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Soziokultureller Wandel im hellenistischen Priene
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Wiegand / Schrader: Priene, Tf. I A
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Die ionische Polis Priene bietet
ausgezeichnete, aber bislang nicht hinreichend genutzte Voraussetzungen, um die
Frage nach Kontinuität und Diskontinuität in der Entwicklung der
hellenistischen Polis am Beispiel einer einzelnen Stadt zu überprüfen und zu vertiefen.
Priene tritt uns im frühen Hellenismus als eine selbstbewusste und mit allen
Attributen antiker Staatlichkeit ausgestattete Bürgergemeinde entgegen, die
ihre Freiheit und Autonomie gegen äußere Bedrohungen entschlossen verteidigt.
Im Dauerkonflikt mit den größeren Nachbarpoleis bietet die Anlehnung an
wechselnde Könige den Prienern die Chance der Selbstbehauptung. Im späten
Hellenismus, verstärkt seit der Einrichtung der Provinz Asia, geht der
außenpolitische Handlungsspielraum der Priener jedoch dramatisch zurück; Rom
verdrängt alle anderen Mächte.
Es ist daher ein Glücksfall, dass
die deutschen Ausgrabungen in der Stadt seit 1895 eine reiche Ausbeute an
hellenistischen Inschriften erbracht haben, die soziale Strukturen und
kulturelle Praktiken in dieser Polis kleinerer bis mittlerer Größe in einer für
die hellenistische Zeit seltenen Dichte beleuchten. Dieses reiche Material ist
den Spezialisten für hellenistische Geschichte gehört seit langem zum Kernbestand
der für überregional ausgerichtete Untersuchungen herangezogenen Quellen. Es
ist jedoch für sozial- und kulturgeschichtliche Fragen noch längst nicht
erschöpfend ausgewertet worden, zumal die epigraphische Dokumentation kaum je
als ganze in den Blick genommen wird. Zudem fehlt ein Modell, das die neueren Ergebnisse
zur Sozialgeschichte der
hellenistischen Polis mit der sozialen Dynamik einer Kleinstadt mit vielleicht
um die 1000 Bürgern verbindet.
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Letzte Änderung:
24.08.2009
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