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Projektbeschreibung
Ziel des Projekts ist eine
umfassende Untersuchung, welche alle relevanten Aspekte berücksichtigt und die
neueren Ergebnisse zur Geschichte der hellenistischen Polis wieder in den
Kontext der Lokalgeschichte Prienes einordnet und chronologisch differenziert.
Grundlage hierfür ist eine systematische Analyse der Inschriften, die am
Beispiel von Priene die Entwicklung der hellenistischen Polis als eines
demokratischen Bürgerstaats mit außenpolitischem Souveränitätsanspruch zu einer
von Notabeln dominierten Provinzstadt des Imperium Romanum untersucht. Hierbei
soll dem Wandel der kollektiven Vorstellungen über die Polis und ihre Bürger,
der Rolle polisübergreifender Integrationskreise, den Modalitäten sozialer
Integration, aber auch den Symptomen sozialer Ungleichheit und der Rolle der
politischen Elite nachgegangen werden. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse
sollen mit den Ergebnissen der archäologischen Forschung verknüpft und in Form
einer zusammenfassenden Monographie dargestellt werden.
Das bislang gefundene
epigraphische Material wird durch ein 1906 von Friedrich Hiller von Gaertringen
publiziertes Corpus fast vollständig erschlossen. Für viele der Texte sind seit
der Erstpublikation an verstreuten Orten Berichtigungen veröffentlicht worden.
Im einzelnen werfen viele Texte des monumentalen Bandes allerdings aufgrund
seiner Entstehungsumstände – der eigentlich vorgesehene Bearbeiter Johannes von
Prott war nach der Aufnahme der Inschriften vor Ort verstorben – bislang
ungeklärte Probleme auf, die am Original oder im Abklatscharchiv der Inscriptiones
Graece in Berlin überprüft werden müssen.
Das Unternehmen wird dadurch
begünstigt, dass die archäologische Erforschung der Stadt, in der sich der
hellenistische Bauzustand sehr gut greifen lässt, da er in der Kaiserzeit nur
in geringem Umfang überbaut wurde, relativ weit fortgeschritten ist. Durch die
deutschen Ausgrabungen, die 1998 unter Leitung von Wulf Raeck wieder
aufgenommenen wurden, ist es gelungen, das statische Bild der hellenistischen
Polis Priene, wie es sich nach den Ausgrabungen von 1895-1898 darstellte, in
wesentlichen Aspekten zeitlich zu differenzieren.
Die für die Frage nach
soziokulturellem Wandel wichtigsten Ergebnisse liegen in drei Bereichen: So
haben die neuen Untersuchungen der Wohnbebauung die These, dass im Laufe des
Hellenismus ursprünglich gleich große, individuell bebaute Parzellen
zusammengelegt wurden, um auf ihnen größere, repräsentative Wohnhäuser zu
errichten, bestätigt und weiter differenziert. Die Verbindung von Stadtbild und
Bürgerbild kommt in der Aufstellung von Ehrenstatuen und der damit verbundenen
Platzgestaltung der Agora sinnfällig zum Ausdruck. Schließlich weisen
Untersuchungen an der Agora, am Athena-Heiligtum und am Heiligtum der
Ägyptischen Götter auf einen „Monumentalisierungsschub“ nach einer
Erdbebenkatastrophe im dritten Viertel des 2. Jahrhunderts, der nach einer
Erklärung verlangt.
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Letzte Änderung:
24.08.2009
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