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Knidische Sakralbezirke im Hellenismus
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Tradition und Wandel offizieller Sakralbezirke im Hellenismus am Beispiel stadtstaatlicher Heiligtümer in Knidos (Kap Tekir)

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Die Bedeutung stadtstaatlicher Kulte für die hellenistische Polis und die darin lebenden Bürger wurde jüngst von F. Graf herausgestellt. Die offiziellen Kultfeiern der Poleis sind nicht nur als Veranstaltungen miteinander konkurrierender Stadtstaaten zu sehen. Sie bilden im sakralen Gefüge der Stadt auch einen Gegenpol zu Kulten, in die Individuen mit ihren persönlichen Belangen eingebunden waren. Es handelt sich bei den Kultfeiern um "Akte des Miteinander", wie sie auch für andere Bereiche der Polis überliefert sind. Diese politische Bedeutung der offiziellen stadtstaatlichen Kultfeiern prägt auch die prachtvolle Ausrichtung von Kultprozessionen. An den damit einhergehenden Riten nahmen nicht nur die gesamte Bürgerschaft der jeweiligen Polis, sondern auch Gesandtschaften eingeladener anderer Städte durch Überbringung von Gaben aktiv teil. Die Anzahl der Gesandtschaften aus den befreundeten Poleis, die Pracht von Feier und Gaben manifestierte nach außen Bedeutung und Geltung der Polis, was auf das Wohlwollen der Gottheit und auf deren Einsatz für die Polis zurückgeführt wird. Nach innen spiegeln die Kultfeiern, vor allem aber die Prozession in der Staffelung ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die gesellschaftlichen Hierarchien und verleihen dem jeweiligen Bürger seinen Ort innerhalb des gesamten Gefüges. Die Kultfeier führt dem Einzelbürger vor Augen, welch bedeutender Polis er angehört und zeigt ihm zugleich seinen Platz innerhalb der an der Feier teilnehmenden Gemeinschaft.
In der inhaltlichen Bedeutung und Funktion der offiziellen Riten wird jedoch kein gravierender Wandel von der Klassik zum Hellenismus erkennbar. Allerdings nimmt die Zahl von Neueinrichtungen oder Wiederbelebungen von Kultfeiern zu, die ursächlich mit politische Ereignissen verknüpft sind. Dies steigert die Bedeutung der vollzogenen Riten, innerhalb derer Prozessionen einen, wenn auch repräsentativ gesteigerten, Abschnitt bilden. Die Inszenierung der Kultfeiern wird im Hellenismus in politischer Hinsicht gesteigert, auch wenn die Anfänge in der Klassik zu suchen sind.
Die soeben skizzierte Entwicklung, die besonders prachtvolle, extrovertierte Inszenierung erforderte gleichsam als Bühne innerhalb der Sakralbezirke geeignete architektonische Anlagen. Der sich von der Klassik bis in den Hellenismus hinziehende Prozeß läßt sich an einer ganzen Reihe von Heilgtümern ablesen, sowohl an den traditionsreichen griechischen Zentraheiligtümern wie auch an solchen von begrenzter, regionaler Bedeutung.
Die Bedeutung der knidischen Sakralbezirke schlägt sich schon in Anlage und Rasterung der Stadt nieder. Denn die breite O-W-Magistrale endet im Westen am einem Marmorpropylon, durch das man wahrscheinlich in den Bezirk des Apollon Karneios gelangte. Da das übrige Straßenraster rechtwinklig auf diese breite Achse ausgerichtet ist, sind Apollon-Karneios-Heiligtum und Stadtanlage untrennbar miteinander verknüpft. Dies gilt dann auch für die auf eigenen Terrassen liegenden weiteren Tempelbauten und -bezirke. Die Lage der Sakralbezirke auf dem westlichen seewärts liegenden Geländegrat schafft für die Stadt eine glanzvolle architektonische Kulisse.
Während nun durch Grabungen die Anlage der Stadt, einschließlich der O-W-Magistrale und der Stadtmauer in die zweite Hälfte des 4. Jh. v. Chr. datiert ist, fällt, was die Sakralbezirke angeht, nur das schon erwähnte Marmorpropylon in diese Zeitspanne. Die freigelegten Sakralbauten - das Heiligtum des Apollon Karneios und das des Dionysos, die uns vorerst unbekannten Gottheiten geweihten Tholos und der „Dorische Tempel" - des westlichen Stadtsektors entstanden im 3. bis 1. Jh. v. Chr. Zahlreiche Einzelfunde und ein vom Ringhallenfundament des Dorischen Tempels durchschlagenes Kieselmosaik belegen für den westlichsten Stadtsektor frühere, auch noch über die Klassik zurückreichende Kultbauten. Folglich wurden die knidischen Sakralbezirke im Hellenismus umgebaut und damit zeitgemäßen Gestaltungsformen angepaßt. Es ließe sich also an der Entwicklung der knidischen Sakralbezirke der oben aus religionsgeschichtlicher Sicht skizzierte Prozeß mit archäologischen Mitteln in einer spezifischen Ausprägung analysieren.



















Letzte Änderung: 01.12.2006