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Priene im Hellenismus
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Laufende Arbeiten


Seit dem Beginn der Förderung im Schwerpunktprogramm wurden feldarchäologische und baugeschichtliche Untersuchungen in folgenden Bereichen durchgeführt, die besondere Aufschlüsse über die städtebauliche Entwicklung des hellenistischen Priene versprechen:

Bouleuterion und Prytaneion.
Unter dem Bouleuterion nordöstlich der Agora waren bereits vor einigen Jahren Fundamente älterer Wohnhäuser festgestellt worden. Dies konnte nun auch für das östlich anschließende Prytaneion wahrscheinlich gemacht werden, so daß man sich den Abriß von Wohnbauten als Voraussetzung für die Errichtung der beiden zentralen Gebäude des politischen Lebens im Hochhellenismus vorzustellen hat. Offen war zunächst die Frage nach dem Aussehen des südlich anschließenden Geländes von der Größe einer halben Insula (ca. 18 x 23 m) bis hin zur „Westtorstraße“. Die Untersuchungen der Kampagne 2007 haben zu dem überraschenden Ergebnis geführt, daß es in diesem prominenten Bereich der Stadt bis zum Bau der jüngeren Nordhalle in der 2. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. wohl überhaupt keine Bebauung gegeben hat.


Heiligtum der ägyptischen Götter und westliche Nachbarinsula E 13.
Heiligtum der ägyptischen Götter. Mauern der Vorgängerbebauung   [zoom]

Seitdem es sicher ist, daß es sich bei dem zentralen Kultbau des Heiligtums nicht, wie in den hundert Jahren seit seiner Freilegung angenommen, um einen Altar, sondern um einen Podiumtempel handelt, gehört die Beantwortung folgender Fragen zu den Hauptzielen des Forschungsprojekts: Wann ist der Tempel zu datieren? - Wie sah das bereits für die Zeit um 200 v. Chr. inschriftlich bezeugte Heiligtum vor dem Tempelbau aus und wie entwickelte es sich? -Was befand sich anstelle des Heiligtums vor dessen Gründung, die allgemein ins 3. Jh. v. Chr. gesetzt wird?

Nach den Untersuchungen der Arbeitskampagnen 2006 bis 2008 läßt sich der Forschungsstand hierzu folgendermaßen umreißen: Es sind zwei große Terrassierungsmaßnahmen nachzuweisen.
1. Die erste gehört wohl ins frühe 3. Jh. v. Chr. und ist bis jetzt hauptsächlich an einer mindestens die gesamte östliche Insula in Ostwest-Richtung durchziehenden Stützmauer erkennbar. Ältere Bebauung ist im gesamten untersuchten Bereich bis jetzt nicht sicher nachzuweisen. Wahrscheinlich, aber nicht sicher, in die Phase dieser Terrassierung gehören vier Gebäude vom Typus des Prostashauses, deren Grundfläche die der aus Priene gut bekannten typologisch ähnlichen Bauten der Gründungsphase mehrfach übertrifft.
2. Die erwähnte Terrassenmauer wurde offenbar etwa zu Beginn des 2. Jhs. v. Chr. zerstört oder außer Funktion gesetzt und eine zweite Terrassenauffüllung angelegt.
3. Auf dieser jüngeren Terrassierung wurde der Podiumtempel errichtet. Der zeitliche Abstand zwischen der zweiten Terrassierungsmaßnahme und dem Tempelbau ist noch nicht ermittelt. Der Tempel könnte in den späten Hellenismus oder in die frühe Kaiserzeit gehören.
Unklar ist derzeit auch noch, ob die Terrassenmauer und die Prostashäuser mit einer frühen Phase des Heiligtums zu verbinden sind.
Unabhängig von der Frage nach ihrer vielleicht sakralen Funktion ist der Nachweis der `großen Prostashäuser´ generell von großer Bedeutung für die Stadtgeschichte Prienes, weil sie möglicherweise zusammen mit weiteren Beispielen eine eigene Phase des hellenistischen Wohnhausbaus in dieser Stadt repräsentieren, die bisher nicht faßbar war.


Felsheiligtümer nördlich der Wohnstadt.
Felsheiligtum Ost. Votivtischchen mit Reliefverzierung aus Blei   [zoom]
In der Kampagne 2007 waren in einer bislang nicht untersuchten Zone, die den gesamten Stadtbereich hangwärts begrenzt, zwei Kultplätze festgestellt worden, von denen einer, nahe der östlichen Stadtmauer gelegen, der Kybele zugewiesen werden konnte. 2008 sollten die Ausdehnung und bauliche Struktur dieses Heiligtums genauer erfaßt und anschließend die Untersuchung auf benachbarte Areale ausgedehnt werden. Es zeigte sich dabei, daß das gesamte Gelände viel stärker anthropogen gestaltet war als bisher angenommen. Stützmauern, zahlreiche Reste von Kleinarchitektur und elaborierte Wasserversorgungsanlagen belegen eine intensive Nutzung und Bebauung des Areals. Die Struktur dieser Bebauung ist bis jetzt ebenso wenig geklärt wie die Frage, ob es sich um einen oder um mehrere Kultplätze handelt. Die sakrale Nutzung steht aufgrund des Fundmaterials (zahlreiche Votive, besonders Terrakotten tanzender Mädchen) jedoch fest. Die Fundkeramik scheint nach dem vorläufigen Stand der Auswertung ausschließlich in die spätklassische und hellenistische Zeit zu gehören.


Wohnbebauung im nordwestlichen Stadtviertel.
Nach mehrjähriger Unterbrechung wurde 2008 die Ausgrabung eines hellenistischen Hauses in der Insula D 2 nördlich der „Theaterstraße“ in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer fortgesetzt. Das Gebäude war, wie das gesamte Stadtviertel, in der 2. Hälfte des 2. Jhs. v. Chr. durch eine Naturkatastrophe zerstört worden und liefert daher umfassende und detaillierte Informationen zum Hausinventar und zur Baugeschichte hellenistischer Wohnhäuser. Die Kenntnis seines Grundrisses und seiner baulichen Veränderungen wurde im vergangenen Jahr wesentlich erweitert. Von besonderer Bedeutung für die in Teilen noch immer unsichere Chronologie von Priene ist ein Fund von ca. 50 Münzen.
Die östlich benachbarten Häuser, die schon von im 19. Jh. ausgegraben wurden, waren Gegenstand einer detaillierten Bauuntersuchung, die in den kommenden Jahren auf weitere Wohngebiete ausgedehnt werden soll. Das Ziel dieses Vorhabens ist es, die nach heutigem Standard unzureichend dokumentierten Bauten sorgfältig aufzunehmen und zu untersuchen, um auf dieser Grundlage eine detaillierte Geschichte der hellenistischen Wohnbebauung zu erarbeiten. Bereits die erste Kampagne (2008) erbrachte zahlreiche neue Beobachtungen, auch zu Punkten, deren Relevanz für die allgemeine Stadtgeschichte von Priene auf Anhieb erkennbar ist, etwa zur Frage nach der Vorbereitung des Geländes vor der Erstbesiedlung oder der Vereinnahmung öffentlichen Straßenraumes durch Privatbauten.









Letzte Änderung: 12.01.2009