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Poleis in Koina
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Projekt
Poleis in Koina

In der ersten Antragsphase stehen 2 Themenschwerpunkte im Vordergrund: Themenschwerpunkt 1 widmet sich den Einwirkungsmechanismen der Bundesebene auf die Strukturen der Bundespoleis. Zu fragen ist, inwieweit sich die politische Verfasstheit einer Bundespolis veränderte und sich im ökonomischen Bereich Eingriffe in die internen Belange einer Polis feststellen lassen. Besondere Beachtung finden in diesem Themenschwerpunkt die Einwirkungen auf die Zusammensetzung der lokalen Führungsschichten, auf die Formen der Selbstdarstellung der Eliten sowie auf deren Kommunikationsstrukturen. Neue Ergebnisse sind hier etwa durch umfassende prosopographische Studien auf der Grundlage der epigraphischen Quellen zu erwarten. Es soll des weiteren beleuchtet werden, wie die Zugehörigkeit zu einem Koinon sich auf die kulturellen und religiösen Einrichtungen und Praktiken in einer Bundespolis auswirkte. Damit sind Fragen angesprochen, die in der Gesamtkonzeption des Schwerpunktprogramms im Zentrum des Forschungsinteresses stehen, das sich auf die Komplexität und Vitalität der Polisgemeinschaften vor dem Hintergrund der Prozesse des sozialen Wandels in hellenistischer Zeit richtet.
In Themenschwerpunkt 2 steht die Frage im Mittelpunkt, welche Interdependenzen zwischen politisch-staatsrechtlichen Entwicklungen und siedlungspolitischen Veränderungen in den Koina vorhanden sind. Zur Veranschaulichung seien hier drei Fallbeispiele angeführt, die erkennen lassen, wie stark Bundesstaaten auf unterschiedliche Weise in die Siedlungsstrukturen und das Ensemble der Bundespoleis eingegriffen haben:
1. Bundesstaaten „gründeten“ Poleis, etwa indem sie eine Stadt neu einrichteten (vgl. Megalopolis in Arkadien) oder Bevölkerungsteile aus bestehenden Städten ausgliederten und anschließend als nun „souveräne“ Poleis in ihre Bünde einbezogen (vgl. Kleonai auf der Peloponnes).
2. Koina integrierten eine Vielzahl von Poleis, die bislang außerhalb föderalistischer Organisationen standen, in ihre Bünde (In Achaia z.B. Korinth, Megara, Argos). Diese Vorgänge wurden in einigen Fällen militärisch erzwungen. In anderen war die in Aussicht stehende Mitgliedschaft so attraktiv, daß Polisverbände freiwillig einem Bund beitraten.
3. In Bundesstaaten fanden Synoikismosprozesse statt, die dazu dienen sollten, die territoriale Einheit der Koina zu stärken. Im Jahre 313 hatten beispielsweise die Akarnanen auf Vorschlag des Kassander eine Neuordnung ihrer Siedlungsstrukturen durchgeführt, in dem sie die Bevölkerung der Städte im Süden der Landschaft in drei Zentralpoleis in Mittelakarnanien ansiedelten.
Die Strategien und Zielvorstellungen, die auf Bundesebene ausgearbeitet wurden, wie die sich daraus ergebenden Konsequenzen der Eingriffe in die Struktur des jeweiligen Bevölkerungsverbandes und Veränderungen in der Siedlungsstruktur der Bundespoleis sollen im Spannungsfeld zwischen Bewahrung von Tradition und den Wandlungsprozessen in diesem Teilprojekt untersucht werden. Da die Bearbeitung des Themenschwerpunktes 2 umfangreiche Vorstudien voraussetzt, vor allem wegen der Sichtung der archäologisch-siedlungsgeschichtlichen Fundberichte, wird in der ersten Förderungsphase mit den „Vor- und Zentralorten“ ein besonderer Typus von Bundespoleis in den Blick genommen. Als Zentral- bzw. Vororte eines Koinon sind die Poleis anzusehen, in denen die politischen Bundesgremien tagten, sich öffentliche Gebäude und Heiligtümer des Bundes befanden und die symbolischen Handlungen vollzogen wurden, die die Einheit des Bundes zum Ausdruck bringen sollten. Zu fragen ist danach, wie sich das latente Spannungsgefüge zwischen „Vorort“ und den übrigen Mitgliedsstaaten vor dem Hintergrund der Gesamtstruktur der Bünde entwickelte und welche Konsequenzen es für ein Bundesmitglied hatte, wenn es die Funktion eines Vorortes zugewiesen bekam. An diese Studie anschließend wird man erst in der Lage sein, mittels einer Typologisierung auch andere Bundespoleis in den Blick zu nehmen, um zu einer Gesamteinschätzung der Intensität und Wirkungsweisen der Interdependenzen zwischen Urbanisierung und politischen Wandlungsprozessen in den Bundesstaaten der hellenistischen Zeit zu gelangen.
Das Projekt weist vielfältige Berührungspunkte mit dem zentralen Thema des Schwerpunktprogramms auf. Vor allem steht zu erwarten, daß die Dynamik und die Vielschichtigkeit der Entwicklung der großen Zahl hellenistischer Poleis, die unter dem Einfluß von übergeordneten Bundesstrukturen von statten ging, in einer zusammenfassenden Synthese mit schärferen Konturen versehen werden kann.


Letzte Änderung: 18.09.2006