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Laufende Arbeiten
Nach Abschluss der seit Juli 2008 durchgeführten
vorbereitenden Arbeiten hat das Projekt zur Zeit drei inhaltliche Schwerpunkte:
(1) Edition einer unpublizierten Inschrift
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Priene: Diagraphe aus der byzantinischen Hauptkirche (Foto 2008)
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Auf einer in der byzantinischen Hauptkirche von Priene
vermauerten Stele, die bei der Untersuchung des Gebäudes vor einigen Jahren
freigelegt wurde, ist ein längerer Text über den Verkauf des Priestertums (diagraphe) der Kybele aufgezeichnet (vgl. Kultplatz
und Heiligtum im hellenistischen Kybelekult. Eine neue Diagraphe aus Priene im zweiten Teilkolloquium des Netzwerks Urbane
Infrastruktur der hellenistischen Polis: Die Rolle
und Sichtbarkeit des Religiösen in der hellenistischen Polis
). Die Edition, die auf Vorarbeiten
von Prof. Wolfgang Blümel (Köln) aufbauen konnte, ist weit fortgeschritten.
Nachdem der Stein im Oktober 2009 aus dem Mauerverband gelöst und ins
Grabungsdepot verbracht wurde, sollen für die Publikation, die den Epigraphica
Anatolica geplant ist, allerdings zunächst im Sommer 2010 noch neue Fotos
gemacht und Details geprüft werden.
(2) Die Ehrendekrete der ‘Heiligen Halle’
Auf den Seitenwänden der sogenannten ‘Heiligen Halle’,
welche die Agora von Priene nach Norden abschließt, sind lange Ehrendekrete für
Bürger der Stadt aus dem späten 2. und den 1. Jh. v. Chr. aufgezeichnet, die –
neben dem Archiv mit internationalen Dokumenten auf der Nordante des
Athenatempels und einer Gruppe von Ehrendekreten aus dem frühen Hellenismus auf
Stelen, die im Athenaheiligtum aufgestellt waren – einen der drei wichtigsten
zusammenhängenden Quellenbestände für die Geschichte von Priene darstellen.
Gleichzeitig sind die langen Texte eine der zentralen Quellen für die
Sozialgeschichte der Polis überhaupt, da sie in großem Detailreichtum die
euergetischen Aktivitäten prominenter Bürger der Stadt schildern.
Nachdem wir schon in den Vorabeiten für das Projekt der
Frage nach der Beziehung von Inschrift und Monument am Beispiel der Dekrete der
‘Heiligen Halle’ nachgegangen waren (vgl. den Beitrag Inschriften im
öffentlichen Raum. Die Aufstellung von Dekreten und Statuen im hellenistischen
Priene im Bericht des ersten Treffen des
Netzwerks Urbane Infrastruktur der hellenistischen Polis: Heiligtümer
–
Theater –
Gymnasia – Agorai. Öffentliche Räume als Strukturelemente der hellenistischen
Stadt
), beschäftigen wir uns jetzt noch
einmal intensiver mit diesen Texten. Hierbei sind hat sich unser erster
Eindruck bestätigt, dass es sich um einen in mehrfacher Hinsicht ganz
außergewöhnlichen Quellenbestand handelt. Die Aufzeichnung von Ehrendekreten
auf Gebäudewänden war nämlich in der hellenistischen Polis keineswegs üblich.
Dort finden sich in der Regel staatrechtlich relevante Texte wie Staatsverträge
oder Königsbriefe, wie auch auf der Nordante des Athenatempels von Priene. Das
dort ebenfalls angebrachte Ehrendekret für König Lysimachos (I. Priene 14) ist
hierbei keine Ausnahme, sondern bestätigt die Regel, da die Ehrung eines
fremden Herrschers nicht in einen innerstädtischen, sondern einen
außenpolitischen Kontext gehört.
Abhängig vom Anbringungsort ist die Länge der Texte, aus der
wiederum ihr Detailreichtum folgt. Texte einer Länge von bis zu 20.000
Buchstaben, wie sie sich in der ‘Heiligen Halle’ finden, sind auf Stelen, aber
auch auf Statuenbasen und Säulen, kaum unterzubringen. Der außergewöhnliche
Inhalt der Dekrete hängt also mit dem Schriftträger zusammen. Diesem Ansatz
wollen weiter nachgehen. Konkret ist zu fragen, ob die Anbringung der Dekrete
an den Wänden (und vielleicht auch schon deren konkrete Ausgestaltung, die in
Material und Aufbau die Voraussetzungen für eine Beschriftung erfüllte) einem
allgemeinen Bedürfnis nach detaillierter Selbstdarstellung der
Honoratiorenschicht folgte, oder ob sich nicht umgekehrt die Ausführlichkeit
der späthellentischen Ehrendekrete in Priene eher zufällig aus der Möglichkeit
ergab, Texte dieser Länge auf den Wänden der neugebauten Halle anbringen zu
können.
Dass die Agora von Priene insgesamt und schon vor der
Errichtung der ‘Heiligen Halle’ ein prominenter Erinnerungsort der Polis und
ihrer Oberschicht war, zeigen Ehrendekrete auf Trommeln der unkannelierten
Säulen der den Platz im Westen, Süden und Osten umlaufenden Hallen, die
allerdings nur in geringer Zahl erhalten sind. Sie beginnen an der Wende von 3.
zum 2. Jh. v. Chr. und stellen einen typologisch weniger geschlossenen Bestand
als die Dekrete der ‘Heiligen Halle’ dar, da sie auch Ehrungen fremder Städte
für Priener beinhalten. Die prienischen Dekrete weisen allerdings mit einem
abgesetzten Exzerpt, das in größeren Buchstaben das Datum, den Namen des
Honoranden und die wichtigsten Ehrungen hervorhebt, große formale Parallelen zu
den Texten der ‘Heiligen Halle’ auf. Eine doppelseitig beschriebene
Säulentrommel (I. Priene 65 und 66) legt die These nahe, dass zu einem späten
Zeitpunkt alle Säulen der Agorahallen auf zumindest einer Seite beschriftet
waren. Parallel zu den Hallenwänden stellt sich auch bei den Säulen die Frage,
ob der Verzicht auf eine Kannellierung, der die Voraussetzung für eine
Beschriftung darstellt, aus dem Wunsch folgte, die Inschriften dort anbringen
zu können, oder ob hier die epigraphical habit hier lediglich eine
architektonische Neuerung als Möglichkeit nutzte.
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| Priene: Inschriften auf der Westwand der ‘Heiligen Halle’ (Rekonstruktion von C. Fredrich, I. Priene, Beil. zu S. 82)
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(3) Demokratie in der Kleinstadt
Aktuell beschäftigt sich das Projekt mit der Frage, welche
Auswirkungen die für Priene anzunehmende geringe Bürgerzahl (eine Reihe von Indizien weisen auf eine Zahl von
ca. 1000) auf die politische und soziale Struktur der Stadt hatte. Erste
Überlegungen hierzu haben wir auf dem 2. Plenarkolloquium des SPP zum Thema Inklusion
und Exklusion in der hellenistischen Polis im
November 2009 vorgestellt (Demokratie in der Kleinstadt. Überlegungen
zu den demographischen Bedingungen sozialer und politischer Interaktion am Beispiel
Priene).
Für die epigraphischen Arbeiten
führen wir jährlich kurze Forschungsaufenthalte in Priene durch. Der erste fand
Ende August 2008 statt, der zweite im September 2009.
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Letzte Änderung:
06.01.2010
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