie dasjenige des
Sarapion aus Melite (um 100 v. Chr.) zeigen, ass es sich dabei
keineswegs durchweg um „weniger bedeutende Statuen“ (Paus. 1, 23, 4)
gehandelt hat. Die Wiederverwendung vieler klassischer und
hellenistischer Statuen auf der Akropolis sicherte die Weiterexistenz
dieser Figuren und führte seit dem mittleren 1. Jh. v. Chr. (und bis
zum späteren 1. Jh. n. Chr.) zu einer bemerkenswerten Vielfalt der
statuarischen Repräsentation vor allem römischer Honoranden. Zur Ehrung
dieser Personen wurden nicht zuletzt gerne ältere Statuen in weiter
Ausfallstellung verwendet, die mit einiger Wahrscheinlichkeit als
nackte oder gepanzerte Krieger zu rekonstruieren sind; die Verwendung
solcher Statuen ist um so bedeutender, als typologisch entsprechende
Ehrenstatuen für Römer aus anderen Bereichen des griechischen Ostens
bisher nicht nachgewiesen sind (vgl. Tuchelt 1979 für Asia ab 133 v.
Chr.).
Gendered Space – Präsenz und Visibilität von Frau in hellenistischen Städten (Marietta Horster)
Die
modernen Theorien über die Geschlechterdifferenz und die
Geschlechterbilder griechischer Gesellschaften basieren im Wesentlichen
auf literarischen Quellen der archaischen und der klassischen Zeit
sowie auf den Vasenbildern des 6. und 5. Jahrhunderts. Dadurch
entstehen Geschlechterbilder, die charakterisiert sind von Dichotomien:
von öffentlichen und privaten Räumen, von Ordnung und Chaos, von
Gesellschaft und Natur, von Geist und Körperlichkeit. Transgressionen
dieser Grundmuster erfolgen einerseits im Theater und andererseits
durch klar definierte Rituale. Diese erlauben, ermöglichen und
erzwingen, dass Frauen ihren Anteil am Leben in der und für die
Gesellschaft demonstrieren. Sie werden dadurch im öffentlichen Raum
sichtbar, werden aktiver Teil der gesellschaftlichen und politischen
Ordnung. Gesellschaftliche Strukturen und Geschlechterbilder der
hellenistischen Zeit werden in diesen Kontexten moderner Forschung
selten angesprochen, in der Regel ist lediglich von einer
Privatisierung von Politik und öffentlichem Raum die Rede, die dadurch
auch eine stärkere Beteiligung am gesellschaftlichen Leben und eine
größere Visibilität von Frauen in der Öffentlichkeit zur Folge habe.
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Letzte Änderung:
09.02.2009
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